Das Welterbegesicht vom Mega-Werbeplakat

Ein übergroßer Bergmann vor der Kulisse von Annaberg-Buchholz: Jeder, der die Autobahn 4 von Chemnitz nach Dresden fährt, macht mit ihm Bekanntschaft. Wirklich kennen werden den Habitträger auf dem Großplakat aber die wenigsten, die dort entlangkommen. Wer ist dieser Mann?

Annaberg-Buchholz.

Viel Holz, alte Bilder an den Wänden, überall Relikte aus vergangenen Zeiten, natürlich auch aus der des Bergbaus. Es geht rustikal zu in seinem kleinen Gasthof mit Pension am Stadtrand von Annaberg-Buchholz. Und auch haut ihn so schnell nichts um. Frank Roch: authentisch, das Mundwerk am rechten Fleck - ein Erzgebirger eben. Er ist der Mann, der in seinem Habit als Annaberger Bergmeister den Autofahrern an der A4 bei Berbersdorf Tag für Tag zulächelt - von einem 40 mal 23 Meter großen Banner.

Obwohl Frank Roch selbst nie im Bergbau tätig war, ist dieses Kapitel erzgebirgischer Geschichte für ihn eine Herzensangelegenheit. In die Wiege gelegt wurde ihm das von seinem Vater. Er, Helmut Roch, bewahrte 1979 die Frohnauer Bergknappschaft vor dem Aus, indem er die Leitung übernahm. 2013 wanderte der Staffelstab dann an Frank Roch weiter. In dieser Funktion steht er derzeit 42 aktiven Mitstreitern in der Frohnauer Bergknapp- und Brüderschaft "Glück auf" vor. Etwa 25 mal im Jahr ist er mit dieser Truppe bei Bergaufzügen unterwegs, vorrangig in der Advents- und Weihnachtszeit. Doch er will nicht nur repräsentieren. Der 51-jährige Familienvater ist immer daran interessiert, Hintergründe kennenzulernen und Zusammenhänge herzustellen. Deshalb widmet er sich zudem der Heimatforschung, vornehmlich für den Bereich Bergbau.


Weil sein Herz dafür schlägt, freut es ihn natürlich, dass das Erzgebirge den Welterbetitel erhalten hat. Das bietet für die Region große Chancen, sagt Roch. Dass er dabei nun plötzlich selbst im Fokus steht, kam zwar überraschend, empfindet er allerdings auch als "eine große Ehre" und "eine schöne Sache". "So langsam kann ich mich allerdings nicht mehr sehen", sagt er mit einem Schmunzeln.

Doch wie kommt gerade der 51-jährige gebürtige Frohnauer auf das übergroße Banner? Die Erklärung dafür ist relativ simpel. Im Februar gab es eine Zusammenkunft unter anderem mit Vertretern der Sächsischen Staatskanzlei und dem Welterbeverein, bei der es um die Umsetzung einer Plakataktion in Vorbereitung der Welterbeentscheidung ging. "Insbesondere unserem Ministerpräsidenten Michael Kretschmer war es sehr wichtig, auf solch eine Weise das Erzgebirge zu unterstützen", erzählt Sieglinde Barthel, die im Welterbeverein mitarbeitet. Für die Umsetzung der Idee im Rahmen der Kampagne "So geht sächsisch", wurde natürlich ein Protagonist gebraucht. "Da habe ich Frank vorgeschlagen", sagt Sieglinde Barthel. Das lag nahe, ist sie doch ebenfalls Mitglied der Frohnauer Knappschaft. Und weil Frank Roch nichts dagegen hatte, stand er im Mai vor der Kamera, nicht irgendwo, sondern in Frohnau. "Das Foto ist wunderschön geworden, weil es gerade auch die Kulturlandschaft zeigt, die Bestandteil der Montanregion ist", betont Sieglinde Barthel.

Dass der 51-Jährige damit nun quasi über Nacht Bekanntheit erlangt hat, damit kann er umgehen. "Es ist schon manchmal lustig, wenn mich Gäste eine Zeit lang immer wieder von der Seite anschauen und dann irgendwann fragen: ,Kann es sein, dass wir Sie schon mal irgendwo gesehen haben?'", erzählt Frank Roch, der 1997 die "Morgensonne" übernommen hat. Die historische Lokalität, deren Geschichte er bis ins Jahr 1496 zurück verfolgen kann, liegt direkt an der Kreuzung der Bundesstraße 95 und der Staatsstraße 265 bei Annaberg-Buchholz. Früher kehrten dort die Kutscher ein, die mit ihren Pferdefuhrwerken ins Böhmische unterwegs waren. Heute sind es zumeist Touristen, die in Richtung Oberwiesenthal fahren. Aber auch Einheimische machen gern Rast bei Frank Roch. Er ist eben authentisch und hat das Mundwerk am rechten Fleck.

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