"De Cord": Bergarbeitersiedlung zeigt verschiedene Gesichter

Ein Thementag verbindet Graffiti-Kunst, Schülerprojekt und Ideenwettbewerb für eine zukünftige Entwicklung. Ein gelungener Tag in Oelsnitz.

Oelsnitz.

Beim Thementag "Die ehemalige Bergarbeitersiedlung ,De Cord' im Wandel - künstlerisches Mitmachprojekt" konnten sich am Samstag interessierte Besucher vor Ort über die künftige Entwicklung des Wohngebietes informieren. Mit einzelnen Projektbestandteilen sollen die Sozialgeschichte, das Leben und Wohnen der Bergarbeiter und Chancen für die Zukunft aufgezeigt werden.

In Zusammenarbeit mit Architekten ging es in einem künstlerischen Mitmachprojekt darum, neue Ideen für das Quartier zu entwickeln. Dabei gab es auch einen Blick zurück. So haben Schülerinnen und Schüler der Klassenstufe 8 ein Schlafzimmer wie zu Großmutters Zeiten hergerichtet, mit dunklen Vorhängen und wuchtigen Möbeln. Ein Thema des Projektes "Architektur macht Schule" drehte sich um die Meinungen der Jugendlichen, was sie "zum schönen Wohnen brauchen". Dabei war erkennbar, dass sich die Vorstellungen der jungen Leute nur in wenigen Punkten, wie zum Beispiel der Wohnungsgröße, von denen früherer Generationen unterscheiden.

In weiteren Räumen konnten die Besucher die Ergebnispräsentation des Städtebaulichen Ideenwettbewerbes zur Entwicklung der Concordiasiedlung einsehen. Die Entwürfe der ersten drei Plätze standen zur Schau und wurden teilweise heftig diskutiert.

In einer ehemaligen Wohnung gaben zudem Graffiti-Künstler mit großflächiger Wandgestaltung Einblick in ihren Tätigkeitsbereich. Zum Thema Upcycling zierten Collagen aus "Müll" die Zimmer. An einer freien Arbeit zum Thema Bergbau mit einem großen Stück Steinkohle im Vordergrund und einem Förderschacht dahinter, demonstrierte Markus Esche die Arbeit mit Sprühdose und Stift.

Etwas abseits des Treibens saßen Christiane Morawe und Karl-Heinz Gallnick in ihrem Minigärtchen. Sie waren zunächst die einzigen Bewohner des Häuserblocks mit dem großflächigen Wandbild. Seit 58 Jahren ist die Bergarbeitersiedlung das Zuhause der ehemaligen Krippenerzieherin. "Die Freude bei mir und meinem Mann war riesig als wir am 22. Juli 1962 einziehen konnten", erinnerte sich die 82-Jährige ganz genau. 46 Quadratmeter groß war ihr Reich. Wohnzimmer, Küche, Schlafzimmer, Toilette, das war damals Luxus für das kinderlos gebliebene Ehepaar. Das ruhige Umfeld mit Blick ins Grüne, aber auch ein kameradschaftliches Miteinander der Bewohner hat Christiane Morawe immer gefallen. Jetzt macht sich die Witwe Gedanken wie es weiter geht. "Dass die Wohnverhältnisse nicht mehr zeitgemäß sind, ist mir schon lange klar. Ich könnte mir vorstellen, dass bei einem Umbau aus zwei kleinen Wohnungen eine Große entsteht."

"Unter dem Motto ,Sanierung nach Bedarf' planen wir tatsächlich in der in den 1830er Jahren entstandenen, ehemaligen Bergarbeitersiedlung verschiedene Wohnmodelle anzubieten", erklärte Jens Hojenski, Geschäftsführer der Wohnungsbaugenossenschaft Oelsnitz. Woanders zu wohnen ist für Christiane Morawe keine Option. "Ich möchte auf jeden Fall wieder hier einziehen wenn alles fertig ist." Auch wenn es für die Seniorin einen ganz kleinen Kritikpunkt gibt. "Leider haben wir keine Einkaufsmöglichkeit in der Nähe. Zum Glück werde ich von der Familie gut versorgt."

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