Deftige Satire mit Nörgler und Kanzleramts-Pförtner

Der Große Kabarettabend in der Stadthalle Oelsnitz hat bei seiner dritten Auflage mit Spitzenmimen aus der Szene gepunktet. Der ausverkaufte Saal stellte allerdings besondere Ansprüche an die Künstler.

Oelsnitz.

Als Michael Ö. Arnold am Samstag mit salopper Plauderei und auflockernden Gags den Großen Kabarettabend in der Stadthalle anmoderierte, war Kerstin Pfeil die Erleichterung anzumerken. Bis sprichwörtlich zur letzten Minute hatte die Stadthallenchefin ums Gelingen der dritten Auflage dieses Formats gebangt, denn Vorjahres-Moderator Bodo Taubert war wegen Krankheit ausgefallen.

Die Zutaten fürs Gelingen waren bestens angerichtet: Vier Kabaretts standen in den Startlöchern. Neben den Oelsnitzer Barhockern waren als Stammgäste die Leipziger Academixer und das Chemnitzer Kabarett vertreten. Zum ersten Mal gehörte zudem der aus dem Fernsehen bekannte Kanzleramts-Pförtner Lothar Bölck dazu. Zum Auftakt waren die Oelsnitzer Barhocker Kay Haberkorn und Sascha Wildenhain zu erleben. Mit den nörgelnden Rentnern Fritz und Sig und mit einer Busfahrt in Poetry-Slam-Manier hat das Duo, unterstützt von Hendrik Henker am Keyboard, noch einmal Nummern aus seinem Vorjahresprogramm auf die Bühne gebracht.

Auch Ralf Bärwolff vom Leipziger Kabarett Academixer hatte sich musikalische Unterstützung mitgebracht. Jörg Leistner hat am Flügel Titel wie Franz Schuberts "Die Forelle" und das "Jammerlied" begleitet. Das Fischlein des bekannten Kunstliedes schwamm bei Bärwolff freilich nicht in einem Bächlein helle, sondern in einer trüben Quelle. Von der Umweltverschmutzung hangelte sich der Künstler munter zu Bundesbahn, mittels derer er Selbstmord wegen der Verspätungen für zu unsicher hält: "Am Ende musst du hoffen, dass du erfrierst." Für Lacher sorgte er zudem mehrfach mit schrägen Mutmaßungen darüber, wie es in Oelsnitz zugeht: "Gerade hier, in so abgelegenen Gebieten. Ja, Strom ist da, aber eher nur bis um Zehn."

Gerd Ulbricht vom Chemnitzer Kabarett kennt den Großen Kabarettabend seit der ersten Auflage. Er erklärt, warum das Format mit der hier üblichen Tischbestuhlung und Bedienung auch während der Auftritte für die Künstler eine Herausforderung ist: "Durch die Unruhe ist das kein Saal für leise Töne. Die feinen Sachen zwischen den Zeilen finden an so einem Abend einfach nicht statt." Doch darauf hatte sich Ulbricht bestens eingestellt. Anstatt eines gemeinsamen Auftritts mit dem langjährigen Bühnenpartner Andreas Zweigler haben die beiden Chemnitzer sich mit Soloparts in ihren 35-Minuten-Auftritt hineingeteilt. Gerd Ulbricht hatte das Publikum mit seiner forschen Art schnell für sich gewonnen. "Ich neige manchmal dazu, mich etwas aufzuregen", bekennt er fast entschuldigend, um dann dieses Sich-echauffieren als perfekte Kunstform darzubieten. Andreas Zweigler hat danach in der Rolle des pfiffigen Erzgebirgers für Lacher gesorgt, ehe zum Abschluss des Abends der aus der Polit-Satire "Kanzleramt Pforte D" bekannte Lothar Bölck in vermeintlichem Sektrausch über die Politprominenz schwadroniert hat. So erklärte er, wie man erkennt, ob gerade Politiker im Bundestag sind: "Man erkennt es an den Masten davor: Sind die Fetzen dran, sind die Lumpen drin."

Der Oelsnitzer Klaus Mosdzien freut sich als regelmäßiger Gast, dass es das Format gibt. "Kabarett kommt in Oelsnitz gut an, das ist einfach so. Und die Barhocker haben das über die Jahre am Leben gehalten."

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