Diakonie distanziert sich von Auftritt der Heimattreue

Eine Musikgruppe des Niederdorfer Vereins ist mehrfach vor Gästen in der Lugauer Tagespflege aufgetreten. Der Träger will nun seine Einrichtungsleiter sensibilisieren.

Lugau/Niederdorf.

Sie nennen sich "De heimattreuen Musikanten" und spielen in Tracht und mit Gitarre erzgebirgische Lieder. Erst vor kurzem sind sie wieder in der Lugauer Tagespflege aufgetreten, die vom Diakonischen Werk Annaberg-Stollberg betrieben wird. Es dürfte der letzte Auftritt in einer Einrichtung der Diakonie gewesen sein. Denn nachdem der Verein Heimattreue Niederdorf bekannt gemacht hat, dass die Musikgruppe zu ihm gehört, verwahrt sich die Diakonie gegen eine Instrumentalisierung.

"Für uns war nicht erkennbar, dass es eine Verbindung der Musikgruppe zur Heimattreue Niederdorf gibt", sagt Ruben Meyer, Vorstand der Diakonie Annaberg-Stollberg, auf Nachfrage. "Der Auftritt war kostenfrei. Wir hatten weder einen Vertrag noch eine Rechnung, wo der Name hätte stehen können." Erst nachdem der Verein es auf seiner Internetseite und in den sozialen Netzwerken vermeldet hat, sei der Zusammenhang klar geworden.


Die Heimattreue Niederdorf hatte sich 2015 aus Protest gegen die Asylpolitik der Bundesregierung und die Einrichtung eines Flüchtlingsheims in Niederdorf formiert und später als Verein gegründet. Dessen Vorsitzender Thomas Witte wird vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestuft.

Ruben Meyer betont, dass die Heimattreue im Widerspruch zu den Werten der Diakonie stehe. "Wir achten die Würde eines jeden Menschen und engagieren uns in der Flüchtlingshilfe." Mehr noch: Fast drei Jahre lang hat die Diakonie die sozial-pädagogische Betreuung von Flüchtlingen im ehemaligen Landratsamt von Niederdorf übernommen. "Da ist uns der Verein natürlich bekannt geworden, es gab ja Demonstrationen gegen das Heim. Wir hatten einige negative Kontakte."

Bei den "heimattreuen Musikanten" sei man dennoch nicht stutzig geworden. ",Heimat' wird im traditionsreichen Erzgebirge, insbesondere in der älteren Bevölkerung, zutiefst positiv assoziiert", so Meyer. Während des Auftritts der Gruppe seien auch keine politischen Äußerungen gefallen. "Dennoch wollen wir weder mit dem Verein in Verbindung gebracht werden, noch dass er sich über uns profilieren kann."

Der Vorstand habe festgelegt, dass die Musiker nicht mehr bei der Diakonie auftreten dürfen. Zudem sollen die Leitungen aller Häuser sensibilisiert werden, sich im Zweifel mit dem Vorstand zu besprechen.


Kommentar: Der Wolf im Schafspelz

Im jüngsten Verfassungsschutzbericht hat der Freistaat vor der Strategie der Neonazis gewarnt, sich verstärkt außerhalb konkreter rechtsextremistischer Strukturen zu engagieren. Etwa bei Fragen der Integration oder auch der Heimatpflege. Als sachsenweit eines der bekanntesten Beispiele dafür wird die Vorsitzfunktion des Rechtsextremisten Thomas Witte beim Verein Heimattreue Niederdorf genannt.

Der Auftritt der "heimattreuen Musikanten" zeigt, wie der Niederdorfer Verein eine gewisse Sorglosigkeit und Unwissenheit ausnutzt, um sich selbst hoffähig zu machen. In diese Falle ist die Diakonie getappt - eine Organisation der Wohlfahrtspflege, einem der größten Arbeitgeber der Region, mit Hunderten Menschen, die die Angebote täglich nutzen. Und die sich den christlichen Werten verpflichtet fühlt.

Spätestens nach diesem Vorfall sollten die Alarmglocken schrillen. Denn hier präsentiert sich der Wolf im Schafspelz.

Bewertung des Artikels: Ø 3.7 Sterne bei 7 Bewertungen
8Kommentare
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  • 1
    8
    Distelblüte
    12.07.2019

    @Werner: Der Kommentar gewinnt nicht an Wahrheit, wenn er mehrmals wiederholt wird. Wie aus dem Artikel ersichtlich, liegen zwischen den Werten, für die das Diakonische Werk steht, und denen der "Heimattreue" Welten. Man holt sich nicht den Wolf ins Haus. Auch wenn er noch so viel Kreide gefressen hat und den Schafspelz umgeworfen.

  • 5
    2
    Wernerr
    12.07.2019

    Was für eine Aufregung wegen einer netten Geste, was für Problem soll hier dargestellt werden?
    Man sollte schon den Artikel von der Website der Heimattreue Niederdorf gelesen haben, um den Sachverhalt zu verstehen.
    Die Verlierer sind die betreuten Leute, die sich so auf diese Treffen freuten, dass sie eigene Häkelarbeiten angefertigt haben - und diese Freude wird denen jetzt genommen, weil die Musiker eventuell die falsche Gesinnung oder zumindest einen Vorsitzenden mit falscher Gesinnung haben?
    Das hat mit Nächstenliebe nichts gemein, das ist nur die - leider berechtigte - Angst vor schlechter Presse.

    Da lt. Artikel die Musiker dort nicht mehr spielen können, stehen sicher schon genügend Musiker mit der richtigen Gesinnung Schlange, um die entstandene Lücke zu schließen...

  • 7
    6
    Tauchsieder
    10.07.2019

    Eine politisch korrekte Diakonie!
    So ein Spaß bei den Holzgeschnitzten, ob die Besucher der Tagespflege dies auch so sehen?

  • 11
    7
    Dorpat
    10.07.2019

    Eine Journalistin, die mit dem Verein in einem Rechtsstreit vor dem Landesgericht liegt, ist natürlich für einen solchen Kommentar "besonders geeignet".
    Ist eben die vom Kodex geforderte "neutrale Berichterstattung".

  • 15
    4
    WolfgangPetry
    10.07.2019

    Keinen Millimeter zurück!

  • 4
    18
    Tauchsieder
    10.07.2019

    Man gibt sich der Betroffenheit hin und schwört Besserung.
    Scheinheilig !

  • 17
    16
    Distelblüte
    10.07.2019

    Richtige Entscheidung der Diakonie. Allerdings hätte man bei der Bezeichnung "Heimattreue" schon mal stutzig werden können.

  • 15
    11
    Dorpat
    10.07.2019

    Wahrscheinlich war es auch noch Volksmusik!
    Hier tun sich Abgründe auf!



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