Die beste Sattler-Azubine Deutschlands

Nina Uhl ist von der IHK Chemnitz ausgezeichnet worden. Ihr Handwerk hat sie bei einer Burkhardtsdorfer Firma gelernt.

Gablenz/Burkhardtsdorf.

Mit mehreren Urkunden und Preisen ist Nina Uhl vom Hauptgeschäftsführer der IHK Chemnitz, Hans-Joachim Wunderlich, überschüttet worden. Die junge Frau wurde als beste Auszubildende ihres Beruf im Kammerbezirk, in Sachsen sowie auch in ganz Deutschland ausgezeichnet.

Von 2016 bis August 2020 absolvierte sie ihre Ausbildung zur Sattlerin, Fachrichtung Feintäschnerei, bei der Firma SGT Spezial- und Gerätetaschen in Burkhardtsdorf. In der Abschlussprüfung erreichte sie 93 von 100 möglichen Punkte. Dieses Resultat ist umso bemerkenswerter, als sie ihre Ausbildung nicht wie geplant durchziehen konnte. "Im Juni 2017 wurde ich Mutter einer Tochter und musste ein Jahr langpausieren", sagt die 23-Jährige. "Anfangs war ich schockiert, da es eine ungewollte Schwangerschaft war. Mein Chef Lothar Göthel sprach mir aber Mut zu und meine Familie unterstützte mich so gut wie möglich. Dadurch habe ich immer einen Rückhalt gehabt", erzählt sie stolz.

Als wäre das nicht schon Herausforderung genug, legte sie zudem ihre Abschlussprüfung ein paar Monate früher ab. Ausschlaggebend dafür waren ihre guten Leistungen in der Berufsschule und im Unternehmen. "Sie ist während der Ausbildung persönlich sehr gereift. Nach der Babypause konnte ich nochmal einen erheblichen Entwicklungssprung sehen", lobt Geschäftsführer Lothar Göthel und fährt fort: "Ich bedauere es sehr, dass ich Nina Uhl aufgrund von finanziellen Gründen, die durch die Corona-Krise verursacht wurden, nicht übernehmen konnte."

Die junge Mutter wäre ebenfalls gerne in dem Unternehmen geblieben, sie bedauere die Entscheidung ihres ehemaligen Chefs sehr. Allerdings habe sie dafür auch volles Verständnis. Seit Anfang September arbeitet Nina Uhl als Näherin bei einem Hersteller für Fahrradbekleidung.

Als Nina Uhl einen Beruf suchte, war schnell klar, dass sie gerne etwas Handwerkliches machen möchte. Über das Arbeitsamt wurde sie auf die freie Stelle bei der Firma SGT aufmerksam. Beim Vorstellungsgespräch zeigte ihr Geschäftsführer Lothar Göthel unter anderem die Vielfältigkeit von Leder. "Davon war ich so begeistert, dass ich mich letztlich für diesen Ausbildungsberuf entschied", erzählt sie. Während ihrer Ausbildung lernte sie unter anderem die Unterschiede verschiedener Materialien sowie deren Herkunft und Eigenschaften kennen. "Ich stellte Taschen jeglicher Größe, in allen möglichen Farben, aus diversen Materialien und für alle möglichen Zwecke her", sagt sie. Dazu gehörten zum Beispiel Handytaschen, Laptopmappen, Schlüsseltaschen, Hand- und Aktentaschen, Pilotenkoffer oder auch Akkuschutztaschen. Rückblickend ist sie froh über ihre Entscheidung, diesen Beruf gewählt zu haben. Sie sagt: "Am Ende des Tages sieht man, was vollbracht wurde und kann stolz auf seine Leistung sein".


35 Azubis sind spitze

Die IHK Chemnitz hat in diesem Jahr 35 junge Frauen und Männer als Spitzen-Azubis ausgezeichnet. Sie haben unter 4.006 Auszubildenden in der Region Chemnitz in 140 IHK-Berufen als Beste ihres Berufs abgeschnitten und dabei mindestens 92 von 100 möglichen Punkten erreicht. Die 35 Absolventen stammten aus 31 Unternehmen und 35 Berufsfeldern. 22 der jungen Fachkräfte gehören zu den besten 67 sächsischen Auszubildenden. Sie erhalten für ihre Leistungen eine Urkunde, einen Pokal und ein Geschenk.

IHK-Präsident Dieter Pfortner gratulierte den Auszubildenden per Videobotschaft: "Sie haben Ihre Ausbildung mit ausgezeichneten Ergebnissen abgeschlossen. Mit Ihrem erworbenen Wissen haben Sie eine gute Basis für die weitere berufliche Entwicklung gelegt. Schließlich sollen Sie die Führungskräfte von morgen werden. Das heißt, Verantwortung übernehmen, soziale Kompetenz an den Tag legen und natürlich fachlich versiert sein. Sie können die Fachkräfte von morgen sein, wenn Sie es wollen. Bedanken möchte ich mich bei den Ausbildern und allen Ausbildungsunternehmen, die Sie befähigt haben, solch gute Leistungen zu erreichen."

Auch in schwierigen Zeiten können Unternehmen jungen Leuten Zukunftsperspektiven geben und Ausbildungsplätze schaffen. Laut IHK wurden im aktuellen Ausbildungsjahr trotz Corona 131 neue Ausbildungsbetriebe gewonnen. Aktuell gibt es 2740 aktive IHK-Ausbildungsbetrieben in Südwestsachen. (pc)

30 Tage für 20,99€ 0€ testen
Testen Sie die digitale Freie Presse unverbindlich.
Erhalten Sie Zugriff auf alle Inhalte auf freiepresse.de
(inkl. FP+ und E-Paper). (endet automatisch)
 
30 Tage für 20,99€ 0€ testen
Zugriff auf alle Inhalte auf freiepresse.de und E-Paper. (endet automatisch)
Jetzt 0€ statt 20,99 €
00 Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.