Die DDR und dieser VW Käfer

Zum 28. Mal Festakt in Hohndorf zum Tag der Einheit: Friedrich Pilz war immer dabei - und was sagt er?

Rund 350 Gäste haben die Veranstaltung mit einer Ansprache des Journalisten und Buchautors Peter Hahne und der Verleihung des Ehrenwappens an Chorleiterin Silke Steiert erlebt. Bäckermeister Friedrich Pilz ist seit 28 Jahren Stammgast bei dem Festakt. Der 80-Jährige hat 1974 die Bäckerei seines Vaters in Hohndorf übernommen, sie über die Wende geführt und 2004 an seinen Sohn übergeben. Cristina Zehrfeld fragte ihn, warum ihm der Tag der Einheit so wichtig ist.

Freie Presse: Sie besuchen den Hohndorfer Festakt zum Tag der Deutschen Einheit seit 28 Jahren.

Friedrich Pilz: Ich habe den Sozialismus in der DDR erlebt, und ich erlebe jetzt die Freiheit, mich bewusst für etwas entscheiden zu können. Ich kann heute meinen christlichen Glauben leben, viel besser als in der DDR. Demokratie muss aber auch erarbeitet werden, daher ist mir der Festakt ein besonderes Anliegen.

Gibt es einen besonderen Grund, dass Sie die Bedeutung der Einheit so nachhaltig empfinden?

Im Jahr 1958, also vor 60 Jahren, bin ich nach Hohndorf zurückgekommen, nachdem ich drei Jahre in Westdeutschland gelebt hatte. In dieser Zeit hatte ich mir einen VW Käfer erarbeitet. Den wollte man mir wegnehmen, obwohl ich die mündliche Zusage hatte, dass ich ihn behalten darf. Nach vielem Hin und Her bekam ich dann tatsächlich ein Schreiben, in dem stand: Ihr Wagen wird entschädigungslos eingezogen. Ich empfand das als Betrug, als regelrechten Diebstahl.

Und Sie mussten Ihren Käfer wirklich abgeben?

Nein. Damals waren gerade Wahlen. Da gab es hier im Lamm ein Jugendforum mit Diskussion. Der Saal war voll und die Debatte war freigegeben, aber eigentlich haben alle nur auf den anschließenden Jugendtanz gewartet. Da haben mich Freunde angerempelt und gemeint: Sag doch mal etwas zu deinem Auto. Ich habe das gemacht und hatte dann binnen acht Tagen die Zulassung.

Sie sind ja nun Experte: Wie hat sich der jährliche Festakt seit den Anfängen entwickelt?

Der frühere Bürgermeister Manfred Heiland war ja mit vielen Größen befreundet. Daher hatten wir hier von Anfang an hochrangige Vorträge. Besonders beeindruckt hat mich zum Beispiel der von Dietmar Vettermann, damals noch Bürgermeister von Zwickau. Matthias Groschwitz bin ich sehr dankbar, dass er die Veranstaltung im Sinne seines Vorgängers fortführt. Es ist schon immer eine sehr würdige Veranstaltung - auch durch die Verleihung des Ehrenwappens und das anschließende Bankett. Das gab es ja von Anfang an.

Und was halten Sie vom heutigen Festredner Peter Hahne?

Ich freue mich, dass er hier ist, denn er ist mir durch seine innere Einstellung gut bekannt. Ich habe sogar schon ein Autogramm von ihm. Das hat er mir bei einem Waldgottesdienst in Stützengrün gegeben.

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