Die Museumsentdeckerin und ihre Leidenschaft

In der Freizeit blickt Katja Eidam hinter die Kulissen kleiner und großer Museen - und lässt andere Menschen daran teilhaben.

Meerane/Lunzenau.

Wenn Menschen ihr Hobby zum Beruf machen, liefern sie oft Stoff für gute Geschichten. Genauso spannend kann es sein, wenn man bei der Arbeit seine Leidenschaft für etwas entdeckt, so wie Katja Eidam. Seit zweieinhalb Jahren besucht sie in ihrer Freizeit Museen, um mit Direktoren, Kuratoren und Museumspädagogen ins Gespräch zu kommen. Die Tonaufnahmen dieser Gespräche stellt Eidam später als Episoden ihres Podcasts "Museumscast" auf ihrer Webseite kostenlos zur Verfügung.

Damit wäre auch schon grob erklärt, was ein Podcast eigentlich ist: eine Serie von Audio- oder Videobeiträgen, die an keine Sendezeiten gebunden sind jederzeit über das Internet bezogen werden können.


Ihren privaten Museumspodcast startete Katja Eidam eigentlich nur als Versuchslabor für ein berufliches Vorhaben. "Ich bin bei der Stadt Meerane für die sozialen Medien zuständig. Ursprünglich war es meine Idee, Inhalte unseres Amtsblattes zu vertonen, um sie den Bürgern im Internet barrierefrei zur Verfügung zu stellen - in einer ansprechenden Form natürlich", erklärt die Lunzenauerin. Da ihr die Gefahr aber zu groß erschien, dass ihre Idee an der Umsetzung scheitert, wollte sie zunächst mit einem eigenen Projekt Erfahrung sammeln. "Da mein Mann und ich gerne Museen besuchen, hatte ich die Idee, mit den Leuten hinter den Ausstellungen ins Gespräch zu kommen", erinnert sich Eidam. "Der Gedanke war, Museumsmuffeln einen Blick hinter die Kulissen zu gewähren, um sie so für Kunst und Kultur zu begeistern."

Eidam schrieb Museen an, vereinbarte Gesprächstermine, stellte die fertigen Tonaufnahmen ins Netz - und merkte, dass ihr ursprünglicher Plan nicht ganz aufging. "Mit der Zeit hat sich herausgestellt, dass mein Podcast hauptsächlich andere Museumsmitarbeiter erreicht, die hören wollen, wie ihre Kollegen arbeiten." Konkrete Hörerzahlen kann sie nicht hundertprozentig nennen, da die Zugriffe auf die Episoden nichts darüber aussagen, ob der Podcast auch gehört wird. Ihre Rückschlüsse zieht sie vor allem aus E-Mails und Rückmeldungen aus den sozialen Netzwerken. Diese Hinweise halfen ihr, die Gespräche mit Museumsverantwortlichen für die Hörer noch interessanter zu gestalten, stärker danach zu fragen, wie Dinge in den Museen geplant und umgesetzt werden.

Besonders freut Eidam, dass bisher kein Museum ihre Gesprächsanfrage abgelehnt hat. So besuchte sie das Staatliche Museum für Archäologie in Chemnitz, sprach aber auch mit engagierten Menschen wie Danny Neukirch, der mit seinen Mitstreitern ein kleines Museum über die einstige Pionierflugschanze Langenchursdorf eingerichtet hat. "Die Hörer, mit denen ich mich austausche, kommen aus ganz Deutschland, nicht nur aus Sachsen. Die interessieren sich auch für die kleineren Museen hier in unserer Region", begründet die Podcast-Autorin die Auswahl ihrer Gesprächspartner.

Für die aktuelle Folge hat sich Katja Eidam eine Adresse ausgesucht, die bereits über die Grenzen Westsachsens hinaus bekannt ist: die Städtischen Kunstsammlungen Zwickau. Für die Einrichtung sind Anfragen von Podcast-Produzentinnen wie Katja Eidam kein Novum mehr. "Anfragen von Bloggern und dergleichen behandeln wir grundsätzlich wie Medienanfragen, da sie natürlich einen zunehmenden Stellenwert hatten und haben", erklärt Stadtsprecher Mathias Merz. Solche Anfragen bewegten sich allerdings insgesamt in einem eher überschaubaren Bereich.

Für Katja Eidam werden die Kunstsammlungen Zwickau nicht das letzte Museum sein, das sie für ihre Hörer entdeckt. Ihr Mann redete ihr den Plan aus, den Podcast aufzugeben, sobald die ursprüngliche Idee in die Tat umgesetzt ist. Denn eine Leidenschaft gibt man schließlich nicht so einfach auf.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...