Die neue Chefin im Lugauer Bauamt hat die Seite gewechselt

Anja Krumbholz hat sich in der Region einen Namen als selbstständige Bauplanerin gemacht, an vielen Orten ihre Spuren hinterlassen. Was aber bewog die 48-Jährige, ihr eigenes Büro gegen ein Angestelltenverhältnis im Rathaus zu tauschen?

Lugau.

Das Wort "Glücksfall" nehmen gleich zwei Männer in den Mund, wenn es um Anja Krumbholz, die neue Bauamtsleiterin im Lugauer Rathaus geht: Ihr Vorgänger Jan Jacob und ihr Chef, Bürgermeister Thomas Weikert. Und sie selbst, sieht sie ihren neuen Job auch als Glücksumstand? Schließlich hat die Niederwürschnitzerin dafür doch die Selbstständigkeit und ihr Hohndorfer Planungs- und Ingenieurbüro aufgegeben.

"Ich habe es noch nicht bereut", sagt die 48-Jährige und lacht. Seit 1. April ist sie im Rathaus angestellt, wurde seither von Jan Jacob eingearbeitet. Der geht per 1. August in den Ruhestand, hat ihr den Staffelstab aber schon übergeben, denn er ist im Urlaub. Sie habe sich vom ersten Tag an wohl gefühlt, genießt es auch, nicht mehr allein zu arbeiten, sagt sie. Denn seit 2005 ist die Bauingenieurin Einzelkämpferin. Damals hatte sie die Räume ihres Arbeitgebers übernommen, der in den Ruhestand gegangen war, und führte die Arbeit mit eigenem Büro fort. Schon in der Zeit wäre sie lieber angestellt gewesen, aber es war grade eine schwierige Zeit auf dem Bau, sagt sie. "Die Entscheidung zur Selbstständigkeit fiel eher notgedrungen."

Als dann Ende September 2018 die Stellenanzeige für den Job des Bauamtsleiter erschien, habe sie zwar einerseits keine Not gehabt, sei aber andererseits gerade an einem Punkt gewesen, an dem es zeitlich immer schwerer wurde, Selbstständigkeit, Familie und Haushalt unter einen Hut zu bringen. Sie sei auch von mehreren Seiten auf die Stelle hin angesprochen worden. "Ich habe trotzdem lange überlegt", sagt sie. Ihre Tochter empfahl ihr, "das Für und Wider" aufzuschreiben. "Und da stand dann ganz schnell mehr beim ,Für'", erklärt Anja Krumbholz. Es habe auch gut gepasst, die meisten Projekte hatte sie gerade abgeschlossen, hätte etwas Neues beginnen müssen. Sie bewarb sich.

Bürgermeister Weikert: "Ich habe mich riesig gefreut, als ich die Bewerbung von Frau Krumbholz erhielt. Wir kannten sie aus vielen Jahren der Zusammenarbeit bestens und somit war für uns ein echter Wunschkandidat mit im Auswahlverfahren gelandet." Anja Krumbholz hat in der Region mit vielen Projekten ihre Handschrift hinterlassen, speziell für Lugau fallen ihr die Trauerhallen in Erlbach und Kirchberg ein sowie die Sanierungen des Kultur- und Freizeitzentrums und der Kita "Gockelhahn" in Erlbach-Kirchberg. Auch die Hohndorfer Trauerhalle und die Außenanlagen zweier Förderschulen im Landkreis hat sie geplant und deren Bauüberwachung übernommen.

Aber ihre Bewerbung ging nicht als einzige ein, insgesamt waren es elf, sagt Hauptamtsleiterin Alexandra Lorenz-Kuniß. Anja Krumbholz überzeugte letztlich Verwaltung und auch Stadtrat. Thomas Weikert: "Sie ist die beste Nachfolge, die man sich nur wünschen kann." Er betont aber auch, dass sie ein schweres Erbe antritt. "Herr Jacob hat die Stadtentwicklung in besonderer Weise vorangetrieben", sagt er. "Ihm war und ist die Entwicklung Lugaus eine Herzensangelegenheit und er hat seine Position als Bauamtsleiter sehr weit über das normale Maß hinaus ausgefüllt." Bei der Verabschiedung durch den Stadtrat betonte Klaus Küttner (FWG) vor allem Jacobs Engagement für den Städtewettbewerb "Ab in die Mitte". Die Preise dort seien Jacobs Verdienst.

Anja Krumbholz freut sich auf diese Herausforderung, setzt auch darauf, dass sie sich in Lugau gut auskennt - schließlich lebte sie hier bis zu ihrem 19. Lebensjahr. Und gerade dadurch, dass sie bislang "auf der anderen Seite" saß, glaubt sie, vielleicht auch einige Vorteile zu haben.


Ruhestand mit Stadtratsmandat

Nach 18 Jahren im Lugauer Bauamt, davon zwölf als Amtsleiter, geht Jan Jacob in den Ruhestand. Viola Gerhard hat mit dem 65-Jährigen gesprochen.

Herr Jacob, 18 Jahre im Bauamt sind eine lange Zeit. Wie verlief eigentlich Ihr beruflicher Werdegang bis dahin?

Ich habe von 1973 bis 1978 in Dresden Architektur studiert und bin Diplomingenieur. Ab 1987 war ich im Einzelhandel tätig, vorher als Projektant in der SDAG Wismut. Den Job dort habe ich aufgegeben, da ich als Mitarbeiter mit West-Verwandtschaft nicht an einen Computer durfte. Damals wurde gerade CAD/CAM eingeführt.

Gibt es Projekte, an die Sie sich rückblickend besonders gern - oder auch nicht gern - erinnern?

Eigentlich habe ich nur positive Erfahrungen im Amt gemacht. Bedeutsam für mich ist, was wir in den letzten zehn Jahren mit vielen Fördermitteln aus dem Bahngelände machen konnten: unsere "Grüne Mitte". Wichtig für mich waren auch die Sanierungsarbeiten an den Schulen und Kitas, aber auch Maßnahmen, die man jetzt nicht mehr sieht - zum Beispiel die Erneuerung des verrohrten Lugauer Bachs in der Bach- und der Talstraße.

Worauf freuen Sie sich beim Blick nach vorn, also Richtung Freizeit?

Auf die Zeit mit meinen beiden Enkeln und die Zeit für die vielen Dinge, die liegen geblieben sind.

Einen Teil Ihrer Freizeit werden Sie aber weiter im Ratssaal verbringen. Was hat Sie bewogen, als Stadtrat zu kandidieren?

Ich bin seit 1979 in der CDU, war viele Jahre Stadtverordneter und Stadtrat, bevor ich ins Bauamt ging. Ich möchte mich weiter in die Kommunalpolitik einbringen. Nicht unerwähnt lassen will ich aber auch den Wunsch, auf diese Weise die beiden Baustellen Bahnhof und Güterboden noch be treten zu können. Ich werde mich aber nicht in die Arbeit meiner Nachfolgerin einmischen. Dass die Wahl auf Frau Krumbholz gefallen ist, ist ein Glücksfall.

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