Die verzwickte Problemkurve in Pfaffenhain - oder doch eine Problemkreuzung?

Wer in Pfaffenhain - von Stollberg kommend - nach Seifersdorf abbiegen will, darf eigentlich nicht blinken. Oder doch? Ein Leser hat die Debatte eröffnet und nun gibt es offenkundig zwei Theorien. Doch welche ist die richtige?

Pfaffenhain.

Blinken oder nicht blinken? Das ist hier die Frage. Und eine weitere Frage: Wenn nicht blinken, warum nicht blinken? Das klingt verwirrend, und ist es auch irgendwie. Zum Sachverhalt: Wahrscheinlich kennen viele die abknickende Hauptstraße im Jahnsdorfer Ortsteil Pfaffenhain zwischen Citybahnhof und Leukersdorf. Ein Leser von "Freie Presse" erläutert das Problem vor Ort - ein Fahrlehrer und das Landratsamt haben aber auch eine Meinung. Entweder ist die Straße dort eine Problemkurve oder eine Problemkreuzung. Oder beides? Lesen Sie selbst, welche Argumente Sie nachvollziehen können.

"Freie-Presse"-Leser Knut Seidel: "Wenn ich in Pfaffenhain von Stollberg an der Kreuzung - an der ehemaligen Feuerwehr - in Richtung Seifersdorf fahre, werde ich immer wieder mit Hupe, Lichthupe oder auch deutlichen Handzeichen bedacht." Der Grund: Er blinke dort nicht. Weil ja das Verkehrszeichen aus Richtung Stollberg besagt: Hauptstraße mit Zusatzschild abknickend Vorfahrtsstraße. "Erst jüngst musste ich einem anderen Autofahrer erklären, dass, wenn ich links blinken würde, dann auch in Richtung Steegenwiesen abbiegen müsste. Rechtsblinken bedeutet: Ich folge der abbiegenden Hauptstraße nach Chemnitz." Bleibt als dritte Möglichkeit nur: nicht blinken. Offenbar, so vermutet der Seifersdorfer Seidel, hätten viele Verkehrsteilnehmer ein Problem mit der versetzten und schwer einzusehenden Kreuzung an dieser Stelle, die ja mehr wie eine Kurve, weniger wie eine klassische Kreuzung aussieht. Seidel gibt zu: Ihm sei auch mulmig, denn weil er nicht blinkt, denken trotzdem andere, er würde seine Geschwindigkeit nicht drosseln oder wäre ein Blinkmuffel. "Dann ist immer die Gefahr, mir rast einer hinten drauf."

Fahrlehrer Lothar Raum: "In meiner Fahrschule ist die Ecke immer wieder Thema. Auch die Feuerwehr fragt oft nach." Er sagt, dass sich Herr Seidel streng genommen richtig verhalte. "Aber: Wer will denn einen Unfall, nur weil er laut Beschilderung vermeintlich richtig handelt? Intuitiv blinken viele ja deshalb doch." Lothar Raum spricht von einer Falle für die Autofahrer. "Dort ist es zwar als Kreuzung ausgeschildert. Aber: Es ist ja keine Kreuzung." Die Bordsteinlage der einzelnen Straßen rechtfertige diese Definition überhaupt nicht. Er regt an: Die Kreuzung zu einer Kurve zu deklarieren, ähnlich der Kurve am Bahnübergang Pfaffenhain - dort verzichtet die Behörde auch auf die abknickende Vorfahrt. Besser oder wenigstens zusätzlich sollte dann weiter oben ein rotes dreieckiges Warnschild mit Ausrufezeichen und dem Warnhinweis Linksabbieger oder zwei aufeinander fahrende Autos aufgestellt werden. "Denn, wer dort die Vorfahrtsstraße gen Seifersdorf verlässt, sieht ja erst sehr spät den Gegenverkehr aus Richtung Leukersdorf. Also fällt er ziemlich abrupt die Entscheidung zum Warten."

Stefan Pechfelder, Landratsamt: Die Behörde sehe keinen Handlungsbedarf. "Der besagte Knoten ist nach den Vorgaben der Straßenverkehrsordnung richtig beschildert. Es handelt sich um einen Knoten mit einer abknickenden Vorfahrt. Die beiden Äste Steegenwaldstraße und Seifersdorfer Straße sind der S258 untergeordnet, die auch eine deutlich höhere Verkehrsbelegung aufweist und somit als Hauptstraße ausgewiesen ist." Ein weiteres Argument laut Stefan Pechfelder: In Pfaffenhain passiere an der besagten Stelle kein Unfall. "Der Knoten ist im Hinblick auf das Unfallgeschehen unauffällig und es sind uns bisher keine Probleme im Zusammenhang mit dem Verständnis der Verkehrsführung bekannt."

Kommentar: Zwei Welten

Das Pfaffenhainer Straßenproblem zeigt zwei Welten: Die behördliche und die menschliche. Von Amts wegen ist die Kreuzung, die für den Otto-Normalverkehrsteilnehmer nicht wie eine aussieht, eine Kreuzung. Viele werden schon aus Selbstschutz dort lieber blinken. Kurios: Vielleicht ist diese Missachtung der Beschilderung genau der Grund, warum dort eben keine Unfälle passieren.

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