Dieses Foul kostet mehr als die Rote Karte

Ein 33-jähriger Amateurfußballer musste sich wegen einer Attacke auf dem Spielfeld nun vor dem Amtsgericht verantworten. Den Fall hat auch das Sportgericht bereits als extrem bewertet.

Altmittweida/DöbelnAuf dem Spielfeld darf der Mann nach einer etwa einjährigen Sperre schon seit Juli wieder antreten. Doch auf sein böses Foul bei einem Fußballspiel der Mittelsachsenklasse folgte jetzt noch ein Verfahren vor dem Amtsgericht Döbeln.

Dort musste sich der Fußballer aus der Region Mittweida wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten. Das ist in der Fußballwelt von Mittelsachsen außergewöhnlich. Es handelte sich um einen "extremen Fall", wie der Chef des Sportgerichts beim Kreisverband Fußball, Volker Meinel, erklärte.

Das war geschehen: In der Nachspielzeit der Begegnung des SC Altmittweida gegen Fortschritt Lunzenau im Oktober 2015 hatte der jetzt Angeklagte einem Spieler der gegnerischen Mannschaft einen Faustschlag ins Gesicht versetzt. Nachdem das Opfer so in der 93. Spielminute bewusstlos zu Boden gegangen war, trat der Angeklagte ihn noch mit dem Schuh in den Rücken. Ob er bei der Tat Alu- oder Gummistollen am Fußballschuh trug, blieb in der Verhandlung ungeklärt. Der Geschädigte erlitt ein Hämatom am Auge. Der geschilderte Ablauf blieb in der Verhandlung unbestritten, der Angeklagte gestand die Tat. Sein Verteidiger ging auch auf den Grund für die Attacke ein. Demnach habe der Geschädigte zuvor den Angeklagten bei einem Zweikampf am frisch operierten Knöchel getroffen. "Da ist er ausgerastet", sagte Verteidiger Jörg Gernhardt. "Ich hatte einen Blackout", sagte der 33-Jährige.

Den "Ausraster" ahndete der Schiedsrichter damals noch auf dem Feld mit einer Roten Karte. Das Sportgericht verhängte in der Folge eine Sperre für alle Spiele bis 30. Juni 2016, also für die restliche Saison und einige Spiele der folgenden Saison. Zudem erhielt der Spieler eine Geldstrafe in Höhe von 250 Euro. "Das wurde von uns als schwerer Fall eingestuft. Dennoch kam er mit der Strafe noch vergleichsweise gut weg", sagte Sportrichter Meinel. Jetzt spielt der 33-Jährige in einem anderen Team.

Das juristische Nachspiel hat für den Angeklagten dagegen deutlich empfindlichere Folgen. Dabei berücksichtigte Richterin Magdalena Richter, dass der Angeklagte einschlägig vorbestraft ist. Drei Vorstrafen hat er, davon zwei wegen gefährlicher Körperverletzung. So verurteilte die Richterin den Mann wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von sieben Monaten. Die Strafe wird zur Bewährung ausgesetzt. Die Bewährungszeit beträgt zwei Jahre und sechs Monate. Als Bewährungsauflage muss er zudem eine Geldbuße von 600 Euro an die Döbelner Tafel zahlen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Auch beim Sportgericht beim Kreisverband Fußball Mittelsachsen ist der Angeklagte kein unbeschriebenes Blatt. Im Zusammenhang mit Feldverweisen nach Foulspiel ist er laut Sportrichter Meinel mehrfach aufgefallen. Er habe jede Woche Feldverweise auf seinem Tisch, jetzt in einer allein fünf Stück, 15 Feldverweise allein in dieser Saison, so Meinel. Aber eine Tätlichkeit in einem so schweren Fall sei nach seinen Erfahrungen aus 20 Jahren Richtertätigkeit selten. Meist handele es sich um Schiedsrichter-Beleidigungen, Foulspiele. "Wir verhandeln jede Rote Karte beim Sportgericht", sagte der Funktionär, der im Sportgericht noch drei Beisitzer hat. Zwischen 70 und 100 Feldverweise gebe es im Schnitt pro Saison, in der vorigen Spielsaison zückten Schiris die Rote Karte 96 Mal. Ein Fall für das Sportgericht sei auch unsportliches Verhalten von Trainern, erst kürzlich habe es zwei solcher Fälle gegeben, bei denen Schiedsrichter beleidigt wurden.

Dennoch: Das Klischee, wonach es bei den Amateuren im Vergleich zur Bundesliga härter zugeht, stimme so nicht. "Holzhacker-Spiele gibt es nicht, auch in der Bundesliga geht es zum Teil rau zu", so der Funktionär.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...