Diskussion zur Nachhaltigkeit - und keinen interessiert es

Einmal im Monat soll im Schlachthof diskutiert werden. In dieser Woche gab es gleich zwei Veranstaltungen zum Format Debattierclub. Beim jüngsten Termin mit der Beraterin und Landwirtin Heike Delling wurde allerdings ein Negativrekord eingefahren. Woran liegt das?

Stollberg.

Zugegeben, wirklich spritzig kam der Titel des Debattierclubs diesmal nicht daher. Das Motto lautete "Nachhaltige Unternehmensführung - Trends und Strategien in der grünen Branche". Als Referentin war Heike Delling eingeladen. Die 39-jährige Chemnitzerin hat Nutztierwissenschaften studiert und arbeitet als Beraterin und Landwirtin im Nebengewerbe. Sie bewirtschaftet 11 Hektar Grünland im Chemnitzer Ortsteil Draisdorf, hält einige Schafe, Ziegen und Pferde. Als Zielgruppe hatte sie in Stollberg vor allem mittelständige Unternehmer im Blick: "Das ist doch ein herrliches Thema zum Diskutieren." Das Publikum hat anders entschieden: Kein einziger Zuhörer hatte in den Schlachthof gefunden.

"Wir hatten hier schon zwei Besucher, aber auch bis zu hundert Leuten. Das gar keiner kommt, hat es noch nicht gegeben", so Marcel Becker vom Schlachthofverein, der die Veranstaltung gemeinsam mit dem Naturschutzzentrum Erzgebirge organisiert hat.

Gerade innerhalb der aktuell allgegenwärtigen Klimadebatte ist das Desinteresse erstaunlich. Delling hätte gern über strategische Unternehmensentscheidungen gesprochen und über die Integration neuer Betriebszweige. "Wir müssen Produzenten und Verbraucher wieder näher zusammen bringen", so ihre Überzeugung. Und auch die Landwirte untereinander müssten mehr zusammenarbeiten. Unterschiedliche Ansichten will sie dabei eher intern klären: "Ich bin kein Freund davon, in der Öffentlichkeit schmutzige Wäsche zu waschen." Dabei empfindet sie, dass oftmals die unmittelbare Verbindung zwischen betrieblichen Entscheidungen und deren finanziellen Folgen fehlt. "Ausgleichspflanzungen, wie sie bei Eingriffen wie der Bodenversiegelung festgeschrieben sind, ist zwar notwendig. Ich empfinde den Umgang damit aber inzwischen als eine Art Ablasshandel."

Diskussionsstoff hätte es also sicher genug gegeben. Doch Heike Delling hat auch Verständnis, dass Mittelständler so eine Veranstaltung nicht wahrnehmen: "Nachhaltige Unternehmensstrategien sind kein Alltagsthema. Das darf nur phasenweise infrage gestellt werden, denn am Ende muss das Ding vor allem laufen."

Tim Buchau vom Naturschutzzentrum denkt dennoch darüber nach, was man künftig besser machen kann, um mehr Menschen zu solchen Veranstaltungen zu locken: "Wir müssen es künftig wohl noch anders bewerben und grüne Berufe deutlich ansprechen."

Für Heike Delling war der Weg dennoch nicht ganz umsonst: "Ich freue mich, das hier gesehen zu haben", meint sie mit Blick auf den Schlachthof, der als solcher schon lange nicht mehr genutzt wird. Für Delling ist das Gelände damit im Grunde das beste Anschauungsobjekt für die aktuellen Probleme. "Es gibt noch die ganz kleinen Höfe der Idealisten und sehr große Betriebe." Weil die mittelständigen Betriebe dazwischen jedoch fehlen, führe oft kein Weg an langen Tiertransporten vorbei.

Beim nächsten Debattierclub am Mittwoch, 27. November geht es ab 18.30 Uhr um nachhaltige, lokale und zukunftsfähige sowie bezahlbare Energieversorgung. Vorgestellt wird dabei das Konzept der Genossenschaft Bürger Energie Drebach.

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