Ehrenamtliche begleiten Menschen am Ende ihres Lebens

Seit 2000 wird am zweiten Samstag im Oktober in Deutschland der Welthospiztag begangen. Dem aktuellen Motto "Solidarität bis zuletzt", hat sich auch Anne Goldhahn aus Thalheim verschrieben.

Oelsnitz/Thalheim.

Rund 1500 ambulante Hospizdienste unterstützen deutschlandweit schwerstkranke und sterbende Menschen und deren Angehörige. Im Altlandkreis Stollberg sind derzeit 31 Ehrenamtliche beim ambulanten Hospizdienst der Johanniter in Oelsnitz aktiv. Die jüngste davon ist die 38-jährige Anne Goldhahn. Vor vier Jahren hat die Thalheimerin die Ausbildung zur Hospizhelferin aus persönlichen Gründen absolviert. "Auslöser war der Tod meines Opas. Ich wusste nicht, wie ich helfen kann und wie ich damit umgehen soll."

Für Silke Hudek, die die Hospizarbeit gemeinsam mit Ilona Zuk koordiniert, ist eine solche persönliche Betroffenheit im Grunde nicht ideal. "Günstiger ist so eine Ausbildung vor dem Tod eines Angehörigen, aber man kann nicht pauschal sagen, dass es kurz nach dem Ableben gar nicht geht." Ohnehin wird zunächst ein Gespräch mit den Interessenten geführt. Bei Anne Goldhahn hatten Silke Hudek und Ilona Zuk den Eindruck, dass sie psychisch stabil genug für dieses Ehrenamt ist, und sie sollten recht behalten. Ein Grund dafür war wohl, dass bei Anne Goldhahn nicht ausschließlich private Gründe ausschlaggebend waren: "Als Physiotherapeutin habe ich zum Teil Dauerpatienten. Dabei kommen auch Angehörige mal mit entsprechenden Fragen auf mich zu. Ich wusste zudem, dass ich gut zuhören kann."

In der mehrmonatigen Ausbildung hat Anne Goldhahn dann das nötige Rüstzeug bekommen. "Das Seminar zur Kommunikation fand ich ganz toll. Da erfährt man zum Beispiel etwas über unwissentliche Aggression, die allein durch Aussagesätze und den Unterton ausgestrahlt wird. Wichtig war für mich auch, dass man selbst entscheiden muss, wie weit man sich auf Dinge einlassen kann, und dass man Grenzen setzen muss." Dennoch war sie sich keineswegs sicher, ob sie nach der Ausbildung tatsächlich als Hospizhelferin arbeiten würde. Die Ausbildung mit ihren insgesamt 80 Unterrichtseinheiten ist mit keinerlei Verpflichtung verbunden.

Anne Goldhahn allerdings wollte ihr neues Wissen auch einsetzen. Drei Personen hat sie bislang begleitet, eine Nachtwache im Krankenhaus absolviert. "Vor allem geht es dabei um persönliche Gespräche", so ihre Erfahrung. Gesprächsthemen sind nicht nur Krankheit und Tod. "Natürlich geht es hin und wieder um die familiäre Situation nach dem Ableben, aber die Tragik der Betroffenen ist kein Dauerthema. Die Menschen berichten oft von Erlebnissen und Erfahrungen ihres Lebens. Das ist für mich erlebte Geschichte, weil die Menschen mit einer außenstehenden Person wie mir sehr offen reden können." Hilfreich für die Verarbeitung der Erlebnisse sind monatliche Treffen der Hospizhelfer. Anne Goldhahn empfindet die Arbeit als Hospizhelferin als Bereicherung: "Wir wollen die Leute nicht runterziehen, sondern ihnen einen schönen Weg bereiten. Ich habe das Gefühl, dass ich etwas Gutes getan habe. Diese Arbeit stärkt auch mich selbst." 31 Hospizhelfer von 38 bis über 70 Jahre. Das klingt viel. Doch um die Dienste absichern zu können, werden neue Leute gesucht. Seit 1998 werden Hospizhelfer ausgebildet. Der nächste Kurs soll im Januar starten.

Ein Infoabend zur Ausbildung zum ehrenamtlichen Hospizhelfer findet am 4. Januar 2021 im Veranstaltungsraum des Betreuten Wohnens (Pflockenstraße 44) in Oelsnitz statt. Der nächste Kurs beginnt am 18. Januar. Eine verbindliche Anmeldungen ist bis 15. Dezember beim Ambulanten Hospizdienst der Johanniter-Unfall-Hilfe möglich. Die Kurskosten in Höhe von 75 Euro werden nach einem Jahr ehrenamtlicher Mitarbeit erstattet.

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