Ein Bugatti erhält eine Zwickauer Note

Ein junges Unternehmen stellt besondere Werkstoffe her - und bestückt damit auch ein ganz besonderes Auto.

Zwickau.

Es gibt wieder Autos mit Duroplastteilen aus Zwickau. Allerdings handelt es sich dabei nicht um 26 PS starke Kleinwagen. Im Gegenteil: Die in Cainsdorf ansässige Firma Alpha Sigma GmbH ist am Bau des neuen Bugatti Chiron beteiligt, einem 1500 PS starken Supersportwagen, vom dem lediglich 500 Stück hergestellt werden. Preis: knapp dreiMillionen Euro.

Die Duroplast ist auch längt kein Gemisch aus billiger Baumwolle und Phenolharz mehr. In Cainsdorf wird Basaltfaser verarbeitet - ein Werkstoff, der die fertigen Teile ebenso leicht wie fest macht und der obendrein bis 1200 Grad hitze- beständig ist. Für das neue Bugattimodell, das Ende des Monats in den USA vorgestellt werden soll, hat das Cainsdorfer Start-up nicht nur Teile für den Innenraum entworfen, sondern auch die Technologie entwickelt, um die Kleinserie zu produzieren, erklärt Michael Jakob, einer der beiden Geschäftsführer.

"Carbon, das jetzt viel im Fahrzeugbau verwendet wird, setzt den Kohlenstoff zum Teil frei und ist bei erhöhter Konzentration gesundheitsschädlich. Bei unseren Verbundstoffen passiert das nicht", erläutert Jakob. Ein weiterer Vorteil der von Alpha Sigma entwickelten Technologie ist, dass die Steinfasern trocken und deswegen mit weniger Aufwand verarbeitet werden. "Auch ein Unternehmen wie Bugatti muss auf den Preis schauen - und die Materialkosten sind an der Stelle nicht ausschlaggebend."

Rund 50 Quadratmeter eines speziell für die Cainsdorfer hergestellten Steinfaser-Vlieses wird für Bugatti verarbeitet. Diese Vliese bezieht das 2015 gegründete Unternehmen aus Russland und Irland. "Sie sind zum Teil für uns konfek- tioniert. Früher gab es nur kurze Basaltfasern. Das, was man als Steinwolle zur Dämmung verwendet hat", erklärt Jakob. Inzwischen sind die Fasern lang genug, um sie zu verweben oder zu nähen, um daraus dann Faserverbundstoffe herzustellen - ein Sandwich aus Steinstaub, Harz und dazwischen ein Polyester. Wie sich das verarbeiten und konfektionieren lässt, damit beschäftigt sich Jakob schon seit seinem Kfz-Technik-Studium in Zwickau. "Ich bin 2010 auf das Material aufmerksam geworden, und mir war schnell klar, dass darin meine Zukunft liegt", sagt der 36-Jährige.

Zusammen mit Textilingenieur Fabian Liesch hat er 2015 ein Gründerstipendium genutzt, um Alpha Sigma ins Leben zu rufen. Noch bis Ende des Jahres gilt das Unternehmen als Start-up, also als frisch gegründet. Und es läuft gut für die insgesamt fünf Männer, die sich Hochschulprofessor Lutz Nagel als Mentor mit ins Boot geholt haben. "Wir verdienen Geld. Wir kommen mit unseren Aufträgen über die Runden", sagt Jakob und räumt ein, dass ein großer Teil des Geldes trotzdem in die Firma fließt.

Jakob sieht sich nicht als Automobil-Zulieferer, denn die Einsatzmöglichkeiten der Basaltfaser sind viel breiter gefächert. "Ich würde uns als Innovationstreiber bezeichnen, denn man braucht viel Hirnschmalz, um die Technologie passend zum Produkt zu entwickeln." Das machen die Fachleute vor allem für kleinere Serien. Dennoch sind sie auch in großen Konzernen gern gesehen: "Wir bieten auch Beratungen als Ingenieurdienstleistungen an." Aufträge wie den für den Bugatti Chiron können da Türen öffnen.

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