Ein Dorf legt sein eigenes Hilfspaket auf

Die Rathäuser der Region schalten zurzeit auf Krisenmodus und bieten den Bürgern und den Gewerbetreibenden gesammelte Informationen und Unterstützung unterschiedlichster Art an. Wir skizzieren das Beispiel Burkhardtsdorf.

Burkhardtsdorf.

"Hauptsache gemeinsam." So lautet das Motto, welches Bürgermeister Thomas Probst dieser Tage für Burkhardtsdorf ausgegeben hat. Der scheidende Rathauschef ist dabei der Mann für die verbindenden Töne. An vorderster Front organisiert sein Nachfolger, Jörg Spiller, das Praktische - ein umfangreiches Hilfspaket.

Im Fokus stehen dabei kleinere (Handwerks-)Betriebe oder Einzelunternehmer, Ehren- und Hauptamtler sowie Menschen, die in sogenannten systemrelevanten Bereichen arbeiten. "Wir sollten als Solidargemeinschaft momentan jede Möglichkeit der Hilfe und Unterstützung anbieten", begründet Spiller. "Freie Presse" gibt einen Überblick.

"Systemrelevante": Mitarbeitern in den sogenannten systemrelevanten Bereichen aus der Gemeinde werden als kleine Anerkennung für ihre Leistung während der Corona-Pandemie eine Jahreskarte für das örtliche Freibad angeboten. Im Blick hat die Gemeinde ausdrücklich auch Verkäuferinnen.

Feuerwehren/ehrenamtliche Helfer: Hier kann sich die Gemeinde vorstellen, Härtefällen, die nicht durch Kurzarbeitergeld oder die sozialen Sicherungssysteme aufgefangen werden können, vorübergehend eine finanzielle Hilfe zur Verfügung zu stellen. Als passendes Instrument nennt Thomas Probst Arbeitgeberdarlehen: "In der Krise unterscheide ich nicht zwischen haupt- und ehrenamtlich für die Gemeinde tätigen Menschen. Wir haben die Fürsorgepflicht für alle."

Gewerbetreibende: "Es geht darum, die Wirtschaftskraft im Ort zu erhalten", sagt Probst. Daher gelte es, kleineren Betrieben oder Einzelunternehmen bereits jetzt zu helfen. Eben bevor sie möglicherweise in eine wirtschaftliche Schieflage kommen. Möglich sei das, indem nun kommunale Aufträge vorgezogen erteilt würden, die innerhalb der kommenden drei Jahre ohnehin vorgesehen gewesen seien. So kommt immerhin ein Auftragsvolumen von rund 235.000 Euro zusammen.

Im Einzelnen umfasst das Vorhaben, wie Fliesenlegerarbeiten in der Kita Mühlbergzwerge, Malerarbeiten an verschiedenen kommunalen Gebäuden oder die Deckensanierung der Otto-Schüngel-Straße. Aber auch der Rückbau der ehemaligen Kläranlage, die Erneuerung der Innentüren der Sportlerbaude in Kemtau oder LED-Umrüstung der Straßenbeleuchtung und noch einiges mehr sind im Portfolio. Die Gemeinde wird dabei mit Augenmaß vorgehen, versprechen Probst und Spiller unisono.

Daher werden zunächst echte Bedarfe ermittelt. "Ich kann dann beschränkte Ausschreibungen starten", erklärt Spiller das Prozedere. Dabei werden bereits im Finanzplan vorgesehene Mittel abgerufen. Somit müsse kein Geld geliehen werden, betont Probst. "Wir helfen jetzt in der Not denen, die uns sonst mit ihren Gewerbesteuern finanzieren", erläutert Probst die Beweggründe.


Kommentar: Mehr als warme Worte

Verbale und symbolische Wertschätzung gehört dieser Tage allerorten zum guten Ton. Das mag gut gemeint sein, hilft den so Adressierten aber allenfalls nur kurz als Stimmungsaufheller. Vor allem dann, wenn sich echte wirtschaftliche Sorgen auftun. Das dürfte in Corona-Zeiten beileibe kein Einzelschicksal sein.

An dieser Stelle setzt Burkhardtsdorf an. Mit den zur Verfügung stehenden Mitteln will das Rathaus helfen: Ehrenamtlern, Verkäuferinnen, medizinischem oder pflegerischen Personal - und auch den örtlichen Kleinbetrieben. Unkompliziert, aber effektiv. So jedenfalls ist die Hoffnung. Dass das kein übliches Verwaltungshandeln darstellt, ist den Verantwortlichen klar. Daher wird man alle Fünfe sicher auch mal gerade sein lassen und Handlungsspielräume ausreizen. Dass dieses Vorgehen nicht rein wohltätig ist, sondern auch der mittelfristigen Finanzierung der Gemeinde über Gewerbesteuern dient, ist auch klar. Trotzdem ist das Vorgehen bemerkenswert. Denn es weicht von einer nur allzu häufig praktizierten Strategie ab: erstmal abzuwarten.

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