Ein großes Ziel und eine neue Liste

Mit dem geplanten Schulcampus hat sich die Gemeinde viel vorgenommen. Und auch im künftigen Rat könnte die Belastung zunehmen, befürchtet der Bürgermeister.

Jahnsdorf.

Montagabend in Jahnsdorf: Der Gemeinderat soll über die Annahme von Spenden abstimmen. Es geht um 100 Euro für die Streuobstwiese, eigentlich Routine. Doch dann meldet sich NPD-Mann Mario Löffler. Er kritisiert, dass Namen auf der Spenderliste fehlen. Denn es wurde nicht nur Geld gespendet. Privatleute haben ganze Bäume mit der Schubkarre zur Wiese geschafft. Auch deren Namen gehören auf die Liste, sagt Löffler. Bürgermeister Albrecht Spindler verweist darauf, dass die Spender keinen großen Wert darauf legten. Aber am Ende gibt er nach - der Beschluss wird vertagt.

Die Episode zeigt, wie Löffler im Gemeinderat mitunter vorgeht: Er macht Einfaches kompliziert. Er stellt Anträge, die darauf abzielen, dass die Geschäftsordnung eingehalten wird. Formell hat er damit oft recht. Doch Spindler sieht darin eine Strategie: Unter dem Vorwand der Korrektheit werde die Arbeit des Rats gelähmt. Einerseits sagt der Bürgermeister: "Ich sehe das mittlerweile sportlich." Mit Blick auf die Kommunalwahl fürchtet er aber auch, dass diese Methode in Zukunft verstärkt zum Einsatz kommt.

Torsten Kleditzsch

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Löffler tritt im Mai als Spitzenkandidat der Neuen Liste Jahnsdorf an. Acht Männer und Frauen gehören dazu. Dass gute Chancen auf Einzug in den Rat bestehen, hat die Bürgermeisterwahl 2016 gezeigt. Damals holte Löffler 25 Prozent der Stimmen. Dem NPD-Mann ist es zur aktuellen Wahl jedoch nicht gelungen, die rechten Kräfte im Ort zu vereinen. Die AfD hat eine eigene Liste aufgestellt.

Eckhard Rehnert, Mitglied des Leukersdorfer Heimatvereins, beobachtet die Entwicklung mit unguten Gefühlen. "Alles, was braun ist, kann ich nicht gutheißen", sagt er. Sein Vater sei im Krieg gefallen. Seine Mutter habe sich später allein um ihn und seinen Bruder gekümmert. "Sie musste sich durchbeißen." Auch Rehnert liebt seine Heimat, aber auf andere Weise: Deshalb gründeten er und andere 2018 den Leukersdorfer Heimatverein.

Rehnert, der auch zum Vorstand des Evangelischen Schulvereins gehört, wünscht sich vom neuen Gemeinderat, dass die Schulen in Jahnsdorf weiterhin unterstützt werden. In der Gemeinde gibt es eine Grundschule, ein Gymnasium und seit einem Jahr auch eine Oberschulklasse. "Das ist ein Alleinstellungsmerkmal", sagt Rehnert. Weil die Anzahl der Schüler am Evangelischen Schulzentrum steigt, ist ein Ausbau der Einrichtung zwingend.

Die Gemeinde plant zudem einen Schulcampus, ein Projekt, das mehrere Millionen Euro verschlingen wird und von Jahnsdorf nicht allein gestemmt werden kann. Doch die Fördergeld-Anträge, die Spindler gestellt hat, blieben ohne Erfolg. Unterlagen fehlten. Spindler erläutert: Die Vorplanung, die nötig ist, um die Anträge zu stellen, ist umfangreich und kostenintensiv. Zudem dauert es eine Weile, ehe Behörden Genehmigungen erteilen. Im Fall des Schulcampus seien die Vorbereitungen nicht rechtzeitig zu schaffen gewesen. Ende 2019 kann sich die Gemeinde aber wieder um Geld aus Fördertöpfen bewerben. Dann sollte es besser laufen, sagt Spindler.

In Jahnsdorf verlassen sich die Bürger jedoch nicht nur auf die Lokalpolitiker. Vereine, so scheint es, gewinnen immer mehr an Bedeutung. Vor ein paar Wochen haben Frank Rau, Thomas Müller und Sven Neuber den Dorfverein Pfaffenhain Erzgebirge gegründet. 19 Mitglieder zählt die Gruppe. Sie wollen den Ortsteil beleben, die Feuerwehr unterstützen und, wenn möglich, einen Freizeitraum schaffen, in dem sich alte und junge Menschen treffen können. Dabei hoffen sie allerdings auch auf Unterstützung der Gemeinde. Bürgermeister Spindler sagt, dass er die Initiative gut findet.


Diese Kandidaten treten an

CDU:

Andrè Vágó (1972, Systemadministrator), Maik Höfer (1977, Geschäftsführer), Gabriele Lindner (1957, Grundschullehrerin), Thomas Weigel (1967, Karosseriebauer), Matthias Seidler (1953, Rentner), Uta Karbe (1964, Diplom-Ingenieurin), Enrico Hubatsch (1970, Fahrlehrer), Ronny Hofmann (1978, Gastronom), Günter Roscher (1965, Handwerksmeister), Michael Reinhardt (1972, Diplom-Verwaltungswirt), Steffen Mittelbach (1954, Rentner), Zouhaier Tefahi (1969, Koch), Nicole Rogee-Schuchard (1974, staatlich geprüfte Betriebswirtin), Ralf Kreißig (1971, Friedhofsverwalter), Marcel Albert (1977, Vertriebsbeauftragter), Danilo Mothes (1975, Unternehmer)

FWG:

Christine Böhm (1953, Rentnerin), Bernd Hähle (1956, Galvaniker), Sandro Fiedler (1974, Zimmermann), Christin Petzold (1984, Krankenpflegerin), Ralph Krause (1959, Versicherungsfachmann)

Linke: Jürgen Eibicht (1944, Rentner)

SPD: Elke Stadler (1955, Geschäftsführerin, Schulleiterin)

AfD:

Carsten Kinas (1967, Kfz-Mechaniker), Bernd Krajewski (1952, Rentner)

Neue Liste Jahnsdorf:

Mario Löffler (1963, selbstständig), Jan Michael Schiwek (1971, selbstständig), Simone Ott (1972, Verkäuferin), Uwe Kai Tzschentke (1969, Baumaschinenführer), Sandy Keller (1979, Friseurin), Mirko Schumacher (1973, Projektleiter), Michael Clauß (1973, Kurierfahrer), Uwe Arthur Müller (1972, Werkpolier)


Das wollen die Parteien erreichen

CDU: Die CDU will in Jahnsdorf "solides Wirtschaften für eine finanziell selbstbestimmt Gemeinde". Die Einwohnerzahl soll stabil gehalten werden. Für Bauwillige will die Partei Erleichterungen durchsetzen. Weitere Ziele: Sicherung und Unterstützung der Schulstandorte Jahnsdorf und Leukersdorf, Erhalt und Ausbau der Infrastruktur, Umbau der Kreißig- Fabrik zu Wohnungen, Stärkung des Ehrenamts, Vereine fördern, Aufwertung des Wanderwegenetzes, konstruktive und sachbezogene Zusammenarbeit mit allen demokratischen Fraktionen im Gemeinderat.

Freie Wähler: "Das wichtigste ist nach wie vor die Eigenständigkeit von Jahnsdorf zu erhalten", sagt Christine Böhm, die auf Listenplatz 1 kandidiert. "Als Gemeinderäte werden wir durch Bürgernähe für unsere Wähler da sein." Jeder solle sich in Jahnsdorf wohlfühlen und gerne dort leben.

In der Gemeinde sei dafür schon viel geschaffen worden, weitere Vorhaben soll unterstützt werden. "Das bringt uns hoffentlich noch mehr Zuzug", sagt Böhm. Weiterhin gelte großes Augenmerk den Kindern, die im Evangelischen Schulzentrum mit Gymnasium und Oberschule, der Grundschule mit Hort und den beiden Kindergärten betreut werden. "Kinder sind die Zukunft, das ist uns sehr wichtig." Zudem betont Böhm: "Alle weiteren Vorhaben der Gemeinde fordern eine gute Haushaltsführung."

SPD: Gute Kommunalpolitik bedeute insbesondere, die Wirtschaft zu stärken und Arbeitsplätze zu schaffen, sagt Elke Stadler. "Aber auch eine bürgernahe, moderne Verwaltung und sozialverträgliche Gestaltung von Beiträgen und Gebühren gehören dazu." An erster Stelle steht für Stadler, dem Nachwuchs alle Chancen zu geben und sich für Familien stark zu machen. Die SPD im Erzgebirge habe im Wahlprogramm verschieden Schwerpunkte gebildet. Dazu gehören Modernisierung der Verwaltung und Schaffung von digitalen Bürgerzentren, ein Hausarzt-Offensive zur Verkürzung von Wartezeiten und Terminfindungen bei Haus- und Fachärzten, Mobilität, nachhaltige Energieerzeugung und demokratisches Miteinander für ein lebenswertes (H)Erzgebirge mit Bürgerbeteiligungskonzepten.

Linke: Jürgen Eibicht will sich für folgende Ziele einsetzen: Jahnsdorf mit seinen Ortsteilen muss ein wohn- und lebenswerter Ort sein. Grundlage sei eine mit der Umwelt in Einklang stehende moderne Infrastruktur. "Dazu gehören unbedingt ein bedarfsdeckender öffentlicher Personennahverkehr sowie zukunftsfähige Kommunikationsnetze und für jeden erschwingliche Freizeiteinrichtungen."

Für die Wahrung der Eigenständigkeit von Jahnsdorf sei es unerlässlich, Wohnraum für den Zuzug weiterer Bürger zu schaffen. Außerdem meint Eibicht: "Der Neubau des Gerätehauses der Freiwilligen Feuerwehr Pfaffenhain ist eine wichtige Aufgabe."

AfD: "Wir möchten Jahnsdorf weiterentwickeln und konstruktive Vorschläge in den Gemeinderat einbringen, wenn wichtige Themen anstehen", sagt Carsten Kinas. Bisher laufe es eher so, dass der Bürgermeister - der seit dem Bürgerentscheid zum Jugendclub einen guten Job mache - konkrete Vorschläge entwickelt. Von den Räten komme eher wenig Eigeninitiative. "Weiterhin sind wir gegen eine Verlängerung der Ausnahmegenehmigung für das Asylheim im Gewerbegebiet", so Kinas. "Auch wollen wir versuchen alle Möglichkeiten auszuschöpfen, um die Lärmbelästigung durch den Verkehrslandeplatz, besonders an Wochenenden und Feiertagen, zu minimieren oder zu erreichen, dass er geschlossen wird, da es sich hier erwiesenermaßen um Steuergeldverschwendung in unmöglichen Dimensionen handelt."

Neue Liste Jahnsdorf: Eine Anfrage der "Freien Presse" wurde nicht beantwortet.

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