Ein Haus für die Kinder der Näherinnen

Die Kita "Regenbogen" in Johanngeorgenstadt war einer der wenigen evangelischen Kindergärten in der DDR. Jetzt wird sie 90 Jahre alt.

Johanngeorgenstadt.

Jeden Morgen versammeln sich die Mädchen und Jungen der Kita "Regenbogen" im Kreis, um gemeinsam den Tag zu begrüßen. Sie sprechen ein Morgengebet, Lieder werden gesungen. Zurzeit immer wieder dieselben vier Lieder, die morgen beim Festgottesdienst in der Johann'städter Altstadtkirche aufgeführt werden sollen. Die Kindereinrichtung feiert dann ihr 90-jähriges Bestehen.

Dass ein Kindergartenjubiläum mit einem Gottesdienst beginnt, ist nicht alltäglich, aber die Kita "Regenbogen" ist seit ihrer Gründung im Jahr 1928 eine Einrichtung der evangelisch-lutherischen Kirchgemeinde. "Zu DDR-Zeiten war sie einer der wenigen kirchlichen Kindergärten im Land", sagt Heike Unger (56), die heutige Leiterin. Sie selbst hat vor 34 Jahren als frischgebackene Kinderdiakonin hier angefangen und das sogenannte Anerkennungsjahr zur Erzieherin - eine Art Referendariat - absolviert. "In der DDR durften keine neuen kirchlichen Kindergärten eröffnet werden", erzählt sie. "Aber die, die es schon gab, durften bleiben. Ich denke, man war froh über die Betreuungsplätze."

Die Entstehung des Kindergartens geht auf die große Zeit der Handschuhmacherei in Johanngeorgenstadt zurück. Viele Frauen arbeiteten zu Hause als Näherinnen. "Nebenher die Kinder zu beaufsichtigen, das hat oft nicht funktioniert", sagt Heike Unger. Um die Mütter zu entlasten, richtete die diakonische Schwester Martha Heimbold im Sommer 1928 einen Kinderbetreuungsraum ein. Mit 80 Jungen und Mädchen platzte dieser bald aus allen Nähten. Von September bis Dezember ließ die Kirche daher einen neuen Kindergarten im Gebiet des heutigen Altstadtwalds errichten.

Seit 1998 befindet sich der Kindergarten in einem Neubau neben der Kirche. Betreut werden 50 Kinder, egal welcher Konfession sie angehören und ob sie überhaupt gläubig sind. Das erwähnte Morgengebet ist also keine Pflicht. "Wir erfahren viel Zuspruch von den Johann'städtern", sagt Heike Unger. "Brauchen wir Hilfe, bekommen wir sie. Wir fühlen uns hier zu Hause."

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