Ein Möbelstück und dessen Herkunft geben Rätsel auf

Bis zur coronabedingten Schließung war das Bergbaumuseum Oelsnitz in diesem Jahr einer der Standorteder 4. Sächsischen Landesausstellung. "Freie Presse" jeden Monat ein Exponat vor, das jeweils stellvertretend für einen Ausstellungsbereich der Sonderschau "KohleBoom" steht. Heute ist es ein Mineralienschrank.

Oelsnitz.

Ein Mineralienschrank mit Vitrinenaufsatz ist das Objekt des Monats Dezember. Der mehr als 100 Jahre alte Schrank gelangte erst kurz vor Ausstellungsbeginn vom Restaurator zurück ins Bergbaumuseum Oelsnitz, erklärt Museumsmitarbeiterin Lea Ringel.

Das Möbelstück kam im Jahr 1989 ins Museum - übergeben wurde es von der Arbeitsgruppe Zwickauer Revier. Ringel: "Im Schrank befanden sich Steinkohlenproben aus der Abschlussbeprobung des Zwickauer Reviers." Hintergrund war, dass in den 1970er-Jahren absehbar war, dass der Steinkohlenbergbau in den kommenden Jahren eingestellt und die Schächte geschlossen werden. Um die Beschaffenheit der dann nicht mehr zugänglichen Flöze für die Nachwelt zu dokumentieren, taten sich damals Geologen, Bergleute sowie Markscheider zur Arbeitsgruppe Zwickauer Revier zusammen. "In ehrenamtlicher Tätigkeit entnahmen sie gemeinsam mit Praktikanten an den Wochenenden Proben aus den Schächten der Zwickauer Steinkohlenwerke und dokumentierten sie".

Und genau diese Proben waren es, die in besagtem Mineralienschrank aufbewahrt wurden. Für diesen Zweck war er allerdings ursprünglich nicht gebaut worden, denn er ist um einiges älter. Er ist um einiges älter und wurde bereits Ende des 19. oder Anfang des 20. Jahrhunderts hergestellt. Über seine Geschichte, bevor er ins Bergbaumuseum kam, ist jedoch bisher wenig bekannt, sagt Lea Ringel. Bisher habe man angenommen, dass er ursprünglich in der Zwickauer Bergschule stand. Hier wurden von 1862 bis 1965 Bergleute berufsbegleitend weitergebildet sowie zeitweise auch Beamte für den Steinkohlen-, Braunkohlen- und Erzbergbau sowie für die Veredelung der Steinkohlen ausgebildet. Neue Erkenntnisse legen jedoch nahe, dass das Möbelstück aus dem Naturkundemuseum Berlin stammen könnte. Ringel: "Wir werden auf alle Fälle weitere Nachforschungen anstellen, um das Rätsel der Herkunft zu lösen."

Als der Schrank um 1989 ins Museum kam, habe er sich auf jeden Fall in keinem guten Zustand befunden. Es fehlten zwei der drei Türen, der Sockel war stark beschädigt und die Profile existierten teilweise nicht mehr. Spuren einer Überarbeitung lassen laut Museumsmitarbeiterin Ringel darauf schließen, dass wohl in den 1950er-Jahren die Füllung der noch vorhandenen Tür sowie die Rückwände erneuert und das Möbelstück angestrichen wurde.

Eine Restaurierung machte sich nun, nachdem der Schrank weitere 30 Jahre im Depot des Bergbaumuseums stand, dringend erforderlich. Diese konnte in diesem Jahr durch eine Förderung der Sächsischen Landesstelle für Museumswesen realisiert werden. Der Mineralienschrank wurde samt Aufsatz fachgerecht gereinigt und zum Schutz mit einem Pflegewachsöl behandelt. Es waren noch zwei baugleiche Türen aus dem Fragment eines anderen Möbelstücks vorhanden, die angeglichen und eingesetzt werden konnten. Auch die übrigen fehlenden Teile habe man ersetzen können. Türen und Schübe lassen sich nun wieder problemlos öffnen und schließen. Die Kohleproben, die sich bei der Übergabe im Schrank befanden, wurden aus konservatorischen Gründen entnommen, umgelagert und einzeln inventarisiert.

Während der 4. Sächsischen Landesausstellung war der Mineralienschrank in der Ausstellungsabteilung "Bergmännisches Bildungswesen in Sachsen" des Schauplatzes KohleBoom zu sehen. Unterm Glas des Schrankes wurden verschiedene Mineralien und Steinkohlenproben aus dem Zwickauer sowie dem Lugau-Oelsnitzer Revier ausgestellt. Lea Ringel: "Diese Ausstellungsabteilung vermittelte erstmals überhaupt in einer Ausstellung zum sächsischen Steinkohlenbergbau die Ausbildung der Bergbeamten und Bergleute, die dafür entstandenen Bildungseinrichtungen und bedeutende Wissenschaftler, die Grundlagen für die Ausbildung legten.

Nach Abschluss der gegenwärtigen Erneuerungsmaßnahmen des Bergbaumuseums wird das Möbelstück Bestandteil der neuen Dauerausstellung des Museums, die gerade erarbeitet und 2023 eröffnet wird, sein.

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