Ein Perser möchte im Erzgebirge seinen Weg machen

Majid Khakshourrazavieh kam als Asylbewerber aus dem Iran nach Johanngeorgenstadt. Drei Jahre später hat er einen Job, spricht Deutsch und erklärt, warum Großstädte schlecht für die Integration sind.

Johanngeorgenstadt.

Ein Holzschild mit einem Bibelspruch hängt an seiner Tür, im Bücherregal steht Harry Potter neben der Heiligen Schrift und dem Gesundheits-Bestseller "Darm mit Charme". Man könnte meinen, sich in der Wohnung eines normalen Erzgebirgers zu befinden, aber am Klingelschild steht ein Name, der so lang ist, dass ein Vorname nicht mehr draufgepasst hat: Khakshourrazavieh.

Majid Khakshourrazavieh ist vor drei Jahren als Flüchtling aus dem Iran nach Deutschland gekommen. In seinem Heimatland ist der Islam Staatsreligion, doch Majid wollte als Christ leben. Nach mehreren Stationen landete der nunmehr 36-Jährige im Asylbewerberheim Johanngeorgenstadt. Hier fand er Anschluss an die örtliche Kirchgemeinde, lernte Freunde kennen und empfing sogar seine Taufe. Er betrachte Johanngeorgenstadt als seine neue Heimat, sagte er vor zwei Jahren, als die "Freie Presse" schon einmal über ihn berichtete.


Doch das Schicksal verschlug ihn wenig später nach Hamburg, wo er seine kranke Tante pflegte, die seit vielen Jahren in Deutschland lebt. Damit ging er den Weg der meisten Asylbewerber, die es nach einem kurzen Intermezzo in der Provinz in die deutschen Metropolen zieht.

Wenn Bürgermeister Holger Hascheck (SPD) über die Einwohnerentwicklung von Johanngeorgenstadt spricht, erwähnt er auch die Asylbewerber, bezeichnet sie jedoch als Gäste, die kommen und gehen. "Geblieben ist bisher kaum einer", sagt Hascheck.

Majid ist eine Ausnahme. Nach einem Jahr in Hamburg kehrte er auf eigene Initiative in die Bergstadt zurück. "Die Menschen im Erzgebirge sind gastlicher als die im Norden", sagt er. "Ich habe hier ein gutes Gefühl. Wenn man sich als Ausländer integrieren will, helfen einem die Leute. In Hamburg war ich ein Perser. Hier bin ich Deutscher."

Die deutschen Worte, die er bei seinem ersten Aufenthalt gelernt hatte, vergaß er in Hamburg zum Teil wieder. Er lebte dort unter Landsleuten und redete fast nur Persisch. Nach seiner Rückkehr musste er praktisch von vorn anfangen. Matthias Baldauf (31) aus der Kirchgemeinde, der zu Majids Freunden zählt, kennt solche Lebenswege. "Wir haben auch zu anderen Asylbewerbern Kontakt", erzählt er. "Sie ziehen in immer größere Städte. Chemnitz, Kassel, Frankfurt ... Sie denken, es geht ihnen dort besser. Aber sie finden nie ein Zuhause." "Ich habe es gefunden", meint hingegen Majid. Harry Potter auf Deutsch zu lesen, fällt ihm noch immer schwer, gibt er zu. "Aber in zwei, drei Jahren wird das anders sein."

Inzwischen besitzt Majid eine eigene Wohnung, die er selbst bezahlt. Er hat sich erst eine Arbeitserlaubnis und dann einen Job besorgt. Er arbeitet als Pflegehelfer im Seniorenpflegeheim "Zum Waldblick". Heimleiterin Kerstin Schneider (58) lobt seine höfliche Art und seinen respektvollen Umgang. "Unsere Bewohner mögen Majid", sagt sie. "Er lernt schnell und hat das Herz auf dem richtigen Fleck. Deshalb wollen wir ihm jetzt eine Fachausbildung ermöglichen."

Statt eines Familiennamens wie bei den deutschen Mitarbeitern steht auf Majids Kittel nur sein Vorname. Khakshourrazavieh war einfach zu kompliziert. Dabei passt der Name durchaus ins Erzgebirge. "Sinngemäß übersetzt heißt das Goldwäscher", erläutert Majid. Und das ist ja so eine Art Bergmann.

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