Ein Trio gegen die nackten Brücken von Gersdorf

Der Ort wird auch Venedig Westsachsens genannt. Hier gibt es 40 Brücken: zum Teil brandneu, die Geländer DIN-gerecht, aber dafür noch ziemlich grau. Drei Frauen wollen sie jetzt schmücken.

Gersdorf.

Das Vorhaben ist nicht neu. Nur an der Umsetzung haperte es. Vor Jahren kursierte die Idee, die Lichtmasten in Gersdorf mit Hängeampeln zu schmücken. Doch zu viele Unwägbarkeiten verbannten die Aktion wieder ins Reich der Utopie. Doch drei Frauen ging die Blütenpracht einfach nicht aus dem Kopf. Sie wollen jetzt einen neuen Vorstoß wagen. Diesmal haben sie allerdings die sanierten Brücken, die über den Hegebach führen, im Auge. Die Brücken sind zwar neu - aber dafür noch ziemlich grau.

Sabine Streubel, Ehefrau von Bürgermeister Wolfgang Streubel, und ihre Freundin Sabine Görner wollen den nackten Tatsachen ein Ende bereiten und die Brücken mit Blumenkästen verzieren. Die Idee haben die Frauen von Reisen in den Süden mitgebracht. "Wenn man durch den Schwarzwald, Südtirol oder Bayern fährt, sieht man so viele wunderschön verzierte Brücken. Ich sehe keinen Grund, warum das bei uns nicht funktionieren soll", sagt Sabine Streubel. Sabine Görner hat dort gleich gefragt, wer die Blumenästen pflegt: "Da kam die Antwort, das machen bei uns die Erna, die Erika und die Gudrun." Das Zauberwort: Brückenpatenschaften. "Es ist doch unser aller Dorf, und je schöner das ist, umso besser. Da werden sich doch Leute finden, die da mitmachen", sagt Sabine Streubel. Renate Scheibner brach als Gemeinderatsmitglied sofort eine Lanze für die Idee. "Ich finde, das ist eine feine Sache. Und wenn ich Wasserkanister und bissel Dünger in den Kofferraum packe und allein durch den Ort fahren muss, ich mach mit", sagt die ehemalige Brauereichefin.


Für einen schöneren Ort haben die Gersdorfer schon den Dreck-weg-Tag von der Partnergemeinde Altlußheim übernommen. "Ein schönes Ortsbild gehört genauso zur Infrastruktur wie Schule, Straßen und auch Brücken", sagt Sabine Görner. Dass die Aktion am Anfang kein Selbstläufer ist und einiges an Aufwand mit sich bringt, ist den drei Frauen klar. Immerhin ist Gersdorf reich an Brücken. Bürgermeister Wolfgang Streubel (Kommunale Wählervereinigung) kann ein Lied davon singen: "Als wir nach dem Hochwasser von 2002 unsere Fördermittelanträge im damaligen Regierungspräsidium eingereicht haben, fragte man uns, ob wir Venedig sind." Irgendwer soll Gersdorfs Brücken aus Spaß mal gezählt haben und kam auf mehr als 40.

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