Eine neue Ära im Freibad beginnt

Burkhardtsdorf eröffnet seine Becken morgen unter kommunaler Regie. Das ist politischer Wille und teuer. Manche Politiker ducken jetzt lieber weg.

Burkhardtsdorf.

Frank Nebel ist das neue Gesicht des Burkhardtsdorfer Freibades. Auch wenn der 53-Jährige erst seit wenigen Wochen an der Canzlerstraße 41 seine berufliche Heimat hat, ist er bereits komplett angekommen. Das wird selbst für den flüchtigen Beobachter schnell klar. Hier ein freundliches Wort für einen Bauhofmitarbeiter, dort ein kurzes Koordinierungsgespräch. Zwischendrin bleibt auch Zeit für ein ungezwungenes Pressegespräch. "Das ist ein sehr schönes Bad", schwärmt der neue Betriebsleiter, um gleich anzufügen: "Durch die Biogasanlage haben wir beheiztes Wasser. Aktuell liegt die Temperatur bei 17 Grad." Das dampft bei zwei Grad Außentemperatur morgens sogar noch. Mitte Mai wird die Anlage nach Aussagen von Servicebetriebsleiter Jörg Spiller dann komplett hochgefahren. Dann dürfen sich die Schwimmer auf eine Wassertemperatur von 24 Grad freuen.

Nach 34 Berufsjahren im Bäderwesen weiß er, worauf es ankommt: "Die Leute wollen sich wohlfühlen. Es muss sauber sein und ansprechend aussehen." Wenige Tage vor der offiziellen Baderöffnung am morgigen Sonntag ist diesbezüglich schon viel geschehen. Die Türen im Umkleidetrakt sind neu, die Wände frisch gestrichen. Letzte Arbeiten sind in vollem Gange.

Zunächst liegt der Fokus des Betriebsleiters auf den rund 20 Stammgästen, die auch ohne klassisches Freibadwetter regelmäßig ihre Bahnen ziehen. "Es wird zwei Mal in der Woche Ausdauerschwimmen geben", verspricht Nebel, der 2015 mit einigen anderen Schwimmern die Ostsee durchschwommen hat. Für ganz Hartgesottene soll das im Burkhardtsdorfer Bad schon ab Montag möglich sein, stellt Spiller in Aussicht. "Die Anlage läuft, das Bad ist besetzt - daher können wir das Angebot machen", so Spiller. Richtig los geht es nach den Erfahrungen von Nebel allerdings erst, wenn die Außentemperaturen stabiler werden.

Frank Nebel war zuletzt als Badchef in Bernsdorf tätig. Ganze 30 Jahre war er in dem Chemnitzer Freibad der Mann am Beckenrand und das Bindeglied zwischen Ehrenamt, Freundeskreis und Stadtverwaltung. Eine Schließung hat er mit seinen Mitstreitern dort abgewendet, vieles möglich gemacht, was die Stadt nicht finanziert hat. "Trotzdem hatte ich zuletzt den Eindruck, nicht gewollt zu sein. Und das zehrt an den Kräften", sagt Nebel. "Ich mache meinen Beruf gerne und daher habe ich nach einer Veränderung geschaut." Über die Berichterstattung in der "Freien Presse" ist Nebel auf Burkhardtsdorf aufmerksam geworden. "Als ich den Text gelesen hatte, dachte ich, nicht schon wieder eine Badschließung, und habe direkt zum Telefon gegriffen."

Am anderen Ende der Leitung ist sofort erkannt worden, welch eine Chance sich da bot. Nun leitet Nebel die Geschicke des Bades. "Ich möchte hier nicht das Freibadwesen neu erfinden, sondern ein Bad leiten, in das die Leute gerne gehen." Daher möchte Nebel die Vereine einbinden und auf die Bürger zugehen.

Die Eröffnung der Badsaison geht morgen über die Bühne. Kostenfreier Einlass ist ab 10 Uhr, die Veranstaltung beginnt um 11 Uhr; 12 Uhr startet das Kinderprogramm. Ab 18 Uhr gibt Musik, Speis und Trank zum Maifeuer oberhalb des Bades. Um 18.30 Uhr startet ein Lampionumzug vom Marktplatz dorthin. 19 Uhr wird das Feuer entzündet.


"Freie Presse" fragte Bürgermeister und Gemeinderäte zu ihren Erwartungen für die erste Badesaison - nicht alle wollen dazu etwas sagen

Ina Reichel (Die Linke): "Als bei der Frage, wie es mit dem Freibad weitergehen soll, auch eine Schließung zur Diskussion stand, gab es ja einen großen Aufschrei in der Bevölkerung. Der Zuschussbedarf wird wohl im hohen fünf- bis kleinen sechsstelligen Bereich liegen. Jetzt liegt es in der Hand der Bürger, diese Entscheidung auch zu rechtfertigen."

Uta Windisch (CDU):

Keine Antwort.

Klaus Kischkewitz (Allgemeine Liste "Neues Burkhardtsdorf"):

Keine Antwort.

Christine Radke (Freie Wählervereinigung Meinersdorf):

Keine Antwort.

Thomas Probst (Bürgermeister, CDU): "Ich wünsche mir, dass es bekannter wird, dass wir ein beheiztes Bad haben und das unsere Bürger es rege nutzen. Daher ist das etwas selbstironische Motto für den Badbetrieb: "Ein Dorf geht baden." Den Erfolg wird man erst später messen können. Ich bin sicher, dass es eine runde Sache wird." (bjost)

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