Einmal echte Parlamentsluft schnuppern

Niederwürschnitzer Schüler haben sich im Landtag in politischer Rede geübt. Der Ort hat die Jugendlichen beeindruckt. Beim Planspiel haben sie eine naheliegende Lösung gefunden.

Niederwürschnitz/Dresden.

Sollen Geschäfte am Sonntag öffnen dürfen oder nicht? Mit dieser Frage haben sich rund 80 Schüler der Internationalen Oberschule Niederwürschnitz kürzlich im Landtag auseinandergesetzt. In Dresden nahmen sie am Planspiel Landtag teil und spielten die politische Debatte zu einem Gesetzesentwurf durch. "Ich war ein wenig aufgeregt", räumt Neuntklässler Henry Faust ein. "Wir sind im Landtag sofort in den Plenarsaal geführt worden. Das hatte ich nicht gedacht." Dort musste sich jeder Schüler einen Zettel nehmen, auf dem stand, in welche Politikerrolle für die nächsten Stunden zu schlüpfen war. "Ich war Rechtsanwalt und in der neutralen Fraktion", berichtet Henry Faust.

Die Schüler sind in drei Fraktionen aufgeteilt worden: Pro, Neutral, Kontra. Das Szenario: Pro und Neutral bilden eine Koalition, wobei die Pro-Fraktion einen Gesetzentwurf am Koalitionspartner vorbei eingebracht hat, der es Händlern erlaubt auch an Sonn- und Feiertagen zu öffnen. Die Schüler mussten nun in ihren Fraktionen Strategien entwickeln, um ihr Anliegen durchzubekommen. Dazu wurden ihnen Materialien und Argumentationshilfen zur Verfügung gestellt. "Dazu gab es auch einen Crashkurs darüber, wie eine Rede zu halten ist", sagt Pavel Dolezal, der die Gruppe als Lehrer betreut hatte. Die Kernbotschaft fasst Lisa-Marie Ingerfeld zusammen: "Im Plenum muss man selbstbewusst rüberkommen." Das sei allerdings gar nicht so einfach, wenn man es nicht gewohnt ist, vor vielen Leuten zu reden. Dass die Schüler beim Planspiel Landtag alle von der gleichen Schule waren, erwies sich als durchaus hilfreich.

Nach der Vorbereitung in den Kleingruppen ging es schließlich zurück in den Plenarsaal. Dort hatte jeder Redner eine Minute und 50 Sekunden Zeit, um seine Argumente vorzubringen. Danach waren noch Fragen erlaubt. "Als ich nach der Rede mit Fragen gelöchert wurde, war ich extra aufgeregt", sagt Jimi Stielau (9a). "Aber wenn man erst einmal etwas Allgemeines sagt, kann man Zeit zum Nachdenken gewinnen", verrät er einen Trick. Ähnlich erging es Cristin Lämme (10. Klasse), die sich bei ihrer Rede auch mit Zwischenrufen konfrontiert sah: "Da wird man dann schon nervös."

Am Ende der Debatte ist über das Gesetzesvorhaben abgestimmt worden. Ergebnis: Der Sonntag bleibt im Handel ein Ruhetag. Die Schüler können sich damit durchaus arrangieren. "Es war gar nicht so leicht, Argumente zu finden, die für verkaufsoffene Sonn- und Feiertage sprechen", räumt die Neuntklässlerin Nora Mehner ein. Aber welches Argument war nun das Beste und damit ausschlaggebend, dass die neutrale Fraktion gegen das Gesetz und den Koalitionspartner gestimmt hat? Die Antwort hat Henry Faust: "Eigentlich ganz klar: Die Bürger wollen das überhaupt nicht." Das hatten die Schüler dem bereitgestellten Material entnommen. Für Lisa-Marie Ingerfeld ist das nachvollziehbar: "Man braucht schließlich auch mal einen Tag für sich."

Noch Tage nach der Exkursion in die Landeshauptstadt zeigten sich die Schüler beeindruckt, auch wenn sie keine Abgeordneten getroffen haben. Vorbereitet haben sie sich im Vorfeld übrigens nicht. Doch etwas anderes war wichtig: "Obwohl wir aus zwei verschiedenen Stufen kommen, haben wir uns alle gut verstanden", sagt Lisa-Marie Ingerfeld.

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