Einspruch bei Gericht ist nicht erfolgreich

1300 Euro Strafe sollte eine Unfallverursacherin zahlen. Der Versuch, auch die Eintragung im Zentralregister zu umgehen, ging vor Gericht schief.

Hohenstein-Ernstthal/Hohndorf.

Es kann jedem Autofahrer passieren: Eine Sekunde Unaufmerksamkeit, schon kracht es. Die 38-jährige Unfallverursacherin aus Hohndorf weiß bis heute nicht, wie das möglich war. Als sie sich am 2. Mai 2018 gegen 16 Uhr auf der B 173 aus Richtung Zwickau der Ampelkreuzung am Gewerbegebiet "Am Auersberg" nähert, zeigt die Ampel Grün. Doch die zweite Ampel, einen Steinwurf dahinter, steht zu dem Zeitpunkt auf Rot. Ein Zeuge, der damals per Motorrad unterwegs war, bestätigt das.

Aus der Gegenrichtung der Angeklagten ist gerade eine Rentnerin mit ihrem VW Polo im Begriff, in Richtung Lichtenstein links abzubiegen. Plötzlich kracht es. Der Audi rammt den Polo ungebremst auf der Beifahrerseite. Zum Glück sitzt dort niemand. Der Polo schießt in den Graben und bleibt an der Böschung hängen. "Das erste, was ich gesehen habe, war eine Frau mit einem weißen T-Shirt, auf dem eine Sonnenblume war", erinnert sich die Polo-Fahrerin. Sie bekommt mit, wie sie aus dem Fahrzeug befreit und auf die Wiese gesetzt wird. Die Rentnerin erleidet eine Brustkorbprellung, ein Schleudertrauma und ein tief liegendes Hämatom unterm Knie, das Wochen später operiert werden muss. Nach dem Unfall bleibt die Seniorin erst einmal drei Tage in der Klinik. Fünf Wochen lang kommt der Pflegedienst zu ihr nach Hause. Ihr 16 Jahre alter Polo ist nur noch Schrott. Für das Auto, das einen Totalschaden erlitten hat, bekam sie von der Versicherung noch 2800Euro. "Ich musste mir danach ein neues Auto kaufen. Wenn man alleine lebt wie ich, ist das ein finanzieller Kraftakt", sagt sie. Beklagen will sie sich nicht: "Es hätte viel schlimmer ausgehen können. Ich lebe noch und zum Glück ist alles ausgeheilt", sagt sie.

Dass ihre Unfallgegnerin bestraft wird, wollte sie gar nicht. Nur, dass die Versicherungen ihre Behandlungen bezahlen. Auch da gab es offenbar Ärger. Das Gericht hatte die strafrechtliche Seite des Unfalls mit einem Strafbefehl an die Angeklagte in Höhe von 1300Euro abgetan. Doch die Hohndorferin legte Widerspruch ein, spekulierte mit ihrem Anwalt auf eine Verfahrenseinstellung nach Paragraf 153a Strafprozessordnung. Damit könnten Eintragungen im Bundeszentralregister und -verkehrszentralregister umgangen werden. Auf diesen Deal hätten sich möglicherweise sogar Staatsanwaltschaft und Gericht eingelassen. "Aber Verfahrenseinstellung und dann noch billiger als im Strafbefehl davonkommen, das geht natürlich nicht", so Richter Michael Respondek. Das hatte sich die Angeklagte offenbar so etwa vorgestellt, zog daraufhin jedoch lieber den Einspruch wieder zurück.

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