Einwohnerzahlen: Tendenz wird besser

Der Bevölkerungsrückgang im Erzgebirge verlangsamt sich. Doch noch immer gleichen die Geburten die Sterbefälle nicht aus.

Stollberg.

Die Zeit der dramatisch vielen Wegzüge ist vorbei. Der Rückgang der Einwohnerzahl hat sich in den zurückliegenden Jahren deutlich verlangsamt. So kommentiert die Stadtverwaltung Annaberg-Buchholz die aktuellsten Zahlen aus dem Statistischen Landesamt. Zwar ist die Kreisstadt mit 19.748 Menschen - Stand Mitte 2019 - nicht mehr bevölkerungsreichste Kommune im Kreis, weil Aue und Bad Schlema Anfang 2019 fusionierten und Mitte des Jahres 20.401 Einwohner hatten. Doch Annaberg-Buchholz verweist neben vielen in die Zukunft gerichteten Ansiedlungen auf eine Besonderheit: Seit 2015 zogen in jedem Jahr außer 2017 viel mehr Leute in die Stadt, als weg. "Im ersten Halbjahr 2019 gab es 460 Zu- und 361 Wegzüge", so Stadtsprecher Matthias Förster. Den Fakt, "dass immer noch mehr Menschen sterben als geboren werden", könne das aber nicht ganz ausgleichen. Darum sinkt die Einwohnerzahl weiter.

Von den Großen Kreisstädten im Erzgebirge weist Stollberg in der Beziehung aktuell die beste Tendenz auf. "Wir haben inzwischen einen mittelfristigen Trend. Die Bevölkerungsentwicklung in der Stadt stabilisiert sich bei plus-minus-null", sagt Oberbürgermeister Marcel Schmidt (Freie Wähler). Zu den Gründen gehören "das zielgerichtete Ansiedeln von Industrie und Gewerbe" und die Tatsache, dass Interessen von Kindern und Familien nicht vernachlässigt werden. Aspekte, die von allen befragten Verwaltungen als wichtig genannt werden, um die Attraktivität der Standorte zu sichern und möglichst auszubauen. "Sicher spielen bei uns aber auch die Autobahnnähe und die Citybahn-Anbindung eine wichtige Rolle", so Schmidt.

Schwarzenberg verbuchte voriges Jahr 702 Weg- und 646 Zuzüge. 129 Geburten standen 248 Sterbefälle gegenüber. "Mitte 2019 hatten wir 16.781 Einwohner mit Hauptwohnung. Rechnen wir die mit Nebenwohnung dazu, kommen wir auf 17.355", so Oberbürgermeisterin Heidrun Hiemer (CDU). "Die differieren mit denen aus dem Landesamt, aber wohl nicht nur bei uns." Das 2013 überarbeitete Stadtentwicklungskonzept sage für 2020 einen Bevölkerungsrückgang voraus, der größer als die jetzt absehbaren Zahlen sei. "Dennoch bewerte ich die demografische Entwicklung kritisch, da ihre Auswirkungen fast alle Lebensbereiche der Stadt berühren." Mit dem "Zug in die Freiheit" habe 1989/90 das Ausbluten ganzer Regionen begonnen. "Auch bei uns sind vor allem junge Leute weggegangen, die woanders Familien gründeten."

Das Schwanken von Einwohnerwerten könne viele Ursachen haben, sagt Marienbergs Oberbürgermeister André Heinrich (parteilos): "Etwa, wenn viel junge Leute zum Studium in Großstädte gehen und sich dort mit Hauptwohnsitz anmelden, um eine Zweitwohnungssteuer zu vermeiden." Auch ältere Leute zögen mitunter weg. "So hatten wir im ersten Halbjahr 2019 neben 280 Zuzügen 315 Wegzüge. Und Sterbefälle überwiegen auch bei uns die Geburten." Dennoch gebe es viele Babys, junge Familien vergrößern sich. "Das spiegelt sich in vollen Kitas und Schulen wider."

Jede Stadt oder Gemeinde sei daran interessiert, dass ihre Einwohnerzahl steigt, betont Aue-Bad Schlemas OB Heinrich Kohl (CDU): "Das war einer der Gründe für die Fusion von Aue und Bad Schlema, um mit einer einwohnerstärkeren Stadt als Mittelzentrum mit Teilfunktionen als Oberzentrum attraktiver zu sein." Als Ursache für den Bevölkerungsrückgang benennt auch Kohl, dass die Zahl der Sterbefälle die der Geburten übersteigt und dass es mehr Weg- als Zuzüge gibt.

Mit einem Bündel Maßnahmen wollen die Kommunen als Wohn- und Arbeitsorte punkten und die Tendenz der Bevölkerungszahlen positiv beeinflussen. Was die befragten Städte in dieser Richtung tun, wird zum Thema eines weiteren "Freie Presse"-Beitrages.

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