Eisenbahnverein will alten Mitropa-Waggon aufmöbeln

Der Museumszug soll künftig mit Speisewagen unterwegs sein. Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg.

Chemnitz.

Drei Personenwagen aus den 1970er-Jahren bilden bisher den Museumszug des Sächsischen Eisenbahnmuseums Chemnitz-Hilbersdorf. Allein die aufwendige Restaurierung des bisher letzten dieser grünen Waggons hat sechs Jahre und mehr als 2000 Arbeitsstunden beansprucht. Trotzdem haben die Mitglieder des Trägervereins des Museums das nächste Projekt in Angriff genommen: Ein Speisewagen der Mitteleuropäischen Schlafwagen- und Speisewagen-Aktiengesellschaft, kurz Mitropa, soll aufgearbeitet und wieder fahrtüchtig gemacht werden, um ebenfalls für Sonderfahrten eingesetzt zu werden.

Der vierachsige, weinrot lackierte Wagen wurde 1974 im Reichsbahnausbesserungswerk Halberstadt auf Basis jener sogenannten Reko-Personenwagen gebaut, von denen bisher drei zum Museumszug gehören. Eingesetzt wurden diese Speisewagen von der Deutschen Reichsbahn der DDR im interregionalen und Interzonenbetrieb, also auch für Fahrten in die Bundesrepublik. Die 34 Tonnen schweren Fahrzeuge durften mit bis zu 120 Kilometern pro Stunde unterwegs sein. Der künftige Museumszug-Wagen wurde nach Angaben seiner jetzigen Besitzer 1992 ausgemustert, gehörte zeitweise Eisenbahnfreunden in Wuppertal und Lüneburg und kam 2012 nach Hilbersdorf.


Die Grundsubstanz des noch nahezu im Ursprungszustand erhaltenen Wagens ist solide, sagt Maximilian Thieme vom Museumsverein. Auch Teile der Inneneinrichtung seien noch in so gutem Zustand, dass sie aufgearbeitet und wiederverwendet werden könnten. Besonders arbeits- und kostenintensiv sei jedoch die erforderliche grundhafte Instandsetzung. So müssten unter anderem die Drehgestelle mit den Rädern und die Bremsanlage fachmännisch aufgearbeitet und von einem Sachverständigen abgenommen werden, so Thieme.

Als erster Schritt sei das Wageninnere komplett entkernt worden, um mit Sandstrahlern Rostbefall zu beseitigen. Dämmmaterial und auch Teile der Außenhaut und des Wagenbodens sowie die Dielung im Küchenbereich, die Feuchtigkeitsschäden aufweise, müssten erneuert werden. Die elektrische Anlage des Wagens soll beibehalten und heutigen Sicherheitsstandards angepasst werden. Auch die Küchenausstattung müsse künftig aktuellen Hygienevorschriften entsprechen, sagt Thieme.

Die Mitropa war 1916 unter anderem von den Eisenbahnverwaltungen Deutschlands, Österreichs und Ungarns gegründet worden. In der DDR bewirtschaftete die Aktiengesellschaft neben Speisewagen auch viele Gaststätten auf Bahnhöfen, Fahrgast- und Fährschiffen. Zu einem Klassiker wurde das spezielle Mitropa-Geschirr "Rationell" aus dem Colditzer Porzellanwerk.

Zur Restaurierung des Speisewagens sucht das Eisenbahnmuseum noch handwerklich begabte Helfer, Sponsoren und Spender.

Einen Spendenaufruf und weitere Informationen zu Projekt und Museum gibt es im Internet unter www.sem-chemnitz.de.

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