Eltern leiten eigene Kita: Das Aus nach 26 Jahren

Thalheim verliert eine bemerkenswerte ehrenamtliche Besonderheit. Immerhin: Ein neuer Träger übernimmt nun die Einrichtung. Doch wie viele solcher Eltern-Kitas gibt es noch im Landkreis?

Thalheim.

Doreen Kunz bringt es auf den Punkt: "Wir haben einfach keinen Nachfolger gefunden. Aber das ist auch verständlich. Die Leute sind alle berufstätig, die Verantwortung wird größer. Viele Vorschriften werden immer schlimmer, etwa mit dem Datenschutz. Und wir sind ja auch haftbar für alles." Kunz ist ehrenamtliche Vorstandsvorsitzende der Thalheimer Kita Kinderland am Steinberg. Kunz ist Mutter, doch ihre Kinder sind schon einige Jahre in der Schule. Trotzdem hat sie den Kita-Job noch weiter gemacht.

Doch nun hören Kunz und der gesamte ehrenamtliche Eltern-Trägerverein auf. Nach 26 Jahren - das ist schon eine Zäsur. Das Kinderland am Steinberg besteht seit dem 26. Juni 1992 - und ist eine der ersten Kindertagesstätten in Sachsen, dessen Träger eine Elterninitiative war. Derzeit werden im Erzgebirgskreis noch 22 Kindertageseinrichtungen betrieben, deren Entstehung oder Übernahme der Trägerschaft auf Initiative von Eltern erfolgte, so das Referat Jugendhilfe im Landratsamt. "In der Regel haben die Träger dieser Kitas neben Eltern auch weitere engagierte Personen als Mitglieder. Im Laufe der Jahre kann es durchaus dazu kommen, dass der Anteil der Eltern, deren Kinder die Kita noch besuchen, abnimmt und die Trägerschaft daher nicht mehr vorrangig in Eigeninitiative dieser Eltern wahrgenommen wird." Trotzdem: In den letzten Jahren sei die Anzahl dieser Eltern-Kita-Träger im Erzgebirgskreis konstant. "Thalheim ist daher ein Einzelfall", heißt es vom Referat Jugendhilfe.

Zum Jahreswechsel bekommt die Thalheimer Kita, in der derzeit 47 Kinder untergebracht sind, einen neuen Träger: Die Kindervereinigung Chemnitz übernimmt ab Januar 2019 die Einrichtung. Der Verein betreut bereits das Bildungs- und Freizeitzentrum Tabakstanne. Der Stadtrat stimmte dem Ansinnen zu. "Mit dem Trägerwechsel sind keine Änderungen im pädagogischen Konzept oder der Belegschaft geplant. Auch der Standort bleibt bis zur Fertigstellung des gemeinsamen Projektes - dem Neubau des Kindergartens - bestehen", sagt Thalheims Stadtsprecherin Elisabeth Borbe.

Damit ist ein wichtiges Unterfangen in der Drei-Tannen-Stadt gemeint, bei dem das Kinderland eine wichtige Rolle spielt: der Um- und Ausbau des ehemaligen Berufsbildungszentrums (BBZ) an der Äußeren Heinrichstraße.

Laut Bürgermeister Nico Dittmann soll das Vorhaben etwa vier Millionen Euro kosten - in die beiden unteren Etagen wird das Kinderland ziehen, darüber sind Gemeinschaftsräume geplant, die obersten beiden Etagen sind für den Hort der Grundschule gedacht. "Den einst angedachten Indoor-Spielplatz haben wir verschoben - die Kita ist wichtiger", sagt der Bürgermeister. Er schätzt, dass nach der europaweiten Ausschreibung vielleicht schon Mitte 2019 mit den Bauarbeiten begonnen werden könnte. 2020 soll dann alles fertig sein.

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