Emaillebecher steht für eine alte Bergarbeitertradition

Rund 60.000 Exponate zählt die Sammlung des Bergbaumuseums in Oelsnitz, nur ein Bruchteil davon ist in der Ausstellung zu sehen. Darum werden einzelne Stücke als "Objekt des Monats" vorgestellt. Aktuell ist es ein Kaffeebecher.

Oelsnitz.

Ein Kaffeebecher aus Emaille hat im September Einzug in die Vitrine für das Objekt des Monats gehalten. "Bergfest Gewerkschaft Gottes Segen" steht darauf - und genau das ist der Grund, warum dem Trinkgefäß aus dem Jahr 1935 eine besondere Bedeutung zukommt: Das Museum möchte damit auf eine alte Bergmannstradition aufmerksam machen.

Denn Bergleute waren und sind nicht nur arbeitsame und kameradschaftliche, sondern auch lebensfrohe und gesellige Menschen. Im sächsischen Bergbau waren Bergbiere oder Bergfeste fester Bestandteil bergmännischen Brauchtums, schon 1830 konnte man in "Der belehrende Bergmann" vom Hergang solcher Feste lesen. Dabei fanden die Bergbiere vor allem nach erfolgreichen Förderjahren oder nach Generalbefahrungen, das heißt Grubeninspektionen, zur Unterhaltung der Bergleute statt. Die Feste dauerten mitunter mehrere Tage, bei denen die Männer zunächst gemeinsam einen Gottesdienst abhielten und im Anschluss ausgelassen feierten, erklärt Jenny Johne, Mitarbeiterin im Bergbaumuseum.

Mit Beginn des Steinkohlenabbaus im Lugau-Oelsnitzer Revier etablierte Karl Gottlob Wolf die Tradition der Bergfeste auch hier. So wurde "am 19. Februar 1844 [...] auf den Oelsnitzer Fluren auf den ersten Ort, wo man nach Steinkohlen grub, ein Fest gefeiert", hieß es damals im Wochenblatt für Stollberg, Lößnitz, Zwönitz, Grünhayn und Umgegend.

Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts fanden solche Festlichkeiten regelmäßig und in immer größerem Ausmaß statt. So wurden teils Eheschließungen der Besitzerfamilie von Arnim, Jubiläen und andere Feierlichkeiten an Bergfeste angeschlossen. Zur Vermählung der jüngsten Tochter Fräulein Valerie von Arnim mit Leutnant Rudolf Graf zu Münster wurde 1906 beispielsweise ein Bergfest gehalten, das insgesamt 12.600 Mark kostete und die Bergleute bis morgens 4 Uhr beim Tanz zusammenhielt. Nach einem Rückgang der Festlichkeiten erfuhren die Bergfeste in den 1930er-Jahren eine Wiederbelebung. Besonders eindrücklich zeigte das die Gewerkschaft Gottes Segen in Oelsnitz zum Bergfest 1935. Der Bergparade folgten gleich die Festlichkeiten, für die man eigens ein Festgelände mit "Huthaus" und Tribüne aus dem Werkssportplatz schuf, so Johne.

Eingeladen waren auch die Frauen und Kinder der Bergleute, die unter anderem in Reitschulen, beim Kasperle-Theater und an Kletterstangen unterhalten und in fünf Feldküchen mit Kaffee und dazu gereichtem Kuchen versorgt wurden. Der als Objekt des Monats gezeigte Kaffeebecher ist einer der insgesamt 3700 Exemplare, die zu diesem Anlass vornehmlich an die Kinder ausgegeben wurden.

Während sich zu DDR-Zeiten der Tag des Bergmanns etablierte und dieser die Bergfeste auch ein Stück weit ablöste, schlief die Tradition der Berg- und Jubelfeste nach Ende des Steinkohlenabbaus zunächst ganz ein. In diesem Jahr aber wollen die Stadt Oelsnitz, das Bergbaumuseum und die Knappschaft des Lugau-Oelsnitzer Steinkohlenreviers die lange Tradition der Bergfeste neu beleben: Am Sonntag findet erstmals seit 1950 wieder ein Bergfest im erzgebirgischen Oelsnitz statt.

Das Bergfest findet am kommenden Sonntag statt. 13 Uhr beginnt am Bergbaumuseum Oelsnitz ein Bergaufzug, der bis zum Rathausplatz führt. 14 Uhr findet dann dort ein Berggottesdienst statt.

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