Ende nach fast 40 Jahren: Skilift in Gornsdorf ist Geschichte

Die Anlage wird derzeit abgerissen. Nach einem Rechtsstreit mit der Eigentümerin des Grundstücks hat der Skiverein aufgegeben. Die Stimmung ist gedrückt.

Gornsdorf.

Sie gibt sich nicht so leicht geschlagen, die Skihütte am Klaushang in Gornsdorf. Mit Spanngurten wollen Manfred Uhlig, Tino Fischer und Karl-Heinz Hahn die alte Hütte, in der sie nach so vielen Abfahrten gemütlich zusammen gesessen haben, zum Einsturz bringen. Doch die Hütte ist hartnäckig und ein alter Apfelbaum für kurze Zeit ihr Freund, denn er verhindert an diesem sonnigen Nachmittag, dass sie fällt. Karl-Heinz Hahn muss von zuhause die Motorsäge holen, ein Ast schließlich dran glauben. Dann fällt die Hütte krachend zusammen, eines der letzten Zeugnisse des Gornsdorfer Skilifts.

In wenigen Wochen werden Lift und Skihütte nur noch in der Erinnerung vieler Gornsdorfer und auf alten Fotos existieren. Zum Jahresende löst der Skiverein sich auf, alle Anlagen werden abgerissen. Gerne hätten die verbliebenen 19 Mitglieder bis 2021 weiter gemacht, wenn sich die erste Abfahrt zum 40. Mal jährt. Doch die Kraft hat nachgelassen nach einem jahrelangen Rechtsstreit mit der Eigentümerin des Hanges. "Es ist jammerschade, aber wir müssen der Tatsache ins Auge blicken", sagt Manfred Uhlig. Zwischen ihm und Sonja Meischner, der das Land gehört, ist das Tischtuch zerschnitten. Sie hat das Land, über den im Winter die Skifahrer wirbelten, 2011 geerbt und dem Verein 2012 gekündigt. Es folgte eine Räumungsklage, die ohne Erfolg blieb, sowie Termine vor dem Amts- und dem Landgericht. Sonja Meischner sagt, das alles hätte nicht sein müssen, wenn der Verein einer Änderung des Pachtvertrags zugestimmt hätte. "Mir ging es nur darum, dass ich als neuer Eigentümer eingetragen werde. Mehr hätte sich nicht geändert", sagt sie. Laut Manfred Uhlig aber konnte sich der Verein nicht darauf einlassen. "Es gab Änderungen bei der Kündigungsklausel, und auch eine höhere Pacht", so der 83-Jährige. Nachdem dem Verein in diesem Frühjahr erneut eine Räumungsklage ins Haus flattert, wehrt er sich nicht mehr. Die Mitglieder beschließen die Auflösung zum Jahresende. Damit bleibt der 8. Februar 2019 der letzte Skitag in Gornsdorf. "Ich möchte heulen wie ein Schlosshund", sagt Manfred Uhlig, der früher als Rechtsanwalt tätig war.

Am Ende hat auch der Altersdurchschnitt der Vereinsmitglieder seinen Teil beigetragen. Und auch der Andrang war nicht mehr wie früher. Im jüngsten Winter wurde an immerhin zwölf Skitagen gefahren. Der Winter 1986 hält mit 92 Skitagen den Rekord, bis zu 150 Skifahrer wurden an einem Tag gezählt. "Doch es sind immer weniger Kinder gekommen. Heutzutage ist die Jugend ja viel später von der Schule zuhause", sagt Tino Fischer. Die drei Töchter des 48-Jährigen haben hier das Skifahren gelernt. "Von Zuhause konnten wir rüber laufen zum Lift." Knapp 400 Meter ist der Gornsdorfer Hang lang, galt als steil und technisch anspruchsvoll. "Wer hier fahren konnte, konnte es überall", sagt Manfred Uhlig, der bis zuletzt mit der Walzenrolle den Hang präpariert hat. "Anfangs sind wir noch getrampelt. Wer mitgemacht hat, durfte kostenfrei Lift fahren."

Der Eigenbetrieb der Gemeinde hilft nun beim Abriss, rückt demnächst mit Bagger und Pickhammer an. Der Verein plant noch eine Trauerfeier, zum Abschluss. "Damit wir nicht wie die Hühner auseinander laufen", sagt Manfred Uhlig. Die Tage auf dem Hang haben verbunden.

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