Entschieden: Sodecia trennt sich von 200 Mitarbeitern

Der größte Arbeitgeber im Oelsnitzer Raum setzt 100 Beschäftigte auf die Straße - nochmal so viele verlassen das Unternehmen wegen befristeter Arbeitsverträge oder durch Vorruhestandsregelungen. Wissen die Betroffenen von ihrem Schicksal?

Oelsnitz.

Ab Januar 2020 wird die Sodecia Powertrain Oelsnitz GmbH - der größte Arbeitgeber in der Oelsnitzer Region - nur noch 400 Mitarbeiter beschäftigen. "Das ist der größte personelle Aderlass, seitdem ich hier dabei bin", sagt Mirko Hennig. Er arbeitet seit fast 20 Jahren bei dem Automobilzulieferer, die zweite Hälfte dieser Zeit ist er als Betriebsrat tätig.

Derzeit beschäftigt das Unternehmen noch 600 Menschen. Laut Hennig soll kommende Woche bekannt gegeben werden, wer von der Belegschaft die Kündigung erhält - und wer nicht. "Die Stimmung ist schlecht. Und sie wird noch schlechter, wenn klar ist, wen es trifft", so der Betriebsratsvorsitzende.

Mit der Geschäftsleitung wurde folgendes vereinbart: Von den 200 Mitarbeitern wird die Hälfte in den Vorruhestand geschickt - oder es betrifft Leute, deren befristeter Arbeitsvertrag nicht verlängert wird. "Die andere Hälfte aber sind richtige Entlassungen", erklärt Mirko Hennig. Er fügt hinzu: Eine Arbeitsplatzgarantie für die übrigen 400 Mitarbeiter gibt es nicht - nicht mal eine befristete. Das habe die Geschäftsleitung von Anfang an nicht zusagen wollen.

Der Geschäftsführer der Muttergesellschaft, Hans Schlickum, hatte bereits vor Monaten angekündigt, in allen Bereichen zu entlassen - von der Produktion bis zur Verwaltung. Dabei solle auf eine "gesunde Altersstruktur" geachtet werden, also einer Mischung aus jüngeren und älteren Beschäftigten. Schlickum legt Wert auf "faire Angebote zum Ausstieg", sprich: Abfindungen. Als Grund für die Kündigungen nannte er in einem ersten "Freie Presse"-Bericht einschneidende Veränderungen. So könne ein Produkt, das bislang aus Oelsnitz kam, in Portugal günstiger produziert werden - wegen geringerer Lohnkosten. Verschärft werde die Situation durch den Trend zur Elektromobilität. "Wir müssen erst neue Fachkompetenz aufbauen", sagte Schlickum damals. Betriebsrat Hennig ergänzt: Der ganze Markt der Automobilzulieferer sei derzeit verunsichert, weil niemand wisse, wie es weitergehe.

Sodecia produziert nach eigenen Angaben Getriebekomponenten wie Schaltmodule und Parksperren-Systeme sowie hochpräzise Feinschneidteile für namhafte Automobilhersteller und -zulieferer. Der Standort Oelsnitz ist eines von über 40 Werken der Sodecia-Gruppe, die auf fünf Kontinenten vertreten ist.

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