Erzgebirger initiiert E-Auto-Treffen

Je kälter es ist, desto kürzer die Reichweite. Aufs Dach Sachsens haben es dennoch alle 23 Teilnehmer problemlos geschafft.

Oberwiesenthal.

Das Image des E-Autos ist in Deutschland kein Gutes. Gerade jetzt im Winter behaupten die Kritiker, dass die Reichweite von E-Autos einfach schlecht sei. Genau aus diesem Grund hat Thomas Walther aus Drebach, der seit 2014 einen Renault Zoe fährt, über die Facebook-Seite Elektromobilität Sachsen zu einem Treffen auf den Fichtelberg eingeladen - mitten im tiefen, kalten, erzgebirgischen Winter. 23 Teilnehmer folgten in zwölf Fahrzeugen dieser Einladungen und alle kamen problemlos auf dem Dach Sachsens an.

Die weiteste Anreise hatten Ralf Lanzendörfer und Karsten Mausolf aus Hannover. Dreimal mussten sie ihren E-Golf während ihrer Fahrt ins Erzgebirge "tanken". Das Fahrzeug werde dabei aber nicht vollgeladen, ein solcher Vorgang dauere maximal 30 bis 40 Minuten. "Wir gehen lieber auf Nummer sicher", sagt Ralf Lanzendörfer. Vor allem die Fahrt bergauf konnten die beiden vorab nicht hundertprozentig einschätzen. "Runter ist es überhaupt kein Problem", sagt Mausolf. "Der Wirkungsgrad beim Bremsen eines E-Autos ist effektiver als beim Verbrennungsmotor." Denn der Batterie wieder neue Energie zugeführt.

Allerdings machen die Hannoveraner kein Geheimnis daraus, dass es an den Ladesäulen in Sachsen nicht nur gute Erfahrungen gab. In Leipzig landeten sie an zwei defekten Säulen und die Servicebereitschaft sei nicht sonderlich hoch gewesen. "Entlang der Autobahn ist alles gut, da gibt es keine Probleme, aber im Erzgebirge sieht es schon eher schlechter aus", sagt Mausolf. Vor allem die richtigen Schnellladesäulen fehlten. Trotzdem schwören die beiden Hannoveraner auf die E-Mobilität. "Es ist das schönere Fahren, die bessere Technologie. Es vibriert nichts, es macht keinen Lärm", zählt Lanzendörfer auf. Zwar gelte: Je kälter desto weniger Reichweite, doch wer richtig plant, komme problemlos ans Ziel. "Auch auf den Fichtelberg", sagt er und die beiden lachen.

Thoralf Schilde aus Leipzig sieht das ähnlich. Er sei auf die E-Mobilität aufmerksam geworden, als der Tesla erste Schlagzeilen machte. "Da kam auch mein Interesse", sagt er. Vor zwei Jahren habe er sich dann mit seiner Frau einen Ioniq gekauft. Mittlerweile hat das Paar sogar zwei Autos, die durch Strom angetrieben werden. "Die Anschaffungskosten sind hoch, doch unterm Strich spart man deutlich", sind sich die Leipziger einig. Ein bissel "neidisch" schaut man gen Norden, denn dort habe die E-Mobilität einen anderen Stellenwert, eine ganz andere Lobby. Das Ladesäulennetz sei wesentlich größer und werde mehr gefördert. "Die Reichweitenangst ist beispielsweise eine typisch deutsche Krankheit", so Kastner und beschreibt E-Auto-Fahren als eine Art Lebenseinstellung. "Frauen verstehen es schneller und besser als Männer." Bei seinem Tesla musste er nach 251.000 Kilometern das erste Mal die Bremsscheiben wechseln.

Dass die Durchdringung des Marktes tatsächlich nur bei 0,8 Prozent liegt, was reine E-Autos angeht, und bei 1,8 Prozent in Sachen Hybrid ist eine Tatsache, die die Teilnehmer des Treffens auf dem Fichtelberg nicht nachvollziehen können. Denn sie sind von der Technik der Zukunft trotz aller Herausforderungen überzeugt.

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