Erzgebirger zeigen ihre privaten Volkskunst-Schätze

Rund 60 private Leihgeber bestücken eine Ausstellung in der Marienberger Baldauf-Villa, die ab Sonnabend zu sehen ist. Ein großes Exponat erzählt eine besondere Geschichte.

Marienberg.

Schätze können vieles sein: Ansammlungen kostbarer Dinge, Schmuck beispielsweise. Auch geliebte Menschen können Schätze sein. Ganz andere Schätze - die der erzgebirgischen Volkskunst - stehen ab Sonnabend im Mittelpunkt einer Ausstellung in der Marienberger Baldauf-Villa. "Dabei wollen wir nicht auf den materiellen Wert eingehen, sondern vielmehr auf den ideellen und handwerklichen. Wir zeigen, was Menschen im Erzgebirge lieb und teuer ist", sagt Anett Schlenther, Mitarbeiterin der Baldauf-Villa. Rund 60 private Leihgeber, darunter Holzbildhauer, Kunsthandwerker und Schnitzer, zeigen mit etwa 800 Exponaten, dass das Volkskunstschaffen in der Region noch immer äußerst lebendig ist und Traditionen gepflegt werden.

Zu den größten Exponaten der Schau zählt ein Teil eines alten orientalischen Berges, der ursprünglich Anfang der 1930er-Jahre in Beierfeld entstanden ist und eine bewegte Geschichte hinter sich hat. "Anfang 1930 fanden sich in unserem Ort fünf Schnitzer und Bastler zusammen und gründeten den Berg- und Schnitzverein Beierfeld", blickt René Müller, dessen heutiger Vorsitzender, zurück.

Als erste gemeinsame Arbeit nach der Gründung entstand ein orientalischer Weihnachtsberg. In Abschnitten wuchs dieser dann bis 1936 auf die stattlichen Maße von zwölf Metern in der Breite und 2,20 Meter Tiefe an. "Die letzte Ausstellung des gesamten Berges fand 1954 statt, als ihn etwa 4000 Menschen sahen", weiß René Müller. Danach wurden viele Teile des Unterbaus für andere Berge verwendet. Letztmalig, zur 50-Jahr-Feier des Vereins, wurde eine kleine Ecke des Berges 1980 gezeigt. Weil die auf Kreisebene politisch Verantwortlichen den Vereinsmitgliedern in der Ausstellung zu verstehen gaben, dass eine derartige öffentliche Zurschaustellung christlicher Motive nicht erwünscht ist, wurde der Weihnachtsberg mit allem Drum und Dran in Kisten verpackt und auf einem Dachboden gelagert. Erst im Jahr 2007, der Verein zog in neue Vereinsräume, konnten sich die Vereinsmitglieder wieder um die verbliebenen Teile kümmern. "Mit Schrecken stellten wir fest, das Mäuse einen Großteil des Bestandes zerstört hatten", beschreibt René Müller die Situation. Die geretteten 250 Figuren und einige zum Teil schwer geschädigte Häuser wurden zunächst neu verpackt und im Vereinsheim wieder gelagert.

"Den Aufruf zur Teilnahme an der jetzigen Ausstellung haben zehn Vereinsmitglieder zum Anlass genommen, den alten Vereinsschatz zu bergen und damit zu beginnen, ihn Stück für Stück wieder entstehen zu lassen", so René Müller. Auf dem zuerst restaurierten Teilstück sind zwei Szenen zu sehen: zum einen die Darstellung der Flucht der Heiligen Familie aus Bethlehem, zum anderen der Kindermord, befohlen von König Herodes.

"In seiner ursprünglichen Dimension wird es den Berg aber wohl nie wieder geben. Der neue alte Berg wird 6,50 Meter breit werden. Wir verwenden dafür, was noch verwendbar ist. Einzelne Teile fertigen wir bei Bedarf neu an", so der Vereinsvorsitzende, der sich auf die Resonanz der Ausstellungsbesucher freut.

Diese erwartet neben den Exponaten - vom lebensgroßen Format bis zur Miniatur - noch ein umfangreiches Rahmenprogramm mit Schauvorführungen alter Handwerkskunst in der Hutzenstub, erzgebirgischer Musik und Mitmachangeboten für Jung und Alt.

www.baldauf-villa.de

Die Ausstellung "Schätze erzgebirgischer Volkskunst" ist vom 18. bis 26. Januar in der Baldauf-Villa, Anton-Günther-Weg 4, in Marienberg, zu sehen. Geöffnet ist täglich von 10 bis 18 Uhr.


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