Erzgebirgscard wird abgeschafft

Das vor 15 Jahren vom Tourismusverband eingeführte Angebot hat plötzlich ein Verfallsdatum: Ab 2019 wird es die Karte nicht mehr geben. Denn diese ist per Gesetz zur Pauschalreise geworden. Klingt kompliziert. Und das ist es auch.

Annaberg-Buchholz.

"Preiswert das Erzgebirge erleben - die Erzgebirgscard macht's möglich" - damit hat der Tourismusverband Erzgebirge (TVE) jahrelang für sein spezielles Angebot geworben. Und nun wird bekannt, dass es dieses ab Januar 2019 nicht mehr geben wird. Was ist passiert?

Um es einfach zu sagen: Der Aufwand beim Verkauf der Erzgebirgscard ist immens größer geworden, weil aus dem Angebot eine Pauschalreise geworden ist. So jedenfalls besagt es ein am 1. Juli in Kraft getretenes EU-Gesetz. Demnach ist die Kombination mindestens zwei verschiedener Reiseleistungen eine Pauschalreise, erklärt Doreen Burgold, Sprecherin des TVE. Kombiniert werden konkret kostenfreie Eintritte mit einer Transportleistung - weil der ÖPNV unentgeltlich genutzt werden kann. Letzteres aus dem Angebot zu streichen, würde aus Gastsicht aber einen enormen Rückschritt bedeuten und die Attraktivität der Karte erheblich senken, meint Burgold. Die Erzgebirgscard sei insbesondere auch deshalb von dem neuen Pauschalreiserecht betroffen, weil es sich um eine Kaufkarte handelt. "Der Gast entscheidet sich durch den Kauf bewusst für die Nutzung." Und damit wird ihr Verkauf automatisch zur "Vermittlung einer fremden Pauschalreise" - was wiederum mit Verpflichtungen verbunden ist: Jedem Käufer müssen ein spezielles Formular und ein zweiseitiger Sicherungsschein ausgehändigt werden.

Beides habe man zwar den rund 150 Verkaufsstellen - Touristinformationen, Museen, Bergwerke oder Hotels- zwecks Rechtssicherheit ausgereicht, aber schnell wurde klar: Der Mehraufwand ist enorm. Zudem seien insbesondere die Hotels aufgrund des neuen Reiserechts sehr stark verunsichert, sagt Burgold. Die Konsequenz: Viele Partner haben dem TVE signalisiert, dass sie die Karte nicht mehr verkaufen wollen. Damit, so Burgold, zeichne sich ein stark sinkender Kartenverkauf ab, was dann aber nicht mehr wirtschaftlich sei. Die Entscheidung, die Karte deshalb aufzugeben, sei dem TVE-Vorstand sehr schwergefallen, sagt sie. Immerhin wurden 2017 insgesamt 5321 Erzgebirgscards verkauft und diese 32.602-mal genutzt. Mehr als 100 Einrichtungen haben die Karte akzeptiert. Die Bandbreite ist groß, reicht von der Kletterwelt Erzgebirge in Pockau-Lengefeld bis hin zum Museum für bergmännische Volkskunst in Schneeberg. Besonders gefragt sind laut Burgold die Bahnen - wie Fichtelberg- und Drahtseilbahn Augustusburg - sowie Thermen und Erlebnisbäder, aber auch museale Einrichtungen wie die Manufaktur der Träume.

Weil beim Kauf keinerlei Daten abgefragt wurden, ist nicht bekannt, wie hoch der Anteil an Touristen beziehungsweise Einheimischen war. Zwei Erzgebirger, die sie oft genutzt haben, sind Helmar Haupt und seine Frau, die das Aus bedauern. Mit ihr haben sie Ziele im Erzgebirge bequem mit Bus und Bahn erreichen können, sagt Haupt. Und auch preiswert. Denn mit einer Vier-Tageskarte kann ein Erwachsener für 37Euro an vier Tagen im Jahr je einen Ausflug unternehmen. Helmar Haupt: "Der Tagesausflug mit Erzgebirgsbahn, Dampfzug nach Oberwiesenthal und Fichtelberg-Schwebebahn schlug so mit 9,25 Euro pro Erwachsenem zu Buche."

Bedauert wird der Wegfall der Karte auch von den beteiligten Einrichtungen. Allerdings nicht, weil diese nun einen größeren Besuchereinbruch erwarten. Ins 1. Räuchermann-Museum in Cranzahl kamen laut Inhaber Silvio Lenk höchstens zehn Prozent der Besucher mit der Karte, auch im Bergbaumuseum Oelsnitz wird der Wegfall die Besucherzahlen kaum beeinflussen, glaubt Leiter Jan Färber. Für ihn ist das Angebots-Aus deshalb bedauerlich, weil die Karte für die Zusammengehörigkeit im Erzgebirge stehe. "Für die Region war sie aus meiner Sicht ein gutes Instrument." Auch für Manuela Stock von der Geschäftsführung des Spielzeuglandes Stockhausen in Olbernhau ist "der Zusammenhalt der Anbieter und das ,Über-den-Tellerrand-Gucken'" der wesentliche positive Aspekt. Der zur Karte gehörende Freizeitführer mit kompakter Übersicht aller Angebote im Erzgebirge habe ihrer Meinung nach für den Gast einen Riesennutzen und sei "Gold wert." Ihre Hoffnung, dass wenigstens dieser Freizeitführer weiter angeboten werden kann, muss Burgold allerdings zerschlagen. Aber, erklärt die TVE-Sprecherin, man denke darüber nach, die kostenfreie "Freizeit- (land)karte" entsprechend auszubauen. (mit dahl)

Bewertung des Artikels: Ø 2 Sterne bei 3 Bewertungen
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...