Filmemacher hilft beim Spendensammeln

Dass das Geläut abgeschaltet und der Glockenturm gesperrt werden muss, das droht der Niederwürschnitzer Johanneskirche - falls die Sanierung nicht bald beginnt. Doch die Chancen auf ausreichend Mittel stehen gut, auch dank eines prominenten Unterstützers.

Niederwürschnitz.

Eigenmittel in Höhe von 100.000 Euro muss die Gemeinde der Johanneskirche für die Sanierung und Erneuerung für ihre Glocken aufbringen. Und das möglichst bald, denn wenn nichts passiert, droht spätestens mit der nächsten Überprüfung des Geläutes im Jahr 2020 die Abschaltung der Glocken und die Sperrung des Turmes. Die Lage ist ernst. Drei Glocken sind defekt, eine vierte Glocke schweigt wegen eines Risses bereits seit fünf Jahren. Doch nun kann sich die Kirchgemeinde über prominente Unterstützung freuen. Der Schriftsteller, Drehbuchautor und Regisseur Eberhard Görner will die Gemeinde mit mehreren Benefizveranstaltungen unterstützen.

Der 74-Jährige wird mit Lesungen und einer Filmvorführung zu erleben sein, auch Künstlerkollegen hat er ins Boot geholt. Der Grund für dieses Engagement: Eberhard Görner wurde in Niederwürschnitz geboren. Und er hat eine besondere Beziehung zur Johanneskirche, in der er getauft und konfirmiert wurde. "Beim Krippenspiel habe ich einen der drei Könige aus dem Morgenland gespielt, den Mohr. Das war eine Herausforderung, denn auf dem Weg von der Tür zum Altarraum musste ich meinen Text auswendig vortragen. Alle anderen hatten ihre Texte vor sich liegen."

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Die Fotos von der Abnahme der Glocken im Winter 1942 kennt Görner aus dem Fotoalbum seiner Eltern: "Als Kind habe ich mir die Aufnahmen mit der Lupe angeschaut, weil auf einem auch Feuerwehrleute zu sehen waren. Mein Vater war bei der Feuerwehr. Ich habe ihn auf dem Foto zwar nicht gefunden, aber ich hatte immer das Gefühl, dass die Leute alle ganz traurig wirken." Zwei der drei Glocken des alten Bronzegeläuts waren damals für Kriegszwecke abgenommen und eingeschmolzen worden. Erst am 15. Januar 1961 wurde dann ein aus vier Stahlgussglocken bestehendes, neues Geläut eingeweiht. Doch wie in vielen anderen Kirchen auch waren Glockenturm und Glockengerüst für das höhere Gewicht nicht ausgelegt. Deshalb müssen jetzt nicht nur die Glocken selbst erneuert werden. Das Glockengerüst ist kaputt, die Statik des Turmes hat gelitten. "Man spürt in der Kirche, dass der Fußboden beim Läuten mitschwingt", beschreibt Antje Bilz, die im Kirchenvorstand für Finanzen zuständig ist, die Auswirkungen. Die Gesamtkosten der Sanierung werden auf 350.000 Euro geschätzt. Noch in diesem Jahr soll mit der Sanierung begonnen werden. Seit 2017 werden Spenden dafür gesammelt. Inzwischen wurden mehr als 60.000 Euro eingenommen.

Die Gemeinde hatte auch Eberhard Görner um eine Spende gebeten. Der große Sohn der Stadt erinnert sich noch in einem anderen Zusammenhang an das Geläut: "Als Schüler habe ich einst die verbliebene Glocke geläutet. Dafür gab es eine Sondergenehmigung vom Hausmeister. Das ist tief in meinem Herzen verankert."

Wohl auch deshalb hat sich Eberhard Görner etwas Besonderes einfallen lassen. Er hat eine Reihe von Benefizveranstaltungen auf die Beine gestellt, deren Erlöse zu 100 Prozent den Glocken zugute kommen. Bei der ersten Veranstaltung ist Görner mit dem Salon-Streichorchester Dresden zu erleben. Während Görner aus seinem Buch über Walter Jurmann liest, spielen die Musiker weltbekannte Titel des Komponisten, zu dessen bekanntesten Liedern "Veronika, der Lenz ist da" gehört.

Eberhard Görner ist nach Dreherlehre und Germanistikstudium als Mitbegründer und Drehbuchautor der Krimiserie "Polizeiruf 110" beim Fernsehen der DDR bekannt geworden. Er wurde 1998 zum Honorarprofessor für Medien an der Hochschule für Technik Dresden berufen und lebt heute in Brandenburg. Doch nach wie vor schlägt sein Herz auch für Niederwürschnitz: "Das ist meine Heimat. Alle guten Eigenschaften sind mir hier eingepflanzt worden. Die Liebe zu Literatur und Musik, aber auch die bergmännische Tradition habe ich hier in meine Seele aufgenommen."


Geplante Veranstaltungen

Die Musikalische Lesung mit Eberhard Görner und dem Salon-Streichorchester Dresden findet am Sonnabend, ab 15 Uhr in der Johanneskirche statt. Der Eintritt kostet 15 Euro.

Weitere Benefizveranstaltungen sind wie folgt geplant: am 1. Juni, ab 16 Uhr: Lesung aus dem historischen Roman "In Gottes eigenem Land" mit Eberhard Görner und Gojko Mitic; am 6. September, ab 19 Uhr: Dokumentarfilm "Wolle auf Asphalt - Das Experiment Trabant" von Eberhard Görner; am 19. Oktober, ab 19 Uhr: Konzert "Wie ein Fischlein unterm Eis" mit der Gruppe Karussell sowie am 22. Dezember, ab 17 Uhr: Barockes Weihnachtskonzert mit dem Streichorchester Amadeus. (czd)

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