Filmemacher überrascht mit Gesang

Etwa 90 Besucher haben am Samstag die musikalische Lesung mit Eberhard Görner und dem Salon-Streichorchester Dresden in der Johanneskirche Niederwürschnitz erlebt. Die Einnahmen kommen vollständig dem Glockenprojekt der Kirche zugute.

Niederwürschnitz.

Auf etwa 100 Besucher hatte Kichenvorstand Lutz Holländer bei der Auftaktveranstaltung der Benefizreihe für die Erneuerung des Geläuts gehofft. Am Ende waren etwa 90 Zuhörer gekommen. In Anbetracht des sehr speziellen Charakters der Veranstaltung ist Holländer dennoch zufrieden: "Derzeit liegt der Spendenstand bei etwa 61.300 Euro. Hier sind noch einmal um die 1000 Euro dazugekommen, denn die Einnahmen kommen zu hundert Prozent den Glocken zugute. Die Künstler nehmen nicht einmal eine Aufwandspauschale."

Zu Gast war Filmemacher Eberhard Görner und das Salon-Streichorchester Dresden. Eine stimmige Kombination, denn Görner hat aus seinem 2014 erschienenen Buch "Walter Jurmann - Sein Leben, seine Musik" gelesen. Bekannt ist nicht so sehr der Name Walter Jurmann, als vielmehr das musikalische Erbe dieses Komponisten, zu dem Melodien wie "Ein Lied für dich, Ninon!" und "A better world to live in" gehören. Besonders das Lied "Veronika, der Lenz ist da" ist durch die Interpretation der Comedian Harmonists zu einem Ohrwurm geworden. Doch während das Berliner Ensemble der 20er- und 30er-Jahre den Titel als reine Vokalmusik dargeboten hat, wurden die Melodien in Niederwürschnitz vom Salon-Streichorchester Dresden unter Leitung von Hendrik Herrmann gespielt. Für den Gesang sorgte Geiger Matthias Meinhardt und - für das Publikum durchaus überraschend - Eberhard Görner. Und so gab es spontanen Applaus nach seiner ersten Gesangseinlage "Wenn der weiße Flieder wieder blüht", auch wenn diese Filmmusik nicht aus der Feder von Jurmann stammt, sondern vom Militärkapellmeister Franz Doelle.

Nach dem 90-minütigen Programm zeigte sich das Publikum begeistert, auch vom Engagement der Künstler. "Ich finde es schön, dass Eberhard Görner hier ist. Es zeigt, wie sehr er noch immer mit seiner alten Heimat verwurzelt ist", so Uta Windisch. Ebenso wie Görner hat die ehemalige Landtagsabgeordnete eine besondere Beziehung zur Johanneskirche: "Ich bin hier getauft, konfirmiert und getraut worden." Außerdem gehört Windischs Schwager Wolfgang Roscher als Kirchenvorstand zu jenem Team, welches sich für die Erneuerung der Glocken stark macht. Er bekennt: "Das Glockenprojekt ist für uns wegen seines finanziellen Umfangs eine große Herausforderung." Kirchenvorstand Lutz Holländer stimmt dem zu und ergänzt: "Als wir wussten, um wie viel Geld es dabei geht, war klar, dass wir dafür auch die Unterstützung von Leuten brauchen, die nicht zur Johannesgemeinde gehören."

An alle Niederwürschnitzer Haushalte wurden Handzettel verteilt. Mit großem Erfolg, wie sich die beiden Kirchenvorstände freuen: "Viele Spenden sind von Menschen gekommen, die mit der Kirche gar nichts zu tun haben." Vor Einreichung des Bauantrages mussten 40.000 Euro an Eigenmitteln nachgewiesen werden. Vor einigen Tagen hat das Regionalkirchenamt Chemnitz die Baugenehmigung erteilt. Doch das ist nur eine erste, wichtige Etappe. Inzwischen laufen die Planungen, doch bis zum Baubeginn muss weiter um Spenden geworben werden. Besonders große Erwartungen setzen die Organisatoren auf ein Konzert mit der Gruppe Karussell im Oktober. Holländer: "Ich gehe von 500 Besuchern aus. Die ersten Interessenten haben sich schon gemeldet, aber derzeit gibt es noch keine Karten." Doch man verlässt sich nicht nur auf die Benefizveranstaltungen. Daneben werden zum Beispiel 14-tägig Kirchturmführungen angeboten. Der nächste Termin für eine Führung mit Jochen Mehlhorn ist der 20. April, um 14 Uhr. Lutz Holländer gibt unterdessen schon die Zielmarke vor: "Spätestens zu Pfingsten 2020 wollen wir die neuen Glocken weihen."

Die nächste Benefizveranstaltung für das Geläut der Kirche findet am 1. Juni, 16 Uhr statt. Dann lesen Eberhard Görner und Gojko Mitic aus dem historischen Roman "In Gottes eigenem Land".

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