Fünf Monate nach dem Sturm

Zerstörte Dächer, entwurzelte Bäume: Fabienne hat die Region im September erschüttert. "Freie Presse" zeigt Orte, die es besonders hart traf. Was ist schon repariert?

Tierheim Stollberg: Etliche Bäume auf dem Gelände waren umgeknickt, der Außenzaun wurde weitgehend zerstört. Susanne Scheibner, die Tierheimchefin, schätzt den Schaden auf mehr als 80.000 Euro. Für einen Teil, etwa fürs Dach, zahlt die Versicherung. Reparaturen am Zaun haben bereits 2018 begonnen, mussten jedoch im Winter gestoppt werden. Die Ausläufe für Hunde sind derzeit kaum nutzbar. Ein paar wacklige Bäume werden demnächst noch gefällt. Ab April sind Arbeitseinsätze geplant.

Kindertagesstätte "Bienenkorb": Rund 150.000Euro - so hoch war der Schaden laut Danilo Panian. Er gehört zum Vorstand der Diakonie, die Träger der Thalheimer Kita ist. Der Zaun wurde bereits erneuert, Bäume wurden gepflanzt. Im Frühjahr reparieren Arbeiter das Dach, streichen Innenräume und bringen das Außengelände in Schuss. Finanziert wird der Wiederaufbau mit Geld von Spendern, der Versicherung sowie von Kommune und Landkreis.

Rentners Ruh: Am 1. Mai soll die Anlage wieder öffnen. Dieses Ziel nennt Ines Raigrotzky, die Vorsitzende des Erzgebirgischen Heimatvereines Thalheim. Wenn bis dahin auch nicht jedes Detail zu schaffen sei, so soll doch zumindest die Schau wieder starten. Bislang ist nur wenig repariert worden, lediglich Bäume wurden weggeräumt. Laut Raigrotzky beliefen sich die Schäden auf rund 50.000 Euro. Aber mithilfe der Versicherung und der Unterstützung von Spendern könne der Neuanfang gestemmt werden. Raigrotzky spricht von "unglaublicher Hilfsbereitschaft."

Thalheim: In der Stadt ist schon einiges passiert: Dächer und Straßenlaternen wurden erneuert, Holz wurde beseitigt. Laut Bürgermeister Nico Dittmann betrug der Schaden etwa 690.000 Euro. Der Freistaat stellt ein Sonderbudget bereit. Kommunen können sich um Geld aus dem Topf bewerben. So versucht Thalheim, Mittel für Grünflächen, Straßenbeleuchtung, Infrastruktur und die Feuerwehr zu bekommen.

Soziokulturelles Zentrum Neuwürschnitz: Die Reparaturen an der Mehrzweckhalle sind fast abgeschlossen. Dach, Fenster und Blitzschutz sind vorhanden. Nur die Außenfassade muss noch hergerichtet werden. In der Halle sind wieder Veranstaltungen möglich, sagt Jens Barnickel, Beigeordneter der Stadt Oelsnitz. Auch am Altbau ist ein Teil der Dachschäden behoben. Doch einige Arbeiten stehen noch aus: Im Treppenhaus hat Wasser deutliche Spuren hinterlassen. Und im Obergeschoss müssen der Fußboden, die Elektrik und die Heizung wieder instandgesetzt werden.

Demnächst nehmen Handwerker das Dach des Verbindungsbaus in Angriff. Dabei sollen Ziegel durch eine Blechdecke ersetzt werden. Für die Schäden am Soziokulturellen Zentrum - mehrere Hunderttausend Euro - ist teilweise eine Versicherung aufgekommen. Mehrkosten übernimmt vorläufig die Stadt, so Barnickel. Noch in diesem Jahr soll alles wieder auf Vordermann gebracht werden.

Wald: Bis Ende März sollen die Aufräumarbeiten beendet sein, sagt Revierförster Michael Melzer. Etwa 20Hektar Wald hatte der Sturm allein im Gebiet Zwönitz-Brünlos verwüstet. Zwar können Waldeigentümer das gebrochene Holz verkaufen. Doch weil die Preise auf dem europäischen Markt im Keller sind, bleiben die Erträge relativ gering. Immerhin, sagt Melzer, dürften die Einnahmen genügen, um die Wiederaufforstung und die Sanierung von Wegen zu finanzieren.

Brünlos: Dieter Krebs, der Ortsvorsteher von Brünlos, hat keine Auflistung der Schäden, eine Summe kann er nicht nennen. Aber die Privatleute haben seines Wissens fast alle Schäden beseitigt. Nur die Waldbesitzer in der Umgebung hätten noch zu schaffen. An einigen Stellen im Ort fehlt die Beleuchtung. Firmen, deren Dächer beim Sturm verloren gegangen waren, konnten rasch Abhilfe schaffen. Viele Freiwillige hätten sich spontan zu Arbeitseinsätzen bereit erklärt. Überhaupt konnte Krebs beobachten, wie die Not die Menschen im Ort zusammengeschweißt hat. "Wenn es überhaupt etwas Positives daran gibt, dann ist es der Zusammenhalt." In Brünlos laufen bereits Vorbereitungen für einen Gedenktag. Am 23.September, ein Jahr nach der Katastrophe, soll ein Gottesdienst mit einem Vortrag und vielen Fotos stattfinden.

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