Funker und Leistungssportler: Die ungleichen Meister-Brüder

Uwe und Jörg Fritzsche haben in ihrer Jugend nur wenig zusammen unternommen. Sie hatten verschiedene Interessen. Doch dann gründeten sie gemeinsam eine Firma für Elektroanlagen. Nun wurden die Brüder aus Niederwürschnitz ausgezeichnet.

Niederwürschnitz.

Uwe ist eher der ruhige Typ. Er sprich langsam, formt seine Sätze mit Bedacht. Aber Jörg ist da ganz anders. Fängt er an zu reden, kann man ihn kaum bremsen. Wer sich mit den Brüdern der Elektro-Firma Fritzsche in Niederwürschnitz unterhält, dem fallen die unterschiedlichen Charaktere der Chefs auf: Auf der einen Seite der zurückhaltende Uwe, 53 Jahre alt. Auf der anderen Seite der redselige Jörg, drei Jahre jünger. Offenbar eine gute Mischung.

Denn beide haben nun den Silbernen Meisterbrief erhalten. Damit zeichnete die Chemnitzer Handwerkskammer Meister aus, die vor 25 Jahren ihren Brief erhalten haben. "Wir haben viele Firmen kommen und gehen sehen", erzählt Uwe Fritzsche. 1993 haben sie ihr Unternehmen gegründet. Beide hatten schon vorher in der Branche gearbeitet, doch ihre Stellen wackelten. In ihren Firmen wurden immer wieder Kollegen entlassen. "Es waren wilde Zeiten", sagt Uwe Fritzsche. Da ihr Schicksal unsicher war, entschieden sie, es in ihre eigenen Hände zu nehmen.

"Anfang der 1990er-Jahre gab es einen Gründungsboom", sagt Robby Drechsel, Geschäftsführer der Chemnitzer Elektro-Innung, in der Fritzsches allerdings nicht organisiert sind. "Das war eine Sondersituation, wie es sie nie wieder geben wird." Der Abwärtstrend, der bald einsetzte, spiegelt sich auch in Zahlen der Handwerkskammer wider: Waren 2005 noch 427 Unternehmen im Erzgebirge tätig, ist die Anzahl heute auf 382 geschrumpft. Das liegt nicht zuletzt daran, dass Handwerker fehlen, die in dem Beruf arbeiten wollen.

Auch Fritzsches haben heute nur noch sieben Mitarbeiter. Früher waren es 20. Doch ihre Auftragsbücher sind voll, zum Teil müssen sie Anfragen ablehnen. In der ganzen Region sind sie unterwegs, auch in Chemnitz. Dort haben sie die Geschäfte der neuen Gastromeile ans Netz angeschlossen und Schirme mit Beleuchtung und Heizungen installiert. "Unser Erfolgsrezept besteht darin, dass wir selten Nein gesagt haben", erzählt Jörg Fritzsche. Und die Anforderungen sind gestiegen. Wären Fritzsches noch heute auf dem Niveau, das sie vor 25 hatten, könnten sie nicht mehr mithalten. Fotovoltaik, Sicherheitsanlagen, Programmieren, Smarthomes - all das gehört heute zu ihrem Programm, neben der klassischen Arbeit mit Schalter, Steckdose und Glühbirne. Deshalb stört es sie, wenn ihr Beruf bespöttelt wird. "Auf das Wort Strippenzieher reagiere ich allergisch", sagt Jörg Fritzsche.

Dass Uwe Fritzsche, der ältere Bruder, einmal Elektriker werden würde, zeichnete sich schon in seiner Jugend ab. Als Schüler vertiefte er sich in sein Funk-Hobby, erwarb auch eine Amateur-Lizenz. Jörg Fritzsche hatte andere Interessen: Er war Leistungssportler und sammelte Erfolge bei der Gesellschaft für Sport und Technik (GST), dem DDR-Dachverband für Sportschießen, Motorsport, Tauchsport und Segelfliegen. Im Seesport schaffte er es sogar zum DDR-Meister. In dem bisschen Freizeit, das er heute hat, läuft er Marathons.

Damals unternahmen die Brüder kaum etwas gemeinsam. Heute dafür umso mehr. Bis zu 80 Wochenstunden schuftet jeder von ihnen, dabei verbringen sie viel Zeit zusammen im Büro. Ihre Angestellten, sagt Jörg Fritzsche, sollen aber nicht so viele Überstunden anhäufen. Man wolle die Mitarbeiter schließlich halten. Fachkräfte seien rar. Auch das Geld müsse stimmen. "Wir zahlen ein gutes Stück über dem Tarif." Nach Angaben der Deutschen Handwerkszeitung beträgt der Tarif bundesweit 11,40 Euro.

Obwohl ihr Handwerk anstrengend ist, sind Fritzsches zufrieden. "Es ist extrem vielfältig, hoch interessant", sagt Uwe Fritzsche. Sein Bruder stimmt zu. "Ich könnte mir nicht vorstellen, am Band zu arbeiten. Wir brauchen die Herausforderung." Immer wieder neu denken, Lösungen für komplexe Probleme finden - das reizt sie. Gibt's zwischen den Brüdern auch mal Streit? Meinungsverschiedenheiten, ja. "Aber man lernt daraus", sagt Jörg Fritzsche.


26 Elektrotechniker bekommen den Meisterbrief

Elektroniker zählt zu den fünf beliebtesten Ausbildungsberufen im Gebiet der Handwerkskammer (HWK) Chemnitz, zu dem auch das Erzgebirge gehört. 172 Lehrverträge wurden in diesem Jahr bis Ende September geschlossen, davon 49 im Erzgebirge. Im vergangenen Jahr waren es 148 beziehungsweise 39.

Ein E-Haus ist ab 2020 das neue Kernstück der Hightech-Ausbildung der HWK: In einem umgebauten Lichthof wird auf 100 qm ein authentisches Smarthome eingerichtet.

26 Elektrotechniker haben in diesem Jahr ihren Meister gemacht. 2001 waren es noch 57 gewesen. 2019 werden insgesamt 207 Meisterbriefe von der Handwerkskammer ausgestellt, 37 für Frauen. Mit 38 bekommen Kraftfahrzeugtechniker die höchste Anzahl an Meistertiteln. (pc)

Bewertung des Artikels: Ø 3 Sterne bei 1 Bewertung
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...