Gaststätten im Erzgebirge: Wo es läuft und wo nicht

Immer mehr Restaurants und Kneipen im Erzgebirge schließen für immer die Türen. Betreiber dreier Lokale erklären, warum. - Und einer berichtet, was seinen Erfolg ausmacht.

Annaberg-Buchholz.

Schnell zur Gaststätte im Wohnort gehen: Das können immer weniger Bewohner der ländlichen Ecken des Erzgebirges - weil es in manchem Ort keine Gaststätte mehr gibt. Weil immer mehr Gaststätten schließen, ist für das Mahl auswärts immer häufiger eine Fahrt in die nächste Stadt nötig.

Wie viele Gaststätten genau in den letzten Jahren im Kreis ihre Türen für immer geschlossen haben, lässt sich nicht beziffern. Die Deutsche Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) hatte aber im Gebiet des Regionalverbandes Chemnitz, zu dem das Erzgebirge gehört, im Jahr 2006 noch 928 Mitglieder, im Moment sind es noch 759. Zwar sind darunter auch Hotels. Doch laut Franziska Luthardt, der Vorsitzenden des Chemnitzer Dehoga-Regionalverbandes, ist die Tendenz klar: Die Gaststätten werden weniger, auch im Erzgebirge.

Thomas Martin hat zum 1. August seinen Landgasthof im Zwönitzer Ortsteil Günsdorf aufgegeben. In den vergangenen Jahren war die Gaststätte ein reines Zuschussgeschäft aus den Einnahmen des Hotels, sagt er. Martins Hauptproblem sei gewesen, dass zuletzt kaum noch Touristen in sein Lokal kamen. Durch das sächsische Tourismuskonzept sei die Umgebung seines Gasthofes lange nicht genug gefördert worden. Und auch die einheimischen Gäste sind weniger geworden: Mitte der 1990-er habe er viele Stammgäste gehabt, die damals schon Rentner waren. Viele davon sind inzwischen gestorben, aber keine neuen nachgekommen. Denn junge Leute gingen nicht in Landgasthöfe, sondern in modernere Restaurants, beispielsweise in Chemnitz. Diejenigen im Landgasthofalter hätten aber häufig Kreditschulden nach einem Hausbau, vermutet Martin. Er habe zwar versucht, beispielsweise mit Musikveranstaltungen und regelmäßig modernisierter Speisekarte den Ansprüchen der nächsten Generation Gaststättenbesucher gerecht zu werden. Doch möglicherweise habe er dennoch einiges versäumt, so Martin.

Zu wenig Tagestourismus stellt auch Christel und Klaus-Dieter Schimmel vor Probleme. Unter der Woche kommen nur wenige Gäste in ihre Hammerschänke in Eibenstock. Deshalb hatte das Ehepaar stets eine Bedienung auf Minijobbasis eingestellt. Diese hat nun woanders eine volle Stelle gefunden - Ersatz findet sich aber nicht. Zu zweit sechs Tage pro Woche die Gaststätte zu betreiben, schaffen die Schimmels aber nicht. Sie haben deshalb jetzt einen zweiten Ruhetag eingeführt. So haben sie einen Tag zum Einkaufen und einen zum Erholen.

Personalmangel ist eine der häufigsten Ursachen für Gaststättenschließungen, die Luthardt von der Dehoga aufzählt. Dazu gehören außerdem unter anderem Investitionsstau, unattraktive Lage, fehlende Perspektiven für künftige Nachfolger und fehlende Strategien bei der Personalentwicklung. Ein Wirt, der anonym bleiben möchte, sagt außerdem: Bei den sich ständig ändernden Gesetzen kommt manch einer nicht mehr mit: Computerprogramme zur Erfassung der Arbeitszeiten, immer wieder neue und komplexere elektronische Kassen - ältere Kneiper, die ohne den Umgang mit Computern aufgewachsen sind, begreifen die vorgeschriebene Technik mitunter gar nicht. Laut einem weiteren anonymen Gastronom sind zudem mancherorts Vereine eine Konkurrenz, gegen die in der freien Wirtschaft arbeitende Gaststätten nicht ankommen: Einige Gemeinden haben Vereinen Räume zur Verfügung gestellt, welche die Clubs nicht nur für eigene Veranstaltungen nutzen. Kommerzielle Lokale zahlen im Gegensatz zu den Vereinen Steuern, Tourismusabgaben und Mindestlohn, häufig kommt noch die Miete der Räume hinzu. Deshalb sind die Vereinsräume günstiger, Hochzeiten, Geburtstage und Trauerfeiern fallen für die Gaststätten weg.

Was vielen Lokalen dabei hilft, Erfolg zu haben, ist laut Luthardt ein klares Konzept, beispielsweise eine rein vegane Speisekarte oder das Arbeiten mit ausschließlich regionalen Lebensmitteln. Ein für ihn gut funktionierendes Konzept verfolgt beispielsweise Uwe Stöckel seit rund 20 Jahren: In seinem Waldgasthof "Am Sauwald" im gleichnamigen Tannenberger Ortsteil arbeitet er soweit wie es möglich ist mit regionalen Lebensmittel. Das Rindfleisch stammt zudem seit 2009 von den Heckrindern, die er selbst hält. Diese Rasse ist eine Rückzüchtung des Hausrindes.

Doch auch mit klarem Konzept kann die Lage Probleme bereiten. Im Erlebnisgasthaus "Zum Grenadier" im Schloss Wolkenstein ist alles auf die Zeit Napoleons ausgerichtet: Die Speisen sind Rezepten von damals nachempfunden, das Personal trägt Kleidung nach damaliger Mode und erzählt Anekdoten aus jener Zeit. Doch seit das Parkverbot vor dem Eingang zum Lokal durchgesetzt wird, gibt es unter der Woche keine Mittagsgäste mehr. Diese, so Inhaber Thomas Leschner, seien nicht bereit, fünf bis zehn Minuten vom nächstgelegenen Parkplatz bis zur Gaststätte zu Fuß zurückzulegen. Deshalb bleibt diese montags und dienstags komplett geschlossen, Mittwoch bis Freitag bis 17 Uhr.

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