Geigenbau ist lebenslanger Lernprozess

Jacob Thierfelder hat seine Leidenschaft zum Beruf gemacht. Mit 29 Jahren ist er Meister seines Fachs. Abgeschlossen ist seine Ausbildung deswegen aber noch lange nicht.

Auerbach.

Auf der Werkbank liegen Werkzeuge in verschiedenen Größen, aber auch Musterzeichnungen von Einzelteilen einer Geige. An einem Wandbord hängen Geigen, die auf eine Reparatur warten. Im Hintergrund dudelt leise Musik. Und obwohl sich Jacob Thierfelder voll und ganz dem Geigenbau widmet, hört der 29-Jährige nicht nur klassische Musik. Es können auch mal Folk, irische Klänge oder Metall sein.

Im großen Schrank der kleinen Werkstatt bewahrt er neben komplett in Handarbeit gefertigten Geigen in verschiedenen Größen auch sein Meisterstück auf. Die klassische Violine, eine Stradivari, Modell Medici aus Fichten-, Ahorn- und Ebenholz. Seit Ende Juni ist der beste Geselle im Gebiet der Chemnitzer Handwerkskammer zudem Meister seines Fachs. Vorherbestimmt war der berufliche Weg aber keineswegs.

Als vierjähriger Knirps fand Jacob Thierfelder Geigen faszinierend. Zu Besuch bei Bekannten wollte er gerne einmal so ein Musikinstrument in die Hand nehmen. Das stimmgewaltige Stopp vom Vater hielt ihn zurück. "Seine mahnenden Worte: 'Geigen gehen schnell kaputt!' hat sich bei mir so eingebrannt, dass für mich das Thema tabu war - 18 Jahre lang." Erst im Alter von 22 Jahren endete dieses Trauma. Jacob Thierfelder traute sich, eine Violine anzufassen. Vorher hatte es sich schlichtweg nicht ergeben. Und der junge Mann erlebte den Aha-Effekt seines Lebens: So ein Streichinstrument ist robust und spannend noch dazu. Damit war für ihn die langjährige Suche nach einem Beruf, für den er brennt und der im handwerklichen Bereich liegt, zu Ende. Der Entschluss, Geigenbauer zu werden, stand fest. Der Auerbacher, der bis dahin nur als Hobby Kuhlohorn und Gitarre spielte, begann sofort mit intensivem Geigenunterricht.

Nach dem Abitur 2008 wollte Jacob Thierfelder eigentlich Kfz-Technik studieren. Doch das war ihm zu wenig praxisnah. Bis er beim Geigenbau landete, probierte er einiges aus, arbeitet im Lager oder als Fußbodenlegegehilfe. In Ägypten, Kenia und Indien unterstütze er Hilfsorganisationen. Wieder zurück in Auerbach, lernte Jacob Thierfelder eine Frau mit ähnlichen Erlebnissen kennen, denn auch die Erzieherin war bei Einsätzen in armen Ländern tätig. Inzwischen sind die beiden verheiratet und Eltern von vier Kindern im Alter von sieben, fünf, drei und einem Jahr.

Nach der dreijährigen Ausbildung in Klingental folgte für Jacob Thierfelder der Meisterlehrgang. Vor reichlich einem Jahr wagte er dann den Schritt in die Selbstständigkeit. Ein guter Abschluss macht Mut und gibt Zuversicht. Doch Jacob Thierfelder weiß: Nur mit Qualitätsarbeit kann man sich etablieren. "Musikinstrumentenbau ist ein lebenslanger Lernprozess. Die Herausforderung ist, einen eigenen Stil zu finden und diesen immer wieder auszubauen, weiter zu entwickeln, auch mal was Neues zu probieren." Das eine System gebe es nicht, es sind Feinheiten, Übergänge, die den Unterschied ausmachen. "Ein versierter Geigenspieler nimmt ein Instrument in die Hand und weiß sofort, ob es für ihn passt."

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