Geld ist alle: Schacht wird nicht saniert

Die geotechnischen Erkundungen des Schachtes Breitscheid III in Hohndorf haben begonnen. Die Untersuchungen sollen Grundlage für eine sichere Verwahrung sein - aber dazu wird es in absehbarer Zeit nicht kommen.

Hohndorf.

Geologe Rico Wünsch beugt sich über einen der Holzkästen und zeigt auf darin liegendes Material. "Das ist Rotliegendes aus einer senkrechten Bohrung neben dem Schacht", erklärt er. Der Inhalt einer anderen Kiste sieht nach Erde und Ziegeln aus. Wünsch nickt - das Material stammt aus einer der beiden Schrägbohrungen, die gerade mittels schwerem Gerät in einem Winkel von 60 Grad auf den Breitscheidschacht III zu in die Erde getrieben werden. Zuerst habe man Verfüllmasse gefunden, später Mauerwerk. Wo nichts im Kasten liegt, waren Hohlräume. Als letztes werde noch eine Bohrung direkt in den Schacht getrieben, erklärt der Geologe. Alles, was gefunden wird, werde fotografiert und dokumentiert sowie auf seine Zusammensetzung und beispielsweise Schadstoffe hin untersucht. Die Erkundungen sind Voraussetzung für die Schachtsanierung, erklärt Rico Wünsch. Wann diese allerdings stattfinden kann, steht derzeit in den Sternen - denn das Geld reicht nicht.

"Es ist bereits jetzt erkennbar, dass die kostenintensiven Schachtverwahrungen und Haldensanierungen im Projekt Breitscheid-Schächte das bewilligte Budget weit überziehen würden", erklärt Oberberghauptmann Prof. Bernhard Cramer vom Oberbergamt (OBA) Freiberg. Insgesamt standen für das Hohndorfer Projekt 3,5 Millionen Euro zur Verfügung. Von dem Geld wurden bislang die einsturzgefährdete Brücke der alten Kohleanschlussbahn in Hohndorf abgerissen und ein umfassender artenschutzrechtlicher Fachbeitrag erarbeitet. Hinzu kommen die jetzt begonnenen bohrtechnischen Erkundungen. "Die Auswertung der Ergebnisse sowie die planerischen Leistungen werden einen längeren Zeitraum in Anspruch nehmen, sodass ein Baubeginn im Jahr 2020 nicht mehr möglich ist", erklärt Cramer.

Auch Umschichtungen innerhalb des insgesamt 50 Millionen Euro umfassenden Budgets für das Vorhaben "Prävention bergbaulicher Risiken" in ganz Sachsen sind offenbar nicht möglich. Durch bereits begonnene und in Sanierung befindliche Objekte sei es ausgeschöpft, so Cramer. Darum sei "die vollumfängliche Sanierung der beiden Halden Breitscheid II und III und der Schächte I und III bautechnisch nicht umsetzbar". Die Erkundung und Bewertung der Breitscheid-Schächte I und III sowie die Erkundung, Bewertung und Planung für die Halden II und III werden in der laufenden Förderperiode aber als Planungsprojekte abgeschlossen, so Cramer. "Dafür sind rund 950.000 Euro veranschlagt." Für die Sanierung selbst sei aber zunächst die Finanzierung zu klären. "Ein Zeitpunkt für die Umsetzung könne noch nicht genannt werden.

"Das ist ein derber Dämpfer für Hohndorf", sagt Bürgermeister Matthias Groschwitz (parteilos). Nun sei völlig offen, wie es weiter geht. Er wisse, dass das Geld alle ist, sagt er. "Ich weiß aber auch, dass dringender Handlungsbedarf besteht." Der Standort der Schächte hat für die Gemeinde Potenzial, weiterentwickelt zu werden, so war es auch im Projektantrag von 2016 festgehalten worden. Zudem hat Starkregen zu großen Erosionserscheinungen an der Halde des Breitscheid-Schachtes II geführt, ihre Hänge im Nordwesten und Norden sind in der Folge nicht standsicher. Auch das steht im Projektantrag. Die Gemeinde hat zudem einen Fördermittelbescheid für die Umgestaltung des Hundesportplatzes, der sich auf der Breitscheidhalde III befindet, vorliegen. "Der muss bis 2021 abgerechnet sein", sagt Groschwitz. Solange die Halde aber nicht saniert sei, könne er dort nichts machen. Darum möchte er, dass es wenigstens zu einer Teilumsetzung der geplanten Haldenumstrukturierung kommt. Um eine Lösung zu finden, will er möglichst bald beim Oberberghauptmann vorsprechen. "Der Termin wird gerade abgestimmt."

1Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 6
    2
    Mauersberger1
    14.12.2019

    "Geld Alle" für die Sicherheit der Menschen die hier leben, aber nicht für Menschen die NOCH NICHT hier leben, Wahnsinn!!



Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
Mehr erfahren Sie hier...