Gerangel um einen bergmännischen Künstler

Ist Willibald Mayerl nun Hohndorfer oder Oelsnitzer? Wie häufig ist die Antwort eine Frage der Sichtweise.

Oelsnitz/Hohndorf.

So viel Aufmerksamkeit wie in den vergangenen Tagen dürfte dem Künstler Willibald Mayerl (1896-1977) in der jüngeren Vergangenheit nicht zuteilgeworden sein. Seit voriger Woche ziert ein Wandbild in Anlehnung an sein Werk "Untersuchung auf schlagende Wetter" die Fassade eines Häuserblockes der Oelsnitzer Concordiasiedlung.

Seither klingelt häufiger das Telefon in der "Freie Presse"-Redaktion. "Willibald Mayerl war seit jeher Hohndorfer. Er hatte sein lichtdurchflutetes Atelier am Hofgraben", stellte Matthias Groschwitz, seines Zeichens Bürgermeister von Hohndorf, klar. Vor ihm hatten das auch andere Anrufer angemerkt. Das ist nicht falsch und doch auch nicht ganz richtig. Christian Bauer, einer der Oelsnitzer Ortschronisten, verwies auf Neuoelsnitz als Geburtsort Mayerls und auf seine Zeit als Obersteiger auf dem Kaiserin Augusta Schacht; jenem Ort, der heute das Bergbaumuseum in Oelsnitz beheimatet. Doch wie liegt die Sache nun?

Die Fäden laufen wie so häufig bei solchen Dingen im Bergbaumuseum zusammen. Dort sind die Künstler auch auf den historischen Kollegen aufmerksam geworden. "Auf Willibald Mayerl sind wir über Heino Neuber aus dem Bergbaumuseum gekommen. Dieser hatte sich wirklich viel Zeit für uns genommen und uns aus seinem Archiv etliches an Bildmaterial zur Verfügung gestellt. Dafür sind wir Heino Neuber sehr dankbar", sagt Martin Tretner, einer der beteiligten Künstler.

Aber zurück zu Willibald Mayerl. "Seine Eltern sind des Bergbaus wegen hergekommen und haben in Neuoelsnitz gelebt. Dort ist Mayerl demnach auch geboren", sagt Heino Neuber. Er ist Sammlungsleiter im Bergbaumuseum und hat sich mit Mayerl auch wegen der anstehenden Landesausstellung beschäftigt. Innerhalb dieser wird er eine Rolle spielen, und zwar im Bereich Geschichte des Kaiserin Augusta Schachtes. Mayerl hatte laut Neuber auf dem Vertrauensschacht in Lugau gelernt, ehe er die Bergschule in Freiberg besuchte. In den 1930er-Jahren war er als Reviersteiger auf Pluto in Gersdorf tätig, ehe er nach Oelsnitz wechselte. Zwischenzeitlich sei er nach seiner Heirat in den 1920er-Jahren mit seiner Frau nach Hohndorf gezogen und habe dort bis zu seinem Tode gelebt. "Da ist er auch Künstler geworden", sagt Neuber. Daher sei es auch legitim, in Mayerl einen Hohndorfer Künstler zu sehen. Mayerl selbst habe sich stets auch als Bergmann gesehen. Auch wenn er nach dem Zweiten Weltkrieg noch für die Wismut tätig war, habe er seine prägende Zeit im Lugau-Oelsnitzer Revier verbracht.

Und daher können sowohl Hohndorf als auch Oelsnitz berechtigt auf Willibald Mayerl verweisen. Ganz abseits des ohnehin nicht wirklich verbissen ausgefochtenen Gerangels wird dem Künstler und Bergmann nun lange nach seinem Tode erneut Aufmerksamkeit zuteil. Oder wie es die Oelsnitzer Ratsfrau Susann Popp bei der Präsentation des Wandbildes in leicht anderem Zusammenhang sagte: "Es ist immer gut, wenn über Kunst geredet wird." Das gilt freilich auch dann, wenn über die Künstler geredet wird.

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