Geschichte eines Ortes auf drei Tellern

Sie gehören zur Weihnachtszeit im Erzgebirge wie der Schwibbogen in den Fenstern: die Ortspyramiden. Dieses Wochenende werden sie wieder angeschoben. In Gornsdorf fiel die Entstehung der Pyramide gerade in eine aufregende Zeit.

Gornsdorf.

Wenn die Gornsdorfer am Samstagnachmittag ihre Pyramide feierlich anschieben, dann passiert das im Ort genau zum 30. Mal. 1990 wurde die neue Ortspyramide fertig, Mitglieder des Schnitzzirkels hatten seit 1987 mehr als 3000 Arbeitsstunden um die Figuren aus Fichtenholz zu erschaffen.

Einer, der schon damals dabei war und es auch am morgigen Samstag wieder sein wird, ist Eberhard Lenk. Der 78-Jährige erinnert sich: "Wir hatten eine Pyramide, fünfstöckig mit 46 Figuren. Die konnte aber nicht im Freien aufgestellt werden." Also fiel 1987 die Entscheidung: eine Ortspyramide muss her. Die Entwürfe stammen alle vom Schnitzmeister Walter Hunger, der auch den Jordan am Rathaus erschaffen hat. "Er hat unsere Arbeiten auch zwischendurch immer wieder korrigiert und auch der letzte Schliff kam von ihm." Rund 25 Schnitzer waren damals beteiligt, so Lenk.

Die Gornsdorfer Pyramide drückt wie die meisten anderen im Erzgebirge die Identität des Ortes auf drei Tellern aus: Bergmänner sind fester Bestandteil, dazu einst im Ort typische Berufe wie den Strumpfwirker und ganz oben Kinder beim Schlittenfahren und der Vater, der mit dem Weihnachtsbaum unter dem Arm nach Hause kommt. Die Geschichte eines Ortes wird hier auf kleinstem Raum erzählt. Und sie zeigt auch, dass die Welt sich immer weiter dreht, auch wenn ringsherum einiges passiert: Genau zur Wendezeit nämlich wurde das gute Stück fertig. "Aber diese Ereignisse haben uns überhaupt nicht tangiert", sagt Eberhard Lenk heute. "Es war klar, wir machen die Pyramide fertig - egal was da oben passiert."

Heute sind noch fünf Schnitzer im Ort übrig. Früher hat der Verein die Pyramide selbst aufgebaut. Inzwischen machen das Mitarbeiter des Eigenbetriebs und die Schnitzer sorgen dafür, dass dabei keiner verhungert. "Sie können ja keinen 80-Jährigen dort hoch schicken. Die Teile sind schwer", sagt Lenk.

Zum 50. Mal wird unterdessen dieses Wochenende die Auerbacher Pyramide angeschoben. Die Auerbacher hatten zuvor keine, wie Dieter Herold vom Schnitzverein der Gemeinde berichtet. Nur einer der Erbauer weilt noch unter den Schnitzern. Sie kümmern sich wie die Gornsdorfer um die Pyramide, bemalen zum Beispiel die Figuren neu. "Voriges Jahr haben wir die Kerzen der Pyramide erneuert", so Herold. Damit pflegen die Schnitzvereine auch ein Stück Identität der Orte.

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Die Termine für das Pyramidenanschieben im Altkreis

Auerbach: Samstag, 17 Uhr am Rathaus durch Schnitzverein und Bürgermeister. Die Kirchenglocken werden läuten und der Posaunenchor spielt. Es ist der Höhepunkt des Auerbacher Weihnachtsmarktes, der am Samstag um 14 Uhr an der Grundschule beginnt.

Burkhardtsdorf: Sonntag, 15.45 Uhr Begrüßung auf dem Marktplatz, Anschieben um 16.30 Uhr.

Gornsdorf: Samstag, 16 Uhr am Rathaus.

Hohndorf: Sonntag, ab 15 Uhr: Schwibbogenfest auf dem hinteren Rathausplatz.

Jahnsdorf: Samstag, 15 Uhr, Weihnachtsmarkt mit Pärmettaaschiem am Seniorenzentrum "Grüne Aue".

Stollberg: Sonntag, 17.30 Uhr auf dem Hauptmarkt.

Lugau: Samstag, 18 Uhr.

Niederwürschnitz: Freitag ab 16 Uhr am Rathaus.

Niederdorf: Samstag, 15 Uhr auf dem Festplatz an der Freizeithalle.

Thalheim: Samstag, ab 16 Uhr Einschalten der Lichter des Weihnachtsbaums auf dem Parkplatz hinter dem Rathaus. Dann startet auch die Pyramide.

Oelsnitz: Freitag, 18 Uhr. Neu: nicht mehr vor dem Hartmann-Haus, sondern unterhalb der Stadthalle.

Zwönitz: Samstag, 10 Uhr auf dem Marktplatz. (kan)

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