Gewerkschaft fordert mehr als 12 Euro Mindestlohn

8640 Menschen im Erzgebirgskreis arbeiten zum Lohn-Minimum

Annaberg-Buchholz.

Seit dem 1. Januar dieses Jahres liegt der gesetzliche Mindestlohn bei 9,19 Euro pro Stunde und ist damit um 35 Cent gestiegen. Wie die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) unter Berufung auf eine Analyse des Pestel-Instituts aus Hannover - ein Forschungsinstitut mit Spezialisierung unter anderem auf Regionalwirtschaft und Wohnungsmärkte - mitteilt, profitieren im Erzgebirgskreis 8640 Männer und Frauen davon. So viele Beschäftigte arbeiten aktuell zum gesetzlichen Mindestlohn. Mit der Erhöhung wachse in diesem Jahr die Kaufkraft im Landkreis um 2,1 Millionen Euro. "Fast jeder Euro, den Mindestlohn-Beschäftigte am Monatsende extra haben, fließt in den Konsum", erklärt Volkmar Heinrich von der NGG-Region Dresden-Chemnitz.

Dennoch sei die aktuelle Erhöhung bei Weitem noch nicht genug. "Selbst für eine Vollzeitkraft ist es extrem schwer, mit dem Mindestlohn klarzukommen. Gerade dann, wenn auch noch Kinder im Haushalt leben", sagt Heinrich. Seine Forderung und die der NGG lautet daher: Erst bei einer Größenordnung von mehr als 12 Euro pro Stunde werde die Lohnuntergrenze langsam armutsfest. Ohnehin gebe es bei den Löhnen nach Ansicht von Volkmar Heinrich "Luft nach oben". Vor allem Arbeitgeber seien hier in der Pflicht. Der NGG-Geschäftsführer bezieht sich dabei unter anderem auf das Gastgewerbe und das Bäckereihandwerk. Trotz guter Wirtschaftslage gingen selbst Fachkräfte oft nur mit dem gesetzlichen Mindestlohn nach Hause. Dabei sei nicht dieser die Messlatte, sondern der Tariflohn. Die Gewerkschaft prangert daher die "zunehmende Tarifflucht" an.

"In den Tarifverträgen der NGG sind meist deutlich höhere Löhne, auch in den unteren Lohngruppen, vereinbart", so Heinrich. Zudem werde schon die Einhaltung des Mindestlohns zu wenig kontrolliert. "Es gibt zu viele Schlupflöcher: Arbeitszeiten werden nicht korrekt erfasst oder Überstunden nicht bezahlt, um den Mindestlohn massenhaft zu umgehen. Das ist ein Skandal."

Und die Gewerkschaft NGG, die sich unter anderem für die Belange der Beschäftigten im Gastgewerbe, Bäckerei- und Fleischerhandwerk einsetzt, liefert auch gleich noch eine Rechnung mit, wie sich ein höherer Mindestlon auf die Region auswirken würde. Nach den Berechnungen des Pestel-Instituts brächte eine Erhöhung des Mindestlohns um einen Euro dem Kreis 17,5 Millionen mehr Kaufkraft. (aed)

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