Großbrand vernichtet Halle von Möbelfirma

Es ist ein Inferno gewesen: Die Rauchwolke war kilometerweit zu sehen, 180 Feuerwehrleute waren im Einsatz, Löschwasser wurde knapp, es gab drei Verletzte, Straßen mussten gesperrt werden. Die Brandursache ist unklar. Und Firmenmitarbeiter fürchten nun um ihre Jobs.

Elterlein.

Auf einem Feldweg bei Elterlein stehen Gruppen von Menschen, manche haben ihr Smartphone gezückt. Ihre Blicke sind auf pechschwarze Rauchwolken über dem Fabrikgebäude gerichtet, aus dem immer wieder Flammen schlagen. Wenige Hundert Meter entfernt versuchen Feuerwehrleute, des Infernos Herr zu werden. Die glühende Sonne und vor allem der Wind machen es ihnen nicht einfacher. Jonas Schubert (Name geändert) steht mit seiner Familie ebenfalls auf dem Feldweg. Er ist sichtlich mitgenommen und sagt: "Mir ist richtig schlecht." Schubert ist kein Schaulustiger. Er arbeitet bei der Firma Romann Maßmöbel, deren Halle an diesem Sonntag zum Raub der Flammen wird. Am Frühstückstisch habe er über Whatsapp von dem Unglück erfahren. Die Familie ließ alles stehen und liegen, wollte selber sehen, was da los ist. Ob das wahr ist, was nicht wahr sein darf. "Es zieht einem Füße weg", sagt Jonas Schuberts Frau und ringt um Fassung.

Laut Polizei wurde der Brand gegen 9 Uhr gemeldet. 180 Feuerwehrleute aus den umliegenden Orten rückten mit Löschfahrzeugen, Tanklöschfahrzeugen und Drehleitern zu dem Großeinsatz aus. Ein Polizeihubschrauber war im Einsatz, um mit Luftaufnahmen die Maßnahmen der Feuerwehr zu unterstützen. "Kurz vor 10 Uhr mussten die Löscharbeiten für etwa 15 Minuten unterbrochen werden, da es wiederholt zu Explosionen gekommen ist. Dabei ist ein Feuerwehrmann leicht verletzt worden. Zwei weitere wurden aufgrund Verdachts auf Rauchgasvergiftung behandelt", teilte ein Polizeisprecher mit. Im Laufe des Vormittags brach das Dach der 60 mal 120 Meter großen Halle ein, das Gebäude brannte nieder.

Jonas Schubert deutet auf das Fabrikgebäude, oder besser gesagt das, was davon übrig ist, und schüttelt den Kopf. "Dort unten arbeite ich eigentlich." Romann fertigt in dem rund 15.000 Quadratmeter großen Werk Individualmöbel und Möbelserien. Das Familienunternehmen Romann Maßmöbel GmbH mit seinen mehr als 50 Mitarbeitern gibt es seit 2007, zu den Kunden zählen Innenarchitekten, Hotels, Tischlereien und der Möbelhandel, wie aus einem Prospekt im Internet zu erfahren ist.

Die Löscharbeiten sollten voraussichtlich bis in den Morgen andauern, wie es gestern bei Redaktionsschluss hieß. Weil im Tagesverlauf das Löschwasser knapp wurde, musste unter anderem vom Schwarzen Teich Nachschub herangeschafft werden. Auch Landwirte halfen dabei. Malteser und Johanniter übernahmen die Versorgung der Feuerwehrleute. Die Polizei musste mehr als ein Dutzend Schaulustige wegen der Rauchentwicklung wegschicken. Unglaublich: Abgestellte Autos sorgten dafür, dass für Rettungskräfte teils minutenlang kein Durchkommen war. Auf den umliegenden Straßen kam es zu Verkehrsbehinderungen, die S 258 zwischen Elterlein und Scheibenberg wurde voll gesperrt. Weshalb es zu dem Brand kam und wie hoch der Schaden ist, konnte die Polizei gestern Abend noch nicht sagen.

Wie für ihn dieser Montagmorgen aussehen wird, wusste Jonas Schubert gestern nicht. Er wäre am liebsten zur Arbeit gegangen, ganz normal wie immer. "Es geht irgendwie weiter", hofft er zumindest. Die Frage sei nur wann. "In der Firma sind alle so nett und freundlich", meint seine Frau und wendet ihren Blick von dem brennenden Gebäude ab. "Und nun sind da so viele Arbeitsplätze, die in der Luft hängen." (mit jeuh)

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