Große Kreisstadt weiter ohne dreiköpfige Stadtwehrleitung

Die ranghöchsten Posten der Stollberger Feuerwehr sind offenkundig uninteressant. Auch heute zur Jahreshauptversammlung.

Stollberg.

Der Posten des Stadtwehrleiters - und auch die Stellen der beiden Stellvertreter - bleiben weiter vakant. Zwar findet Freitagabend im Bürgergarten die Jahreshauptversammlung der vier freiwilligen Feuerwehren Stollberg, Oberdorf, Beutha und Gablenz statt, aber eine Kandidatenliste für die verwaiste Stadtwehrleitung gibt es nicht. "Davon steht nichts auf der Tagesordnung", sagt der Chef der Freiwilligen Feuerwehr Stollberg, Ronny Mai, auf Anfrage von "Freie Presse".

Seit mehr als einem halben Jahr ist damit nun schon die zentrale Schaltstelle der Freiwilligen Feuerwehren unbesetzt - normalerweise sollen in der Stadtwehrleitung die Fäden zusammenlaufen, um die Arbeit für alle Kameraden effizienter zu machen: Zuarbeit für die kommunale Haushaltsplanung im Bereich Feuerwehr, die Einsatzbereitschaft der Wehren durch Überwachung von Ausbildungen sichern, Karteien und Nachweise über Qualifikationen, Ausrüstung und sonstige dienstliche Belange führen. Der Bedarf an Bekleidung und Ausrüstung ist ebenso wie die dafür nötigen Beschaffungslisten zu erstellen. Auch sind mit den Behörden auf Landkreisebene die Aufgaben im vorbeugenden Brandschutz abzustimmen.

Diese Liste an Aufgaben würden nun alle Feuerwehren irgendwie nebenbei mit erledigen, sagt der ehemalige Stadtwehrleiter Knut Liebe. "Das schafft große Reibungsverluste, da vieles nun dezentral erledigt werden muss." Liebe schätzt, dass all die genannten organisatorischen Aufgaben nur noch halb so effizient erledigt werden können.

Knut Liebe war bis zum vergangenen Sommer Stadtwehrleiter - allerdings auch nur kommissarisch. Hintergrund: 2018 sind Stollbergs Oberbürgermeister Marcel Schmidt und der langjährige Stadtwehrleiter Enrico Scheibner im Streit auseinandergegangen. Letzterer hat dann seinen Rücktritt erklärt. Knut Liebe übernahmen Scheibners Posten - auf Zeit. Dieser sagte gleich zu Beginn, aus Zeitgründen werde er die Aufgabe nur ein halbes Jahr machen. Liebe ist hauptberuflich bereits bei der Chemnitzer Feuerwehr angestellt - und voll ausgelastet.

Immerhin: Ein Sachbearbeiter im städtischen Ordnungsamt kümmert sich teilweise um die wichtigsten Belange der Feuerwehr mit. Doch wie es nun generell weitergeht, bleibt wohl unklar. OB Marcel Schmidt war bis Donnerstag zu Redaktionsschluss für eine Stellungnahme nicht erreichbar.


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