Großes Interesse an Islam-Vortrag

Ein Vortrags- und Diskussionsabend hat sich am Donnerstag im Lutherhaus mit dem Islam beschäftigt. Deutlich geworden ist vor allem eines: Es gibt keine einfachen Antworten.

Stollberg.

Die Auswirkungen der Flüchtlingskrise spürt Harald Lamprecht ganz unmittelbar. Seit zigtausende Menschen aus den Bürgerkriegsgebieten des Nahen Osten in Deutschland Asyl suchen, ist der Beauftragte für Weltanschauungs- und Sektenfragen der evangelisch-lutherischen Landeskirche Sachsen mit Vorträgen zum Islam unterwegs.

Mit über 50 Besuchern war das Interesse im Lutherhaus Stollberg groß. Einfache Antworten gab Lamprecht nicht: "Das ist eine total komplizierte Situation. Man kann nicht einfach sagen, wer die Guten und wer die Bösen sind in diesem Bürgerkrieg." Ausgehend von der Geschichte der islamischen Religion, ihren Grundzügen und verschiedenen Strömungen hat Lamprecht auch auf die Wesenszüge des islamischen Glaubens und seine Parallelen zum Christentum verwiesen. "Im Glauben haben wir mit religiösen Flüchtlingen mehr gemeinsam, als mit einem atheistischen Nachbarn", brachte er es anschaulich auf den Punkt und benannte als einen zentralen Konflikt: "Das Christentum ist missionarisch und der Islam ist es auch." Unterschiede gebe es freilich in der Frage, welche Formen der Missionierung erlaubt sind.

In seinem einstündigen Vortrag beeindruckte der Kirchenmann vor allem durch eine sehr ausgewogene, differenzierte Betrachtung. Anschließend kam eine angeregte Diskussion auf. Wie reagieren Moslems, wenn ich als Christ in ihr Land komme? Was verstehen Sie unter Integration? Eine große Bandbreite an konfliktbeladenen Fragen und Ansichten wurde aufgeworfen. Doch letztlich wurde immer wieder deutlich, dass es eine allgemeine Definition des Moslems ebenso wenig gibt, wie die eines Christen.

Das macht Lamprecht sowohl an den einzelnen Menschen, als auch an den verschiedenen religiösen Strömungen fest. So sorgte er für Schmunzeln, als er in Bezug auf eine spezielle islamische Glaubensrichtung erklärte: "Die Moslems freuen sich über einen Moscheebau der Aleviten genauso, wie wir Christen uns über den Bau eines Mormonentempels freuen." Doch nicht nur Skepsis wurde deutlich. So erzählte Pfarrer Matthias Lorenz zu seinen Erfahrungen mit einer jungen, muslimischen Familie: "Wenn man mit diesen Menschen zusammenlebt, sieht die Welt ganz anders aus."

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