Großes Mausohr und Co bekommen mehr Aufmerksamkeit

15 Fledermausarten sind im Erzgebirgskreis erfasst, allein acht wurden im alten Lugauer Bahnhofsgebäude entdeckt. Das blieb nicht ohne Folgen für die Stadt: Sie hat nun Sorge zu tragen, dass die Tiere auch künftig im Bahnhof Quartier beziehen können. Aber nicht nur dort werden für die Fledertiere Domizile geschaffen.

Lugau/Stollberg/Oelsnitz.

Ganz unten und ganz oben, im Keller und unterm Dach, können sie demnächst Quartier beziehen. Wenn die Fledermäuse denn wollen und zurückkehren, nachdem das Baugeschehen im und um das Bahnhofsgebäude von Lugau sie erst einmal vertrieben hat. Acht Fledermausarten waren im Zuge der Erfassung für ein Artenschutzgutachten vor Baubeginn in dem Gebäude festgestellt worden, hat der frühere Bauamtsleiter Jan Jacob unlängst bei einer Baustellenbegehung erklärt. "Zwei haben sogar hier genistet." Weil Fledermäuse unter Schutz stehen, hatte das Konsequenzen - die Stadt Lugau als Bauherr muss dafür sorgen, dass sich Fledermäuse auch künftig in dem Gebäude wohl fühlen. Schlitze in einem Kellerfenster und in den Bodenraum sollen nun dafür sorgen, dass die Tiere wieder einen Unterschlupf finden können.

Aber wie werden solche Vorkommen überhaupt erfasst? Stefan Pechfelder, Sprecher im Landratsamt: "Fledermäuse sind Säugetiere und nutzen Gebäude als Sommerquartiere, Wochenstube oder in manchen Fällen auch nur als Tagesquartiere. Auf Grund indirekter Hinweise, wie Kot- und Urinspuren, Nahrungsresten oder auch Totfunden von Fledermäusen, können Rückschlüsse auf die Art der Quartiernutzung gezogen werden." Vorkommen und Auflagen wie in Lugau seien in jüngerer Vergangenheit im Erzgebirgskreis eher selten gewesen, erklärt Pechfelder. Er nennt lediglich den Abriss der Industriebrache Himmelmühle in Thermalbad Wiesenbad und den eines Wohnblocks in Schwarzenberg, für die nach der Feststellung von Fledermausvorkommen Auflagen erteilt wurden. Nach Abschluss der Arbeiten sei der Bauherr verpflichtet, die Fertigstellung zu dokumentieren und der Unteren Naturschutzbehörde anzuzeigen, erklärt er. Das Ganze werde dann auch überprüft.


Das Interesse am Fledermausschutz scheint zu wachsen. "Die allgemeine Sensibilisierung nimmt zu", glaubt auch Heiko Goldberg, ehrenamtlicher Naturschutzhelfer aus Wilkau-Haßlau. Er werde immer häufiger um Rat gebeten. So auch von Eva-Maria Müller vom Verein Wildvogelaufzuchtstation Mittelsachsen. Die Stollbergerin hatte in Vorbereitung der Station, die zwischen Stollberg und Affalter entstehen soll, Kontakt zu Goldberg aufgenommen und wollte wissen, welche Möglichkeiten es gibt, etwas für Fledermäuse zu tun, sagt sie. Sein Tipp: das Gebäude mit einer Holzverkleidung versehen, hinter der die Tiere Unterschlupf finden.

Aufmerksame Beobachter können auch in den sanierten Stellwerken des früheren Oelsnitzer Bahnhofs Schlitze für Fledermäuse entdecken. Eine Auflage sei das nicht gewesen, sagt Lisa Schmiedek von der Stadtverwaltung, das sei der Stadt aber im Zuge eines Artenschutzgutachtens nahe gelegt worden. Ob die Möglichkeit inzwischen genutzt werde, könne man aber nicht sagen.

Wie wichtig der Schutz der Tiere ist, betont auch Stefan Pechfelder. "Unsere heimischen Fledermäuse ernähren sich ausschließlich von Insekten. Durch den mitunter erheblichen Rückgang der Insektenpopulationen ist ihre ausreichende Ernährung der Fledermäuse teils gestört, was auch die Aufzucht der Jungtiere beeinträchtigt." Es könne darum viel für Fledermäuse getan werden, indem strukturreiche Park-, Garten- und Grünanlagen eine strukturreiche Umgebung mit vorhandener Insektenvielfalt erhalten werden. Vorhandene Quartiere in Gebäuden, Baumhöhlen, Stollen oder Höhlen sollten in jedem Fall erhalten und Störungen vermieden werden. Heiko Goldberg macht auf eine Internetseite des Nabu aufmerksam, die dem Fledermausschutz gewidmet ist. Dort findet man auch für seine Region Ansprechpartner. www.fledermausschutz-sachsen.de

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