Grüne: Klimaschutz im Erzgebirge enttäuschend

Kreisverband fordert von der Kommunalpolitik mehr Anstrengungen

Stollberg.

Wenige Tage nach der Veröffentlichung des Sonderberichts des Weltklimarats IPPC, in dem Wissenschaftler auf ein rasches Handeln weltweit drängen, um die Erderwärmung bei 1,5 Grad Celsius zu stoppen, üben die Erzgebirgs-Grünen scharfe Kritik am Stellenwert des Klimaschutzes in der Region. "Sehr enttäuschend" nennt Kreisvorsitzende Ulrike Kahl die Antworten von Landrat Frank Vogel (CDU) auf einen Fragenkatalog, den die Kreistagsfraktion zu dem Thema eingereicht hatte. "Viele Landkreise sind da seit Langem beträchtlich weiter und haben für sich Konzepte erstellt, Initiativen ergriffen und entsprechende Projekte auf die Beine gestellt. In etlichen Regionen ist man bestrebt, sich energieautark zu versorgen. Das alles vermisse ich im Erzgebirge", sagt die Kreisrätin.

So habe etwa der Landkreis Zwickau beschlossen, einen Klimamanager zu installieren, der bis 2020 ein Klimaschutzkonzept erarbeiten soll. Kahl: "Offensichtlich spielt das bei uns kaum eine Rolle, denn auch das Kreisentwicklungskonzept, auf welches der Landrat verweist, existiert nur im Entwurf." Wesentlich für den hiesigen Klimaschutz ist laut Vogel derweil Windenergie - wegen Streits in der Planungsregion sei aber hier die Entwicklung "erheblich gehemmt". Spezielle Mittel für ein Klimaschutzkonzept soll es derweil im nächsten Doppelhaushalt nicht geben. Die Begründung des Landrats: "Realistische Ziele und praktische Maßnahmen sind besser als hochfliegende Konzepte, die nur auf Papier geschrieben sind." An aktuellen Klimaschutzmaßnahmen in Regie des Kreises verweist Vogel etwa auf die energetische Sanierung von Verwaltungs- und Schulgebäuden. Für 2019 plane der Kreis die Anschaffung von vier Elektrofahrzeugen für den Fuhrpark - die bislang einzigen. Die Grünen halten das für zu wenig. Der Ausbau der erneuerbaren Energien stagniere auf niedrigem Niveau und habe in der Kommunalpolitik keine Lobby, moniert Kahl. Dabei zeige der Klimawandel auch zunehmend im Erzgebirge seine Auswirkungen: mit Hitze, Trockenheit und Stürmen.

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1Kommentare
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  • 3
    0
    Dorpat
    12.10.2018

    Liebe Frau Kahl!

    1. Wer allen Ernstes glaubt, wenn wir den Erzgebirgskamm mit riesigen Windrädern vollpflastern und diese auch noch in die Mitte unserer klimaschützenden grünen Wälder stellen, könnten wir die Erderwärmung stoppen, der glaubt wahrscheinlich auch an den Weihnachtsmann.
    Deswegen wird es nicht einmal 0,01 Grad kälter werden im Erzgebirge! Aber wir werden dann noch mehr schützenswerte Vögel unter diesen Windrädern auflesen müssen. Ein Vogel kann die Rotationsbewegung der Windräder gar nicht erfassen, es widerspricht völlig seinen seit Urzeiten vererbten Erfahrungen und Instinkten.
    2. Wenn wir mehr Elektroautos im Erzgebirge zum Einsatz bringen, wird lediglich der ADAC dadurch mehr Einsätze fahren müssen. Kennen sie die Erfahrungen von Elektroauto-Fahrern im Winter im Erzgebirge? Decke über den Beinen, weil Heizung tabu und Entfernungen genau ausrechnen, damit man nicht liegen bleibt!

    Einer meiner Vorschläge für mehr Landschafts- und Klimaschutz im Erzgebirge: Bei Neuaufforstung unserer Wälder den Anteil von Laubbäumen stark erhöhen. Statt der Fichtenmonokulturen, die zu DDR-Zeiten angepflanzt wurden. Laubbäume wachsen zwar langsamer, aber diese Maßnahme bedeutet auf lange Sicht wirklich Nachhaltigkeit und die Wälder widerstehen dann auch unseren üblichen Herbststürmen wesentlich besser.



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