Guter Umsatz, alte Belegschaft: Wohl und Wehe des Firmenchefs

Das Niederwürschnitzer Maschinenbau-Unternehmen MN hat sich seit der Finanzkrise vor zehn Jahren gehörig berappelt. Doch Geschäftsführer Günther Bessinger sucht Hände ringend neue Mitarbeiter - ein Drittel der Belegschaft steht vor der Rente.

Niederwürschnitz.

Die gute Nachricht zuerst. "Wir stehen jetzt viel besser da als vor der Krise vor zehn Jahren", sagt MN-Geschäftsführer Günther Bessinger. Der Maschinenbauer aus Niederwürschnitz produziert auf 6000 Quadratmeter Produktionsfläche Schweißbaugruppen und bearbeitet Guss- und Stahlbauteile. Der Umsatz liegt mittlerweile bei knapp sechs Millionen Euro, große Unternehmen wie Starrag-Heckert gehören zu den Kunden. MN agiert im gesamten deutschsprachigen Raum.

2007 hat Günther Bessinger die Firma übernommen, die wiederum 1995 aus der Textima Teilefertigung hervorgegangen war. Nach einer sehr guten Auftragslage in den Jahren 2007 und 2008 ging die Wirtschaftskrise damals auch an dem Maschinenbauunternehmen nicht vorbei. Um 50 Prozent seien die Aufträge zurückgegangen, erklärte der Geschäftsführer damals gegenüber "Freie Presse".

Torsten Kleditzsch

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Bis heute hat Günther Bessinger in den Unternehmensstandort nach eigener Aussage 2,5 Millionen Euro investiert - ein Drittel davon mit Fördergeldern des Freistaats Sachsen: Unter anderen in neue Kräne, Photovoltaik, Maschinen, IT- und Bürotechnik. Im vergangenen Jahr hat Bessinger nach eigener Aussage 300.000 Euro unter anderen in weitere Kräne und eine Trafostation investiert. 50.000 Euro sollen bald in Lüftungs- und Schweißarbeitstechnik fließen.

Doch das ist die eine Seite der Medaille. Die andere - oder eben die weniger gute Nachricht - ist die: Bessinger braucht dringend neues Personal. "Wir müssen in den nächsten fünf Jahren etwa 30 Kollegen ersetzen, die in Rente gehen. Das wird eine Herausforderung, der wir uns stellen müssen", sagt der Geschäftsführer. Das ist etwa ein Drittel der gesamten Belegschaft in Niederwürschnitz. "Wir wollten und hatten oft bis zu acht Auszubildende, derzeit sind es gerade mal vier", sagt Bessinger. Er wolle auf jeden Fall auf Leiharbeiter verzichten, machte zudem auf das Problem der fehlenden Facharbeiter auch beim jüngsten Besuch des sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer aufmerksam. "Wir brauchen dringend eine steuerliche Entlastung, einen deutlichen Abbau der Bürokratie sowie wirkungsvolle Maßnahmen gegen den bedrohlichen Fachkräftemangel", so Bessinger an die Adresse des Landesvaters.

Und dann formulierte Bessinger das ganze Dilemma noch etwas salopp: "Und wenn Sie, Herr Kretschmer, jemanden kennen, der hier arbeiten möchte, melden Sie sich bitte bei mir." Das war mit Augenzwinkern gemeint, aber nicht nur.

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