Hecken-Freunde pflanzen 650 Sträucher

Von wegen, am Wochenende in der warmen Stube sitzen: Kinder und Erwachsene haben mit Spaten, Erdbohrern und großem Herz etwas für die Natur getan. Nur warum?

Stollberg.

Der Stollberger Ortsteil Oberdorf ist um eine riesige Wildpflanzen-Hecke reicher. Am Samstag hat der Naturschutzverein Grüne Aktion Westerzgebirge auf einer Grünanlage 650 Büsche gepflanzt. Mit Erdbohrer und Spaten hieß es für 20 Vereinsmitglieder aus Eibenstock und zehn Oberdorfer: Ran an die Hecke. Auf 230 Metern Länge sind in Dreierreihe winterharte, frostbeständige, schnell wachsende Kübelpflanzen und Nacktwurzler in die Erde gebracht worden.

Die jetzt zwei bis dreijährigen, einheimischen Pflanzen wurden in der vereinseigenen Baumschule in Eibenstock herangezogen. Der Vorteil ist, dass sie in das Ökosystem der Region passen. Das Projekt wird von EU und Freistaat gefördert. Insgesamt erhielt der Verein 5000 Euro. "Der Betrag deckt in etwa die Materialkosten. Wir sind deshalb froh über die vielen ehrenamtlichen Mitarbeiter, ohne die diese umfangreiche Aktion nicht zu schaffen wäre", sagt der Vereinsvorsitzende Jörg Richter.

Die Idee hatte übrigens Eric Liebold. Das Wohnhaus des Oberdorfers grenzt direkt an ein Grundstück, welches derzeit an die Agrargenossenschaft Lößnitz verpachtet ist. Durch einen Zivildienst in der Naturstation Zwönitz entstand der Kontakt zum Verein Grüne Aktion Westerzgebirge. Vor einem Jahr wurde das Projekt konkret angegangen. Nach der Abstimmung mit dem Pächter, - der, so Eric Liebold, "mit der Bepflanzung leben kann" - begann die Terminplanung. Aus Kreuzdorn, Weißdorn, Wildrosen, Holunder, Faulbaum, Pfaffenhütchen, Schlehe, Haselnuss soll eine etwa fünf Meter hohe, natürlich blühende Hecke entstehen.

"Das Buschwerk soll die Landschaft strukturieren, aber vor allem das ganze Jahr über Schutz, Unterschlupf, Nahrung und Brutmöglichkeiten für einheimische Wildtiere, Vögel, Säugetiere und Insekten bieten", so Liebold, der Projektleiter in der Autoindustrie ist. Der zweifache Vater denkt dabei auch an die Kinder, die durch eine farbige und vielfältige Hecke, bei der jahreszeitliche Aspekte berücksichtigt wurden, zu Beobachtungen und Sammeln von Eindrücken in der Natur angeregt werden sollen. "Das Projekt liegt mir sehr am Herzen, ich werde mich auch weiterhin aktiv an der Pflege beteiligen", so der Naturfreund.

Viel Freude an der Pflanzaktion hatten die elfjährige Leonie Gruber und der achtjährige Alfons Richter. "Ich war schon öfter bei solchen Aktionen dabei, es macht mir Spaß, ich bin gerne in der Natur. Ich freue mich, dass sich die Tiere hier ihr Essen holen können", sagt Leonie.


"Das muss Schule machen"

Andreas Gruner (Foto) aus Oberdorf hat sich an der Hecken-Pflanzaktion in seinem Wohnort beteiligt. Mit ihm sprach Petra Wötzel über seine Ideen.

Freie Presse: Wie empfinden sie die Aktion? Sie sind ja Bauingenieur, haben als einer von drei Leuten mit einem Erdbohrer die Pflanzlöcher vorbereitet.

Andreas Gruner: Wirklich sehr positiv. Als ich von dem Plan gehört habe, war ich sofort begeistert. Ich denke, das alles ist sehr sinnvoll, denn für viele Vögel und Insekten mangelt es auch auf dem Land inzwischen an ausreichend natürlichem Lebensraum.

Das ist ein gutes Stichwort. Die Frage ist ja: Welcher konkrete Nutzen steckt aus Ihrer Sicht in dem Projekt von Oberdorf?

Für die Natur und die Landwirtschaft ist diese Hecke zum Beispiel schon allein wegen des Windschutzes eine Bereicherung. Aber auch für mich als Hobbyimker sind heimische Blühpflanzen wichtig für meine Bienen, die hier ganz in der Nähe ihren Standort haben. Für sie wird die Hecke eine wertvolle Nahrungsquelle.

Wie sollte es weitergehen?

Ich hoffe ganz stark, dass sich die mit so viel Arbeit gesetzten Pflanzen auch gut entwickeln - aber vor allem, dass diese nützliche Idee anderswo auch Schule macht. Es wäre schön, wenn sich mehr Naturfreunde dafür entscheiden würden, mit gezielten Anpflanzungen gutes für Pflanzen und Tierwelt zu tun.

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