Heimatverein setzt auf den "Schwur auf die Ziesch"

Das neue Pestalozzi-Haus ist Meinersdorfs ganzer Stolz. In einer losen Serie stellt "Freie Presse" die künftigen Nutzer vor. Heute: der Heimatverein.

Meinersdorf.

Seit 27 Jahren ist der Heimatverein Meinersdorf in der Gemeinde aktiv. Die Idee dazu hatte eine Handvoll Heimatfreunde. Die Vereinsgründung fand dann schließlich mit 23 Frauen und Männern im März 1993 statt. Der Eintrag ins Vereinsregister folgte fünf Monate später. "In Meinersdorf und der Region waren viele Menschen von Arbeitslosigkeit betroffen. In dieser, bisher unbekannten und auch beängstigenden Situation, sind die Leute froh über gesellige Miteinander und abwechslungsreiche Aktivitäten mit Gleichgesinnten gewesen", erinnert sich Anita Reißmann, die Vorsitzende des Vereines. So haben im Heimatverein zeitweise bis zu 40 Frauen und Männer eine Heimat gefunden.

Eine Besonderheit ist das spezielle und durchaus originelle Aufnahmeritual. Jeder, der in den Verein eintreten möchte, muss mit einem, von der Vereinschefin geschriebenen Gedicht einen "Schwur auf die Ziesch" leisten. Damit bekunden die zukünftigen Mitglieder formell ihre Zugehörigkeit zum Heimatverein. Die Meinersdorfer Ziege als Wahrzeichen der Gemeinde steht als Statue auf dem Marktplatz. Auch im Wappen des Heimatvereines ist das Maskottchen mit Bäumen, die die Verbundenheit zur Heimat symbolisieren, verewigt.

Stolz war der Verein auf seine zwölfköpfige Singegruppe. Mit Mundartliedern und Geschichten ist die Sangesgemeinschaft in der Region, zum Beispiel beim "Advent im Arzgebig", aufgetreten und sie hat das Erzgebirge sogar auf dem Weihnachtsmarkt in Bonn repräsentiert. "Leider kann die musikalische Gruppe aus Alters- und gesundheitlichen Gründen nicht mehr aktiv sein", bedauert die 79-jährige Vereinschefin.

Fanden die ersten Treffen nach der Vereinsgründung in privaten Wohnungen, später im Anbau der Schule und dann im Depot der örtlichen Feuerwehr statt, haben die 24 Heimatfreunde im Alter von 70 bis 95 Jahren jetzt die Möglichkeit, die Räumlichkeiten im Pestalozzihaus zu nutzen. Zwei Mal im Jahr werden sich die Vereinsmitglieder in der sanierten, ehemaligen Schule treffen: zur Jahreshauptversammlung im März und zum Hutzenohmd im November. Traditionell wird es dann original erzgebirgisches Essen (Schmaus) geben. Dafür bereitet der Vorstand Kartoffeln, Hering, Leberwurst und Quark vor. "Das ist zwar allerhand Arbeit. Aber wenn es den Leuten gefällt, dann ist das für uns der schönste Dank", sagt Anita Reißmann.

Ansonsten ist die Gruppe sehr aktiv und viel unterwegs. Jedes Jahr arbeiten die vier Frauen aus dem Vorstand einen abwechslungsreichen Veranstaltungsplan aus - und das seit 27 Jahren. Außer in der Sommerpause trifft sich der Verein regelmäßig einmal im Monat, zum Beispiel zum Kegeln oder Bowling, zu Museumsbesichtigungen, Heimatfesten in der Region oder dem Besuch der Rentnersruh in Thalheim.

Alle Beiträge der Serie über das Pestalozzi-Haus von Meinersdorf lesen Sie unter im Internet unter: www.freiepresse.de/pestalozzi


Einen Monat für
nur 1€ testen.
Verlässliche Informationen sind jetzt besonders wichtig. Sichern Sie sich hier den vollen Zugriff auf freiepresse.de und alle FP+ Artikel.

JETZT 1€-TESTMONAT STARTEN 
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.