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Hilfe für Opfer sexualisierter Gewalt: Angebot im Erzgebirge soll steigen

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Der 25. November war der internationale Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen. Für Betroffene im Erzgebirge soll es demnächst auch Beratungsangebote geben.

Erzgebirge.

Ihm ist nur mal die Hand ausgerutscht. Er hatte einen stressigen Tag. Sonst ist er gar nicht so." Mit solchen und ähnlichen Schilderungen nehmen betroffene Frauen ihre Männer häufig lange Zeit in Schutz. Doch ein Schlag, eine Ohrfeige oder ein gewaltsames Schütteln ist oft der Beginn eines Martyriums. Es ist der Moment, an dem der Partner eine Grenze überschreitet, die durch nichts gerechtfertigt ist. Wird dies ohne Konsequenz verziehen, kann es der Anfang eine Spirale aus Gewalt sein.

Gewalt gegen Frauen ist noch immer allgegenwärtig, wie dem aktuellen Lagebericht des Landeskriminalamts Sachsen zu entnehmen ist. Im Jahr 2021 wurden im Erzgebirgskreis 427 Anzeigen wegen häuslicher Gewalt erstattet. Das Jahr zuvor waren es mit 442 noch mehr. "Dieser scheinbar geringfügige Rückgang der Fallzahlen ist aber kein Grund zum Aufatmen, denn die Dunkelziffer derartiger Straftaten ist wesentlich höher", sagt Silke Fröbel. Sie ist die zuständige Regionalreferentin, die mit dem Aufbau eines Unterstützungsnetzwerkes für Betroffene von Vergewaltigung und sexualisierter Gewalt in Sachsen beauftragt ist. In diesem Netzwerk ist auch der Erzgebirgskreis eingebunden. Die diplomierte Sozialpädagogin arbeitet im Auftrag des Leipziger Vereins Bellis, der sich Opferschutz und Gewaltprävention zum Ziel gesetzt hat. Aufgabe sei, den Betroffenen von Vergewaltigung und häuslicher Gewalt zu helfen, erklärt Fröbel.

Seit dem vergangenen Jahr wird ein Unterstützungsnetz für Betroffene von Vergewaltigung und sexualisierter Gewalt in Sachsen aufgebaut. Ein Projekt, das der Freistaat fördert. Schwerpunkt sei die medizinische Soforthilfe nach Vergewaltigung und häuslicher Gewalt. Durch eine Projekterweiterung konnten außerdem Regionalreferenten bestimmt werden, die nun für den Aufbau eines Unterstützungsnetzes für Betroffene in ihren Landkreisen zuständig sind. Besonders in den ländlichen Regionen finden Betroffene bislang noch keine Fachberatungsangebote oder Angebote zur vertraulichen Spurensicherung. Dazu gehören auch der Erzgebirgskreis. Genau dort werden nun mit Hilfe von Fachleuten vor Ort Versorgungsstrukturen aufgebaut. Ab 2023 sollen alle zehn sächsischen Landkreise mit dem Projekt erreicht werden, sagt Fröbel, die hierzu auch eng mit Tina Lämmel, der Gleichstellungsbeauftragten im Erzgebirgskreis, zusammenarbeitet.

Für 2023 ist im Erzgebirgskreis die Errichtung einer Fachberatungsstelle durch die Opferhilfe Sachsen angedacht, die sich speziell mit der sexualisierten Gewalt bei Erwachsenen befasst. Zur Unterstützung des Teams wird ein Mitarbeiter/in gesucht, der oder die künftig im Raum Marienberg und Annaberg tätig werde. Zudem soll ebenfalls 2023 eine Interventions- und Koordinierungsstelle für den Erzgebirgskreis entstehen. Wo diese ihren Sitz haben wird, ist noch unklar. Ziel der Bemühungen sei, betroffene Frauen und queere Menschen einen Zugang zu einer guten medizinischen Versorgung, auf Wunsch zu einer verfahrensunabhängigen Befundsicherung und die Überleitung in ein spezialisiertes psychosoziales Hilfesystem zu ermöglichen.

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